Die Frühlingstraße macht, zumindest in ihrem östlichen Teil von der Kreuzung hinauf bis zur Dapperstraße, ihrem Namen keine Ehre. Der Straßenbelag ist zerschrundet, die Bordsteine sind streckenweise unter einer provisorischen Asphaltschicht verschwunden, wenn sie überhaupt noch da sind. Und auf der ausgefransten Fahrbahn sind kreuz und quer rote Linien aufgesprüht wie von einem Chirurgen, der vor der Operation an seinem Patienten die erforderlichen Schnitte markiert.
Die Anwohner der Straße können beruhigt sein: Es soll tatsächlich eine Schönheitsoperation werden. Der Bauausschuss hat sich gestern vor Ort ein Bild verschafft über die Situation in der Straße und über mögliche weitere Maßnahmen zur Wiederherstellung der Normalität - wenn die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind.
Die Stadtwerke waren bereits zugange und haben eine neue Wasserleitung in dem Straßenabschnitt verlegt, den Graben wieder zugeschüttet und provisorisch mit Asphalt abgedeckt. Der größte Schritt kommt allerdings erst noch. Ein weiterer Graben muss aufgebuddelt werden für einen neuen Abwasserkanal und parallel daneben noch zwei Rinnen für neue Gas- und Stromleitungen. Wenn dann auch noch die Hausanschlüsse ausgetauscht sind, ist unter der Erde alles neu. Aber darüber ist von der alten Frühlingstraße fast nichts mehr übrig. 70 Prozent des alten Straßenbelags sind dann verschwunden, und wenn man die Quergrabungen für die Hausanschlüsse auch noch abzieht, sind nur noch 20 Prozent des alten Straßenbelags übrig - eigentlich zu wenig, um darauf eine neue Straße zu gründen.
Der Bauausschuss stand jetzt vor der Frage, ob er die Straße im Hocheinbau oder im Tiefeinbau wieder herstellen will. Beim Hocheinbau wird die Straße auf dem bestehenden Verkehrsgrund aufgebaut. Nur ist der allerdings nur noch zu 20 Prozent vorhanden. Das würde in der Frühlingstraße, die in ihrem Untergrund nicht genügend frostsicher ist, bedeuten, dass die Gefahr von Senkungen und, damit einhergehend, von Rissebildungen mit allen negativen Folgen besteht. Die Haltbarkeit ist eingeschränkt, und kein Planungsbüro und keine Baufirma, so Tiefbauchef Thomas Hornung, würde in diesem Fall eine Gewährleistung übernehmen.
Der Vorteil für die Anwohner wäre allerdings, dass ein Hocheinbau eine Unterhaltsmaßnahme ist, deren Kosten nicht auf die Anlieger umgelegt werden kann. Das ist beim Tiefeinbau anders, der tatsächlich ein Neubau ist. Denn hier werden alle alten Tragschichten entfernt und neu aufgebaut und gleichmäßig verdichtet. Das kommt der Haltbarkeit der Straße nachhaltig zugute und würde auch eine Gewährleistung der ausführenden Firmen nach sich ziehen.
Allerdings: Die Kosten werden auch zu 50 Prozent auf die Anlieger umgelegt, und die sind beim Tiefeinbau etwas höher: Er würde für die 130 Meter Frühlingstraße 108 000 Euro kosten, der Hocheinbau nur 90 000 Euro. Die Stadtwerke als "Mitbauer" in die Pflicht zu nehmen, ist nur ganz begrenzt möglich, weil die Stadt eben auch als Bauherrin auftritt: "Wir können die Stadtwerke nicht zwingen, den alten Zustand unverändert wieder herzustellen", meinte Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD).
Was für die Anlieger auch noch kostspielig werden kann, ist die Erneuerung der Straßenbeleuchtung. Denn es ist geplant, die bisher zwei über der Straße hängenden Lampen durch fünf Mastlampen auszutauschen. Die alten Hängelampen könnten zwar auch mit energiesparenden Leuchtmitteln ausgestattet werden. Aber die Wartungskosten sind deutlich höher als bei ihren bodenständigen Kollegen, weil die Veränkerungen der Überspanndrähte öfter überprüft werden müssen und auch der Austausch von defekten Lampen aufwändiger ist. Für die Stadtz würde sich der Austausch auch aus einem anderen Grund lohnen: Von den Kosten für Abnschaffung und Installation der neuen Lampen müssten die Anlieger 65 Prozent übernehmen. Das bedeutet rund 1500 Euro pro Anlieger.
Wenn es nach der Verwaltung gegangen wäre, dann hätte der Bauausschuss den Planungen als Neu- oder Tiefeinbau zugestimmt. Dann wären die Arbeiten ausgeschrieben und die Bürger informiert worden. Aber CSU-Fraktionssprecherin Klaudia Schick legte sich quer: Wenn die Ausschussmitglieder die umfangreiche und technisch gehaltvolle Tischvorlage eine Woche eher bekommen hätten, was möglich gewesen wäre, hätten sie sich intensiv damit beschäftigen und eine fundierte Entscheidung treffen können. Sie forderte die Rückverweisung der Vorlage in die Fraktionen. Deshalb fälltdie endgültige Entscheidung erst Ende Mai in der nächsten Sitzung des Bauausschusses.


Angemerkt Der Bauausschuss hat keine andere Wahl.Die Sache ist eigentlich klar