Bad Kissingen
Umfrage

Jugendliche wollen nicht ab 16 wählen

Neun von zehn 12- bis 21-Jährigen kennen zumindest den Namen ihres Bürgermeisters, jeder fünfte würde sich aktiv in einem Jugendbeirat engagieren. Und viele Jugendliche haben Verbesserungsvorschläge ...
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Bad Kissingen — 21,1 Prozent der 12- bis 21-Jährigen würden in einem Jugendbeirat mitarbeiten. So steht es in der repräsentativen Jugendbefragung des Landkreises Bad Kissingen. Nicolette Walczak ist schon einen Schritt weiter: Sie sitzt seit Dezember im Jugendbeirat der Stadt Bad Kissingen - "weil ich was Neues ausprobieren will und ich schon in der Schule als Schülerlotsin und Streitschlichter tätig bin", sagt die 14-Jährige.
Ihr sei wichtig, "dass wir Bad Kissingen etwas schöner gestalten und dass Kinder und Jugendliche sich wohl fühlen können". Vor allem wünsche sie sich neue Geschäfte und Treffpunkte für junge Leute in der Kurstadt - und heuer mehr Leben am Stadtstrand.
Stellvertreter von Nicolette Walczak ist Kevin Bonegart. Der 13-Jährige geht in die gleiche Klasse in der Anton-Kliegl-Schule wie Walczak. Auch er vermisst Angebote für Junge in der Innenstadt. In einem Verein ist Bonegart bislang nicht aktiv, aber er hilft ehrenamtlich im Jugend- und Kulturzentrum sowie bei der Zelt-Theaterwoche mit.

"Gute Arbeitsgrundlage"

Mit dem Alter nimmt bei den Befragten die Bereitschaft zur Mitarbeit leicht zu: Von 19,6 Prozent bei den 12- bis 14-Jährigen auf 22 Prozent bei den jungen Erwachsenen (18 bis 21). Zumindest "ab und zu" würden 39,2 Prozent in einem politischen Gremium mitarbeiten. "Das ist überraschend viel und eine gute Arbeitsgrundlage", rief Melanie Schäfer, die die Umfrage beim Jugendamt betreut, die Bürgermeister auf, dieses Potenzial auch zu nutzen.
Keine Mehrheit gibt es für ein Wahlrecht mit 16: Nur 28,6 Prozent der Jugendlichen sind dafür, dass bereits 16-Jährige mitentscheiden. Bei den 12- bis 14-Jährigen wünschen sich das immerhin 38,9 Prozent, bei den jungen Erwachsenen sinkt der Wert auf nur noch 18,4 Prozent.

Nur wenige Wahlverweigerer

87,7 Prozent der männlichen und 83,7 Prozent der weiblichen Teilnehmer gaben an, wählen zu wollen - falls sie denn dürfen. Von den Wahlverweigerern gaben 37,7 Prozent an "interessiert mich nicht", 27,1 Prozent "ändert eh nix" und 20,1 Prozent "verstehe die Zusammenhänge nicht". Den Bürgermeister ihres Heimatortes kannten auf Anhieb im Schnitt 88,6 Prozent - in Aura, Motten, Oberleichtersbach, Ramsthal, Rannungen und Riedenberg sogar alle.
70,9 Prozent der Jugendlichen sagten bei der repräsentativen Befragung, dass sie etwas im Ort ändern würden, wenn sie selbst Bürgermeister wären. Dabei nannten 34,5 Prozent gleich drei Vorschläge. Am häufigsten wurden in der offenen Nennung Jugendtreffs angesprochen (16,3 Prozent), gefolgt von Freizeitsport (12,5 Prozent), Freizeitangebote für Junge (10,3) und Infrastruktur für Junge (8,6).
Zu allen Fragen hat das Team des Jugendamtes Punkte verteilt: für positive Antworten und für einzelne Vorschläge. Anschließend wurde gezählt, wie viele Jugendliche auf mindestens vier Punkte kamen - und damit als "politisch interessiert" eingestuft werden. Spitzenreiter unter den 26 Gemeinden ist dabei Ramsthal mit 61,5 Prozent interessierten Jugendlichen, gefolgt von Thundorf mit 60 Prozent (siehe Grafik). Schlusslichter sind Sulzthal (30 Prozent) und Oberleichtersbach (28,6).
Einen eindeutigen Grund für die gute Platzierung kann der Ramsthaler Bürgermeister Alfred Gündling nicht benennen. "Der Zuspruch ist gut", sagt er zwar über sein Verhältnis zu Kindern und Jugendlichen, aber bei regulären Bürgerversammlungen seien junge Besucher eher die Ausnahme. Deshalb hat er sich für heuer fest eine spezielle Jugend-Bürgerversammlung vorgenommen, um das in der Umfrage festgestellte Interesse aufzunehmen.
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