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Ist der Dorfladen ein Risiko?

Die Premicher wollen wieder vor Ort einkaufen und planen deshalb ihren"Bramicher Durflode". Welche Erfahrungen haben andere Orte gemacht?
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Gemeinderat Mario Krebs schraubt den roten Pfeil des Anteilsbarometers bei etwas über 75 000 Euro fest. Doch diese Summe reicht noch nicht. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Gemeinderat Mario Krebs schraubt den roten Pfeil des Anteilsbarometers bei etwas über 75 000 Euro fest. Doch diese Summe reicht noch nicht. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
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Der Grundstock ist so gut wie gelegt. Die Premicher haben Anteile im Wert von 75 200 Euro für ihren Dorfladen gezeichnet. Dabei sah es vor zwei Wochen noch nicht danach aus, als ob sie die notwendigen 80 000 Euro zusammenbekommen. Da konnte der Premicher Gemeinderat Mario Krebs "nur" Anteile im Wert von 41 300 Euro vermelden, die die Bewohner des 1100-Seelen-Dorfes gezeichnet hatten. "Die Masse dachte, es wird nix", erzählt Alfons Kirchner.

Der Premicher ist einer von mehr als 100 Bewohnern, die am Freitagabend zum Raiffeisengebäude in die Kirchstraße gekommen waren. Dort verkündete Gemeinderat Krebs nicht nur den aktuellen Zeichnungsstand, sondern aktualisierte auch gleich das Anteilsbarometer. Das hatte die eigens gegründete Projektgruppe "Dorfladen", zu der rund 20 Premicher gehören, vor dem geplanten Standort aufgestellt. "Es ist überraschend viel geworden", kommentierte Mario Krebs die aktuelle Summe. Insgesamt 223 Privatpersonen und Vereine haben dafür gezeichnet. "Nun verlängern wir die Frist jetzt bis Ostern, damit wir die 80 000 Euro schaffen", fügt er hinzu.


Teurer Neubau

Mit diesem finanziellen Grundstock allein ist es jedoch nicht getan. Mehr als 600 000 Euro kostet nach Schätzung des Burkardrother Architekten Jürgen Schuhmann der Neubau des Premicher Dorfladens. Diese Kosten sollen über Förderungen, Kredite und Unterstützung der Gemeinde finanziert werden. "Außerdem sind viele Premicher bereit, beim Bau zu helfen", weiß Alfons Kirchner. Doch wie geht es weiter, wenn der Laden eröffnet? Dann wartet bereits die nächste Hürde: der Umsatz. "Es nützt uns nichts, wenn einige große Beträge da lassen. Vielmehr müssen viele Leute jeden Tag einkaufen kommen", ist sich Krebs bewusst.


In Kronach schnelle Insolvenz

Eine Erfahrung, die die Betreiber des Dorfladens in Nordhalben im Landkreis Kronach bereits 2011 gemacht haben. Damals stand ihr Genossenschaftsprojekt nach nur einem Jahr bereits vor der Insolvenz. "Unsere Preise waren zu hoch, teilweise waren wir 20 bis 30 Prozent teurer als die großen Discounter", erklärte der ehrenamtliche Geschäftsführer Karl Roth 2012 in einem Gespräch mit der Journalistin Corinna Igler vom "Fränkischen Tag".

Die Kunden seien lieber ein paar Kilometer weiter in die Supermärkte gefahren, weil es dort günstiger war. Um mithalten zu können, habe sich die Genossenschaft einen neuen Zulieferer gesucht. Parallel dazu habe das ursprüngliche Konzept des Dorfladens nicht funktioniert. Dieses hat Unternehmensberater Volker Hahn aus Seßlach bei Coburg erstellt, der auch jetzt die Premicher Projektgruppe berät. Eine Beraterfirma würde Roth für die Entwicklung eines Dorfladens nicht mehr hinzuziehen. Stattdessen empfiehlt er, direkt an die Discounter heranzutreten. Viele würden bei der Gründung kostenlos beraten.

Ganz anders schaut es in Obersfeld aus, einem Ortsteil von Eußenheim im Landkreis Main-Spessart. Dort besteht der von Unternehmensberater Volker Hahn mitgeplante Dorfladen seit einem Jahr und läuft gut. Das ist nicht nur in einem Zeitungsartikel, der Ende März in der Mainpost erschienen ist, nachzulesen, sondern bestätigt auch Martina Utsch, die dritte Bürgermeisterin des Ortes. "Ein Zwischendarlehen von der Gemeinde wurde inzwischen zurückgezahlt", sagt sie.

Gründe für diesen Erfolg gebe es ihrer Meinung nach viele. So liegt der Laden einfach günstig an der Ortsdurchfahrt. "Viele Passanten nehmen hier ihre Brotzeit auf dem Weg zur Arbeit mit." Zudem trifft sich einmal in der Woche der Seniorenkreis im Dorfladen-Café, in dem regelmäßig auch Wandergruppen einkehren. Parallel dazu gibt es Aktionen, um den Laden in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Vier Jahre haben die Obersfelder an ihrem Dorfladen geplant, das Konzept mit Fachmann Hahn erstellt und abgestimmt.


Ein Fachmann ist wichtig

Eine umfassende Planung und Prüfung hält auch Ralf Hofmann, Mitarbeiter in Sachen Existenzgründung und Unternehmensförderung der IHK Würzburg-Schweinfurt, für wichtig. "Hierbei spielen die Zahlen zum Mindestumsatz, zu den Fixkosten und zum durchschnittlichen Umsatz pro Kunde eine wichtige Rolle", schreibt er auf Nachfrage dieser Zeitung. Und die könne eben nur ein Fachmann liefern. "Wir haben uns ganz bewusst für Hahn entschieden", sagt Tobias Bühler, der Bürgermeister von Gundremmingen im Landkreis Günzburg. Der Dorfladen hier steht kurz vor der Eröffnung. Der Bürgermeister ist zuversichtlich, dass das Projekt gut läuft. Nicht zuletzt, weil die ehrenamtlichen Betreiber keine Gewinne machen wollen. "Das ganze ist ein Selbstläufer. Aber am Ende sind es die Bürger, die entscheiden", ist der Rathauschef überzeugt.

Sie helfen nicht nur als Miteigentümer dabei, den finanziellen Grundstock zu schaffen, sondern auch als ehrenamtliche Mitarbeiter, den Laden zu betreiben und als Kunden ihn am Leben zu halten.

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