Zahlbach
Messung

Jede Menge Raser unterwegs

Regelmäßig kontrolliert die Gemeinde die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge. Nur wenige Fahrer halten sich an Tempolimits. Das bescherte der Gemeindekasse 2014 rund 29 000 Euro Bußgelder. Davon bleibt kaum etwas übrig.
Artikel drucken Artikel einbetten
Gerade wurden erneut die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge in der Zahlbacher Forstmeisterstraße gemessen. Es gilt Tempo 30, in beiden Richtungen. Täglich rollen bis zu 7000 Fahrzeuge entlang, zu Spitzenzeiten können es 10 000 sein. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Gerade wurden erneut die Geschwindigkeiten der Fahrzeuge in der Zahlbacher Forstmeisterstraße gemessen. Es gilt Tempo 30, in beiden Richtungen. Täglich rollen bis zu 7000 Fahrzeuge entlang, zu Spitzenzeiten können es 10 000 sein. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Morgens halb neun in der Forstmeisterstraße. Es herrscht reger Betrieb. Auto reiht sich an Auto. Zwischendurch kommt auch mal ein Rad- oder Mopedfahrer vorbei. Wer die Straße als Fußgänger überqueren will, muss warten. Zu Stoßzeiten sogar mehrere Minuten. Zwar sind einige Fahrzeuge relativ langsam unterwegs, die Mehrheit ist aber schneller.
Und das, obwohl in beiden Richtungen nur Tempo 30 erlaubt ist.
"Die meisten Autofahrer halten sich hier nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung", sagt Anwohner Karl Voll. Egal ob ein Messgerät vor dem Küchenladen von Peter Bauch steht oder nicht. Die Einschätzung des Anwohners bestätigt auch eine aktuelle Statistik der Marktgemeinde.


Nur jeder Fünfte fuhr 30 km/h

Die hatte zuletzt im Juni und Juli Geschwindigkeitsmessungen in mehreren Ortsteilen des Marktes durchgeführt. So auch in der Forstmeisterstraße. Dort wurden zwischen dem 20. und 24. Juli mehr als 8000 Fahrzeuge in beiden Richtungen von der Messstation erfasst. Aber nur rund 21 Prozent - und somit jeder fünfte Autofahrer - hielt sich an die vorgegebenen 30 Stundenkilometer. Über die Hälfte der Fahrzeuge passierte die Messstelle mit 40 Stundenkilometern. Knapp 2000 Autofahrer waren dort im genannten Zeitraum sogar mit noch höherem Tempo unterwegs. Ein Fahrzeug wurde sogar mit 90 "Sachen" erfasst, drei mit 80. Leider ist die Forstmeisterstraße kein Einzelfall.
Wie die aktuelle Statistik zeigt, gibt es im Markt etliche Stellen, an denen noch schneller gefahren wird. So zum Beispiel in Burkardroth in der Straße "An der Höll". Hier hatte die Gemeinde die Messstation vom 17. bis zum 23. Juni zwischen Ortseingang und Tempo-30-Schild platziert. Diese erfasste im genannten Zeitraum knapp 6000 Autofahrer, die in Richtung Ortsmitte Burkardroth unterwegs waren. Doch nur 744 von ihnen fuhren hier die vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer. Das entspricht etwa zwölf Prozent. Die Mehrheit der erfassten Fahrzeuge, rund jedes dritte, passierte die Messstelle mit Tempo 70. Mehr als 1100 Autofahrer hatten sogar 80 "Sachen" drauf. Als schnellstes wurde ein Fahrzeug gemessen, dass mit über 110 Stundenkilometern an der Messstation vorbeifuhr.
Ein ähnliches Fahrverhalten zeigen Autofahrer in Höhe der Grundschule Lauter, auf der Staatsstraße 2290 zwischen Katzenbach und Lauter, und auch in der Wollbacher Rhönstraße. Lediglich in der Premicher Kirchstraße wurden bei der jüngsten Messung zwischen dem 9. und 15. Juni "positive" Werte gemessen. Hier hielten sich von den 2147 registrierten Autofahrern nur 93 nicht an die vorgegebenen 50 Stundenkilometer und fuhren schneller, das sind etwa vier Prozent.


Mit und ohne Bußgeld

Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) zeigt sich von den Zahlen nur wenig überrascht. "Wir überwachen den Verkehr im Markt ständig", sagt er. Das geschehe auf zweierlei Arten: mit und ohne Bußgeld. Bei Letzterem kommt ein mobiles Messgerät zum Einsatz, dass sich die Gemeinde mit den Ortschaften Oberthulba und Wartmannsroth teilt. Es zeigt die Geschwindigkeit der Fahrzeuge direkt an und soll so die Autofahrer zum ordentlichen Fahren animieren. "Wir haben es aktuell im Einsatz, um die Geschwindigkeiten in den Ortschaften erneut bewusst zu messen", sagt Bug.
Bei dem anderen Messverfahren, der so genannten Kommunalen Verkehrsüberwachung, werden die Temposünder sofort mit einem Verwarn- oder sogar Bußgeld bestraft. Das erledigt seit rund vier Jahren ein darauf spezialisiertes Unternehmen, welches der Markt Burkardroth in Zusammenarbeit mit der Verwaltungsgemeinschaft Bad Neustadt regelmäßig beauftragt. "Pro Monat ist das Unternehmen für uns ungefähr zehn Stunden im Einsatz und erfasst rund 10 000 Fahrzeuge pro Jahr", erklärt der Bürgermeister. Zwischen Dezember 2013 und Dezember 2014 wurden darüber 29 394,50 Euro als Verwarn- und Bußgelder eingenommen.
Da liegt der Gedanke an eine gute zusätzliche Einnahmequelle für die Gemeinde nahe. "Doch von der Summe bleibt nicht viel übrig. Wir verdienen damit kein Geld", erklärt Bug. Schließlich müsse nicht nur das Unternehmen bezahlt, sondern auch die durch die Messungen anfallenden Verwaltungskosten gedeckt werden. Als letzte Möglichkeit der konsequenten Verkehrsüberwachung bleibt der Gemeinde nur noch die Polizei.


Noch nicht daran gewöhnt

Deren Einsatz würde sich auch in der Forstmeisterstraße richtig lohnen. Hier rollen laut Bug täglich bis zu 7000 Fahrzeuge entlang. "Zu Spitzenzeiten haben wir auch schon 10 000 gezählt", sagt er. Um so wichtiger erachtet er es, dass die Autos auch wirklich Tempo 30 fahren. In Richtung Tankstelle gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung schon seit ein paar Jahren, in Richtung Burkardroth erst seit etwa zwei. Die Autofahrer haben sich offenbar noch nicht daran gewöhnt. "Dabei ist die Straße Schulweg für die Zahlbacher Kinder und die einzige Verbindung für Radfahrer von und nach Burkardroth", sagt Bug.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren