Bad Kissingen
Volksverhetzung

Juden in Bad Kissingen mit Nazis verglichen

Im Briefkasten des jüdischen Betsaals lag ein anonymes Schreiben, das die Juden mit den Nazis vergleicht. Die Kripo hat die Ermittlungen übernommen.
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Rabbiner Tuvia Hod-Hochwald fand im Briefkasten des jüdischen Betsaals in Bad Kissingen ein anonymes Hetz-Schreiben. Foto: Thomas Mäuser
Rabbiner Tuvia Hod-Hochwald fand im Briefkasten des jüdischen Betsaals in Bad Kissingen ein anonymes Hetz-Schreiben. Foto: Thomas Mäuser
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Der Krieg in Nahost hat Rabbiner Tuvia Hod-Hochwald eingeholt. Hier in Bad Kissingen. Im Briefkasten des jüdischen Bethauses fand er ein anonymes Schreiben. Ein übles Pamphlet, in dem die Juden mit den Nazis verglichen werden. "Stoppt den Völkermord in Gaza! - Ihr Juden seid keinen Deut besser als die Nazis - Kriegsverbrecher" ist auf dem handschriftlich verfassten Schrieb zu lesen.

Tuvia Hod-Hochwald wirkt während der Sommermonate als Rabbiner in Bad Kissingen. Für die Gäste des jüdischen Kurhotels Eden-Park, für jüdische Touristen und Kurgäste und für die wenigen Juden, die in Bad Kissingen leben.


Noch keine Details

Der Rabbiner informierte die Leute im Eden-Park, zeigte ihnen das anonyme Schreiben. "Die waren schockiert", sagt er. Und er ging zur Polizei. "Wir nehmen solche Fälle sehr ernst", betont Karl Heinz Schmitt von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Unterfranken. Die Polizei Bad Kissingen habe die Angelegenheit an die Kripo in Schweinfurt weitergegeben. Dort haben die Beamten die Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufgenommen. Um diese nicht zu gefährden, wollte Schmitt noch nicht mit Details an die Öffentlichkeit gehen. Wie Hod-Hochwald erzählt, erschienen zwei Beamte in Zivil beim Gottesdienst im Betsaal in der Promenadestraße.

"Wir haben hier mit niemandem Probleme, ich pflege sehr gute Beziehungen mit vielen Kissingern", sagt der Rabbiner. Und er denkt, dass sich die Menschen besser über den Nahost-Konflikt informieren sollten. "Solange die Hamas Israel vernichten will, was können wir machen? Wir müssen uns verteidigen", sagt Tuvia Hod-Hochwald. "Die Leute haben ein falsches Bild von der Situation." Wenn Gaza bombardiert werde, seien die Israelis schuldig, doch die reagierten nur auf die Angriffe der Hamas.

Tuvia Hod-Hochwald, dessen Familie in einer Stadt nördlich von Tel Aviv lebt, weiß, wovon er spricht: "Zehn Meter von unserem Haus entfernt ist eine Rakete eingeschlagen."

Sein Schwager hat seit fast 35 Jahren ein Werk in der Nähe von Tel Aviv. Er hatte 30 Arbeiter, alle aus Gaza. "Sie haben dasselbe bekommen wie die Israelis, die Leute waren zufrieden." Als die Hamas an die Macht kam, konnten die Menschen nicht mehr kommen: "Was haben sie jetzt? Gar nichts!", sagt Hod-Hochwald. Die Hamas, das seien Terroristen, und das Volk leide darunter: "Ich bin für ein friedliches Zusammenleben von Israelis und Arabern." Es habe ja einmal Frieden gegeben, und alle hätten davon profitiert.

Einschüchtern lässt sich der Rabbiner, der 15 Jahre in der israelischen Armee diente, von solchen Schreiben nicht. Er hofft auf positive Verhandlungsergebnisse in Nahost und darauf, dass die Menschen verstehen, dass die Juden das Recht auf Leben haben - in Deutschland und anderswo.
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