"Wir sind zufrieden. Wir kommen in unserer Wohnung gut zurecht und fühlen uns sehr gut angenommen." So urteilt der Vater einer fünfköpfigen Familie aus Mazedonien, die seit einigen Tagen in einem Asylbewerberhaus in Ebenhausen wohnt. Sie flohen im September aus dem Balkan und hoffen auf Bleibe in Deutschland.

In Bahnhofsnähe wurde seit ein paar Monaten ein Mehrfamilienhaus hergerichtet, um Flüchtlinge aufzunehmen. Bislang wohnen dort einige Familien mit insgesamt 34 Personen, die fast alle aus Südosteuropa stammen. Eine Frau mit Kindern kommt aus Syrien. Eine weitere Familie sollte dieser Tagen zuziehen. Insgesamt können 50 Personen untergebracht werden.

"Die Kommunikation zu den Asylbewerbern funktioniert recht gut, wenn auch mit Händen und Füßen", bekennen die Bürger, die sich besonders der neuen Bewohner annehmen. Das Kernteam einigte sich, dass jeder sich vor allem um eine Familie kümmert. Zu den Helfern zählt Peter Iberl, der sich der Familie aus Mazedonien widmet. "Das lag nahe; denn die beiden Söhne der Familie können ganz gut Französisch. Da ist das Verständigen für einen Deutsch-Franzosen einfach", sagt Iberl. Er arrangierte einen Besuch bei den Mazedoniern, die sich offen und freundlich zeigten.

Am 26. September verließen sie ihren Heimatort Kocani, 100 Kilometer von Skopje entfernt, da Verfolgung, Gewalt und Gefangennahme - ein Handyvideo belegte die Situation - drohten. "Hier in der Wohnung haben wir alles: Wohnraum mit Fernseher, Küche mit Herd, Spüle, Kühlschrank und Sitzgruppe, zwei Schlafräume, Bad und Flur. Dazu im Keller als Gemeinschaftseinrichtung zwei Waschmaschinen und zwei Trockner", lobt der 43-jährige Familienvater. Er arbeitete auf dem Bau und möchte dort auch in Deutschland unterkommen. Doch damit muss er warten, bis die Asylanerkennung entschieden ist.

Famillie will Deutsch lernen

Die 40-jährige Mutter kümmert sich um den Haushalt.Die Familie möchte jetzt Deutsch lernen. Iberl ist dabei, beispielsweise über Volkshochschulen Material zu beschaffen und mahnt, dass diese Unterstützung zügiger von "oben" laufen müsste. Die beiden jungen Männer möchten sich lieber heute als morgen verständigen. Sie sind sehr offen und lieben Sport. Sie nahmen bereits am Fußballtraining beim TSV Ebenhausen und am Basketball teil. "Das ist ideal; denn Sport verbindet und führt rasch zum Verständigen", sagt Iberl. Der pensionierte Lehrer investiert viel Zeit, um der Familie in allen Fragen zur Seite zu stehen. Er war mit zum Einkaufen in Oerlenbach und half den Muslimen vor allem beim Kauf von Fleisch bzw. wies die Verkäuferinnen in den Verzicht auf Schweinefleisch ein. Heute fährt er mit der Familie nach Bad Kissingen, um beim Einkauf zu helfen.

Das elfjährige Mädchen besucht die Mittelschule in Oerlenbach. "Ich habe schon ein paar Freundinnen", lässt sie über ihre Brüder weitergeben, "ich komme ganz gut mit Schulbus und Unterricht zurecht." In der Küche hängt ihr Stundenplan mit allen Zeiten. Mit Schulmaterial ist sie ausgestattet.

Neben Fernsehen benutzt die Familie zwei Handys. "Das ist sehr gut; denn mit der heutigen Ausstattung lassen sich Worte und einfache Sätze ganz einfach von Mazedonisch bzw. Französisch in Deutsch übersetzen", erläutert Iberl. Per Handy bzw. SMS sind auch alle weiteren Helfer verknüpft, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Welle der Hilfsbereitschaft

Essenspakete erhalten die Asylbewerber nicht mehr, sondern Geld, das sie einteilen und mit dem sie sich versorgen müssen. Manches lässt sich per Fuß einholen. Für Getränketransport nutzen sie die Bahn. "Das ist nicht billig. Eine einfache Fahrt von Ebenhausen nach Oerlenbach kostet 2,60 Euro", erklären die Söhne und wünschen sich eine Bahncard oder einige verbilligte bzw. Freifahrscheine zum Besipiel nach Schweinfurt. Dort finden sie in türkischen Läden die Lebensmittel, die sie von ihrer Heimat kennen. Insgesamt ist die Familie zufrieden und zuversichtlich. Sie strebt mit allen Kräften einen Neubeginn an und ist froh, dass sie so gut aufgenommen worden sind.

Die Haltung der Bevölkerung lobte Bürgermeister Siegfried Erhard: "Die Welle der Hilfsbereitschaft ist vorbildlich, die Kommunikation funktioniert. Nächstenliebe ist täglich zu erleben." Dem schließt sich Iberl an; denn neben dem Kernteam haben sich 34 Familien zur Unterstützung bereit erklärt. "Dieses breite Fundament trägt die Herausforderung, die zwar Zeit kostet, aber uns alle selbst bereichert."