Helmut Schlieke gehört auch noch im Alter der Ultra-Lauf-Szene an. Der 73-Jährige bestritt zwar 2003 sein letztes Rennen als Aktiver und beendete seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen. Jedoch kann er nicht von seiner Leidenschaft lassen und hilft seitdem oft als Betreuer. So auch beim Trans-Europalauf 2012, wo er sich um den Einkauf kümmert und die Verpflegung der Beteiligten organisiert.
Seinen grünen VW-Bully hat er vor der Turnhalle in Zeitlofs geparkt. Kartons mit Proviant und Kisten mit Getränken hat Schlieke ausgeräumt und führt anhand von Checklisten die allabendliche Bestandsaufnahme durch: Wasser, Säfte, Cola und Bier müssen aufgefüllt werden, Wurst und Käse gehen zur Neige, Obst, Brot, Gebäck und Schokolade werden immer viel gegessen. "Ultra-Läufer sind richtige Allesfresser. Was auf den Tisch kommt, ist denen egal. Da kommt alles weg", weiß der ehemalige Extremsportler aus Erfahrung.
In Zeitlofs werden die Athleten und das 25-köpfige Organisatoren- und Helfer-Team um Renndirektor Ingo Schulze im Sportheim bewirtet. Schlafplätze findet der Trans-Europa-Trupp in der Turnhalle. "Wir sind nach 2010 bereits zum zweiten Mal hier in der Gegend. Damals aber in Weißenbach", sagt Schulze. Er komme bei der Planung gerne auf Orte zurück, die er kenne.

Bis an die Grenzen gehen


Zweieinhalb Jahre brauche er für die Organisation eines Rennes dieser Größenordnung. Sportler wie Helfer nehmen sich über neun Wochen Urlaub, bezahlen 6000 Euro Startgeld, um sich zu Fuß von Skagen am nördlichsten Zipfel Dänemarks bis zum südlichsten Teil Spanien zu quälen. "Jeder Ultra-Läufer hat einen Traum", meint Schulze, der selbst 1978 sein erstes Rennen bestritt. Wenn man etwas gut könne, wolle man es auch vollständig ausreizen. "Reinhold Messner hat ja auch nicht nach der Nachbarsmauer mit Klettern aufgehört, sondern immer weiter gemacht", führt er aus. Extremsportler würden ihre Grenzen austesten und nähmen dafür einiges auf sich.

Ohne Helfer kein Lauf


Bei der Ankunft in Zeitlofs ist nach 15 Tagen beinahe ein Viertel der gesamten Strecke geschafft. Von 52 gemeldeten und 49 tatsächlich gestarteten Athleten sind 37 im Sinntal angekommen. Zwölf Sportler haben bisher die Segel gestrichen. "In den ersten drei bis vier Wochen haben wir die meisten Verluste", erläutert der Renndirektor. Meistens sei es der Kopf, der dann nicht mehr wolle. Schulze kennt die Gedanken, mit denen sich die Athleten herumplagen: "Jede Nacht in engen Unterkünften zu schlafen und jeden Tag weiter zu laufen, ist auf Dauer zermürbend." Das sei aber ein Kampf, den jeder für sich austragen müsse.
"Viele bekommen nach einiger Zeit einen Lagerkoller", fügt Helmut Schieke an. Noch sei die Stimmung unter den Athleten jedoch gut. Er selbst vermisst die aktive Karriere nicht. "Nach 35 Jahren mit 220 000 Kilometern in den Beinen war Schluss. Ich hatte ein erfülltes Läuferleben", erzählt er. Und er bleibt der Ultra-Szene als Helfer treu: "Ohne Helfer findet kein Lauf statt."