Bad Kissingen
Waldbrandgefahr

Jede Kippe ist eine zu viel

Der Waldboden ist völlig ausgetrocknet. Längere Regenfälle sind nicht in Sicht. Deshalb gibt es wieder Beobachtungsflüge.WaldbrandgefahrTrockenheit Der Waldboden ist völlig ausgetrocknet. Längere Regenfälle sind nicht in Sicht. Deshalb wird es an Fronleichnam wieder Beobachtungsflüge über die Wälder geben.
Artikel drucken Artikel einbetten
Flugbeobachter der Regierung von Unterfranken vor dem Einsatz: Lothar Menzel (links) und Wolfgang Raps . Foto: Regierung von Unterfranken
Flugbeobachter der Regierung von Unterfranken vor dem Einsatz: Lothar Menzel (links) und Wolfgang Raps . Foto: Regierung von Unterfranken
+2 Bilder
Bad Kissingen — Wenn an Fronleichnam Feiertag ist und nicht gearbeitet wird, steigt in den Wäldern wieder die Brandgefahr. Dann zieht es die Menschen hinaus in die freie Natur und damit wird jeder Wanderer und Freizeitsportler auch irgendwie zum potenziellen Risikofaktor für den Wald. Eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe oder eine Glasscherbe könnten schon einen Waldbrand verursachen. Die Waldböden sind völlig ausgedörrt.
Es war zu heiß und hat zu lange nicht mehr geregnet. Aktuell gilt im Landkreis die zweithöchste Waldbrandgefahr-Stufe. Am Montag war die Situation kurzfristig sogar als extrem eingestuft worden.
Weil die Besucherfrequenz in den Wäldern am Feiertag und am kommenden Wochenende ansteigen wird und die Waldbrandgefahr vermutlich unverändert hoch bleibt, wird es wieder Beobachtungsflüge geben, betont Wolfgang Raps von der Regierung von Unterfranken. Er entscheidet zusammen mit Forstfachleuten, ob die Flüge nötig sind.
Schon am Montag hatte sich die Regierung für diesen Tag kurzfristig entschieden, Beobachtungsflüge anzuordnen, nachdem die Agrarmeteorologen aus Weihenstephan überraschend die höchste Waldbrandstufe auch für den Bereich Bad Kissingen ausgerufen hatten. Es seien komplizierte Berechnungen, anhand derer die Meteorologen die Waldbrandgefahr einstufen. "Am Ende müssen aber wir entscheiden, ob geflogen wird", sagt Raps. Die Regierung hat deshalb schon beschlossen, dass wieder an Fronleichnam und am Wochenende geflogen wird. Zwar haben die Weihenstephaner Wetterexperten die Waldbrandstufe für das verlängerte Wochenende nicht mehr so dramatisch eingestuft wie zu Wochenbeginn, doch die unterfränkischen Fachleute sehen keine Entspannung der Lage.
Die Flüge seien reine Prävention, meint Wolfgang Raps. Denn was viele nicht wissen: Unterfranken ist der waldreichste Regierungsbezirk. 340 000 Hektar der Fläche bestehen aus Wald. Schon ein zerstörter Hektar bedeutet nach Angaben von Wolfgang Raps einen Schaden von rund 10 000 Euro.

Ein seltenes Ereignis

Trotz vieler Waldflächen und großer Trockenheit ist der Regierungsbezirk Unterfranken aber noch relativ sicher vor Feuer in der freien Natur. "Waldbrände sind ein seltenes Ereignis", erklärt Wolfgang Raps. Das liege auch daran, dass in der Region große Fichten-Monokulturen die Ausnahme sind.
Deshalb sieht auch der Leiter des staatlichen Forstbetriebes Bad Brückenau, Wolfram Zeller, die aktuelle Situation eher entspannt. "Wir sind in der günstigen Situation, dass wir 55 bis 60 Prozent Laubbäume haben", meint Zeller. Er spricht dabei für die Wälder zwischen Salzforst und Klauswald. Anders sehe es sicherlich im Bereich der Muschelkalk-Gegenden und auf der fränkischen Platte aus. "Die sind sicherlich extrem gefährdet", meint Zeller. Denn dort wachsen oftmals Kiefern oder Fichten. Und die brennen gut und schnell.
Aber auch wenn die Eichen- und Buchenwälder der Region einen besseren Schutz vor Waldbränden bieten als Nadelholzbestände, so sieht auch Wolfram Zeller die aktuelle Trockenheit mit gewisser Sorge. "Wir bräuchten einen richtigen Landregen", meint Zeller. Zumindest eine Nacht lang müsste es einmal durchregnen. Noch hat er keine sichtbaren Trockenschäden feststellen können, doch geht er davon aus, dass Jungkulturen derzeit leiden. Oft könne man das an Indikatoren wie verstärktem Blattlausbefall erkennen.

Flüge beginnen früher

Wolfgang Raps beobachtet seit einigen Jahren, dass die Trockenperioden in Frühjahr und den Frühsommer fallen. Früher, vor dem Jahr 2003, habe es die Beobachtungsflüge hauptsächlich im Hochsommer, in den Monaten Juli und August, gegeben. Mittlerweile sind die Beobachtungsflüge hauptsächlich zwischen Ende März und Juni nötig. "Die Einsätze verschieben sich nach vorne", ist Raps´ Eindruck.
Die Beobachtungsflüge dienen der Prävention. Das Löschen müssen dann die Feuerwehren übernehmen. Dass sich ein Feuer im Wald selten zu einem verheerenden Brand aus-wächst, hängt nach Meinung von Wolfgang Raps auch mit dem engen Netz örtlicher Feuerwehren zusammen. "Diese sind sehr, sehr schnell vor Ort", betont er.
Kreisbrandmeister Benno Metz erklärt auf Anfrage unserer Zeitung, dass Feuerpatschen zur Waldbrandbekämpfung zur Grundausstattung aller Feuerwehrfahrzeuge gehören. Die Wehren wüssten um die erhöhte Waldbrandgefahr. "Das hat man im Hinterkopf". Im Landkreis gab es im vergangenen Jahr eine Großübung bei Neuwirtshaus, in der rund 200 Feuerwehrleute ganz gezielt in der Waldbrandbekämpfung geschult wurden. Trotz der großen Trockenheit hat es nach Angaben von Benno Metz hat es bisher keinen Waldbrand in der Region gegeben. Dennoch ist es Metz wichtig, die Bevölkerung darauf hinzuweisen, "ganz vorsichtig" im Wald zu sein; das heißt: keine Zigarettenkippen wegwerfen und auch kein Glas.
In der Regel, so Wolfgang Raps, zerstören die seltenen Waldbrände in Unterfranken nicht mehr als einen oder zwei Hektar. Meistens brechen die Feuer an Waldrändern aus. Ausnahme war ein Feuer bei Miltenberg, bei dem vor einigen Jahren 22 Hektar Wald ein Raub der Flammen wurden. Das war auch der größte Waldbrand der Nachkriegszeit in Unterfranken.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren