Arnshausen
Dorferneuerung

Kein Ausbau nach 08/15-Art

Um Kirche und Linde in Arnshausen soll ein hochwertiger Dorfmittelpunkt entstehen.
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Stadtplaner Wolfgang Russ erläutert, wie die Ortsmitte von Arnshausen aussehen soll. Foto: Peter Rauc
Stadtplaner Wolfgang Russ erläutert, wie die Ortsmitte von Arnshausen aussehen soll. Foto: Peter Rauc
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Der Dorfmittelpunkt von Arnshausen soll schöner werden - darin waren sich Stadt, Bauverwaltung und auch zahlreiche Bewohner des betroffenen Stadtteils einig. Wie sich die städtische Bauverwaltung mit Stadtplaner Wolfgang Russ das vorstellte, erläuterten er, seine Kollegin Christine Schwind und Architekt Johannes Hahn bei einem Zusammentreffen von Bürgern und Verwaltung. "Man werde reden über das, was gemacht werden soll, könne aber noch über keinerlei Kosten Auskunft geben, da man erst am Anfang der Plungsphase sei", so Russ zu Beginn seiner Ausführungen.
Im Augenblick sei die Dorfmittelpunkt-Umgestaltung und Erneuerung als Einzelmaßnahme geplant. Parallel dazu laufen aber auch Planungen nach dem Gemeindeentwicklungskonzept mit dem Schwerpunkt Dorferneuerung in das auch andere Stadtteile mit aufgenommen wurden. Der Vorteil sei, dass es bei den beiden Planungsvarianten andere Förderrichtlinien gäbe, so könnten bei der Gesamtmaßnahme unter Umständen Anliegerbeiträge und sogar Eigenleistungen mitgefördert werden. Jede Version biete gewisse Vorteile, aber auch Einschränkungen, so Russ, so dass man noch in der "Findung" sei was die günstigste Maßnahme ist.
"Die Straße mit den beidseitigen Gehwegen ist vermutlich noch aus den fünfziger Jahren und damit ziemlich in die Jahre gekommen" so Johannes Hahn vom planenden Architekturbüro Hahn und Kollegen. Wolle man Fördergelder, so dürfe nicht "08/15" geplant werden, sondern das Umfeld um Kirche und Dorflinde müsse "hochwertig" gestaltet werden. So soll die Lindenstraße ein "Straßenraum mit Pflasterflächen und etlichen Baum- Neuanpflanzungen werden".
Der Bereich vor der Dorflinde soll so gestaltet werden, dass er zum Verweilen einlädt, alles auf einer ebenerdigen Fläche und so soll sich die Umgrenzungsmauer der ehemaligen Schule nur noch farblich abgesetzt im Belag wiederfinden. Eine kreisförmige Pflasterung soll zum etwas versteckt liegenden "Judenbrunnen" führen, der dann mit einer Glasplatte abgedeckt, von unten beleuchtet ist. Quellen- und Ratsgasse könne man durch eine Mittelrinne entwässern und ganzflächig pflastern, so der Planungsvorschlag.
Mit einbezogen wurde auch das alte Feuerwehrhaus, das in seiner jetzigen Form erhalten, aber als "Dorfgemeinschaftshäuschen" angedacht ist. Und hier kam der erste Einwand der Arnshäuser: Es sei zwar sehr schön, dass in das Gebäude 50 000 Euro gesteckt werden sollen, diese Einzelsumme ließ sich Russ entlocken, aber, "es genüge wenn das Häuschen etwas 'aufgehübscht' wird". Man habe im Ort derzeit drei mehr oder minder große Versammlungsräume, aber erst nachdem das alte Feuerwehrhaus frei wurde, hätten alle Ortsvereine dort auch die Möglichkeit ihre Requistien unterzubringen.
Einig war man sich, dass die Toiletten auf Vordermann gebracht werden müssen denn "Arnshausen hatte einen 25-jährigen, einige Bürger sprachen sogar von einem 40-jährigen Stillstand" und schließlich betonte man unisono, dass man die Lebensqualität der Bewohner steigern wolle.
Dass im Vorfeld der gesamten Baumaßnahme auch die Kanäle vom Tiefbauamt überprüft und aufgenommen werden, ließ Russ dabei nicht unerwähnt, zumal einige Arnshäuser bemägelten, dass sie immer häufiger Wasser im Keller hätten und so konnte der Stadtplaner das Argument "wir Anlieger sollen zahlen, aber der Kanal wird nicht gemacht" schnell entkräften.
Gottfried Borst sprach sich grundsätzlich gegen eine Pflasterung aus, "sie sei überall schlecht und dafür sollen die Anlieger zahlen". Auch dieses Argument entkräftigten die Planer. Es gebe heute für jede Straßenart, egal ob Durchgangsstraße, oder, wie in Arnshausen angedacht, in der "Spielstraße/verkehrsberuhigter Bereich" das jeweilige Pflaster mit entsprechend dicken Platten, und Architekt Hahn machte noch einmal deutlich, dass mit Fördermaßnahmen nur gerechnet werden könne, wenn da etwas anderes als "nur schwarzer Asphalt" verbaut werde.
"Die Innerort-Entwicklung ist vor 20 Jahren stehen geblieben" erklärte Harald Wedler und stellte weiter fest: "es muss etwas passieren, damit wir die Attraktivität im Ortskern wieder steigern und so wäre es schön, wenn sich auch in der Quellengasse etwas ändern würde". Ob die derzeit geplante Umbaumaßnahme noch räumlich auf weitere Gassen erweitert werden könne, war eine weitere Frage. Im Augenblick sei dies bei den Planungen nicht vorgesehen, sagte Russ und stellte auch klar, dass sich die Bürger finanziell beteiligen müssen.
Desweiteren wurde auf die beschränkte Parksituaation vor allem im Umfeld der Kirche und bei Sportveranstaltungen hingewiesen. Und es kam ein weiterer, nicht ganz unlogischer Vorschlag seitens der Bevölkerung "man solle doch mehr jüngere einbinden, da diese dort länger leben werden". So bekommt nun sowohl die Kirchenstiftung wie auch der Vereinsring eine Handskizze zur Umgestaltung des Arnshäuser Dorfplatzes. Ein weiterer Plan wird im Schaukasten aufgehängt, so dass alle Bürger sich über die angedachten Planungen informieren können und innerhalb von vier Wochen eigene Vorschläge abgeben können.
Im Juli stehen dann die Kanaluntersuchungen und die Vergabe des Gemeindeentwicklungskonzeptes an, im Oktober werden erste Kostenberechnungen vorliegen die im Dezember dann im Bauausschuss behandelt werden.
Arnshäuser Bürger, speziell die Anlieger sind dann im Januar 2017 gefragt wenn es um Kosten und Fördergelder geht und Baubeginn des im Januar 2013 von der Interessengemeinschaft Arnshausen initierten Maßnahme wäre dann 2017.
Zuvor machte Russ jedoch deutlich, dass die letzte Entscheidung über Planung, Material und Kosten beim Stadtrat liegt und, man solle sich auch darüber im Klaren sein "dass Arnshausen nicht an einem Tag umgekrempelt werden könne". Bislang habe man die Zusage, dass die Dorfgestaltung Arnshausen als Einzelmaßnahme gefördert wird, diese Summe sei aber nach oben hin gedeckelt, daher auch die für Juli geplante Ausschreibung nach dem Gemeindeentwicklungskonzept als Gesamtprojekt mit anderen Stadtteilen.
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