Wollbach bei Bad Kissingen
Gesundheit

Heimischer Honig ist unbelastet

Der süße Aufstrich kann riskante Stoffe enthalten, meldete die Stiftung Warentest. Sind auch heimische Produkte betroffen?
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Der Wollbacher Imker Franz Markard in seiner Bienenranch bei der Honigernte. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Der Wollbacher Imker Franz Markard in seiner Bienenranch bei der Honigernte. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Goldgelb schimmern die Waben. Sie sind prall gefüllt mit Honig. Ein echtes Naturprodukt. Von fleißigen Bienen erzeugt, je nach Jahreszeit und Blütenpracht mit unterschiedlichem Geschmack und Zusammensetzung. Generell gilt Honig als gesund. Er besteht aus Zucker, Enzymen, Eiweißen, organische Säuren, Aromastoffen, Vitaminen, Mineralstoffen, Wasser und Pollen. In den vergangenen Jahren wurden jedoch verstärkt Fremd- und Giftstoffe sowie Rückstände von beispielsweise genverändertem Mais in dem Bienenprodukt festgestellt.
Zuletzt berichtete die deutsche Verbraucherorganisation Stiftung Warentest im Januar davon, dass Honig auch Pyrrolizidinalkaloide (PA) enthält. Das sind Stoffe, die Pflanzen bilden, um sich gegen Fraßfeinde zu schützen, beispielsweise bestimmte Familien der Korbblütler, der Borretschgewächse oder der Hülsenfrüchte.
Beim Menschen gelten PA als möglicherweise krebserregend. Deshalb empfiehlt das Bundesamt für Risikobewertung, dass ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener täglich nicht mehr als 0,49 Mikrogramm des Stoffes zu sich nehmen soll.
Doch das ist offenbar schwieriger als gedacht. Denn schon bei einem ordentlichen Frühstück hat man diese Dosis schnell überschritten. Manche Honige enthalten einfach zu viel PA. Das berichtet Stiftung Warentest und beruft sich dabei auf einen Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, der im November 2015 veröffentlicht wurde. 151 Honige sind bei einem von der Behörde koordinierten Überwachungsprogramm 2014 getestet worden. In mehr als die Hälfte der Proben konnten PA nachgewiesen werden. "46,4 Prozent wiesen Gehalte zwischen einem und 20 Mikrogramm auf, während 9,9 Prozent der Proben Gehalte von über 21 Mikrogramm pro Kilogramm Honig enthielten", heißt es in dem Bericht des Bundesamtes. Somit dürfe ein Erwachsener von einem Honig, der 25 Mikrogramm PA pro Kilogramm enthält, nur 20 Gramm täglich verzehren. Das entspricht einer Menge von zwei Esslöffeln. Bei einem 15 Kilogramm schweren Kind werden sogar nur vier Gramm Honig empfohlen. Das ist noch nicht einmal ein halber Teelöffel voll.
Klingt zunächst erschreckend. Jedoch räumt das Bundesamt in seinem Bericht auch ein, dass Honig aus Europa tendenziell weniger PA enthalte als welcher aus Übersee.
Und wie schaut es hier mit unseren einheimischen Honigen aus? Die Redaktion hat dafür beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nachgefragt. "Grundsätzlich lässt sich eine Belastung mit PA für keine Region völlig ausschließen, da PA-bildende Pflanzen in allen Regionen Deutschlands vorkommen", antwortet Martina Junk, die stellvertretende Pressesprecherin des LGL. Bienen würden solche Pflanzen normalerweise nur anfliegen, wenn es keine ausreichenden Alternativen um den Bienenstock gebe. "Da es sich bei der Rhön um ein Biosphärenreservat handelt, ist davon auszugehen, dass hier ausreichend Blütenpflanzen als Tracht zur Verfügung stehen", fügt sie hinzu.


Nur ein Rhön-Honig untersucht

Die PA-Belastung von Honigen aus der Rhön sei bislang noch nicht gezielt überprüft worden. Lediglich im Rahmen eines Forschungsprojektes der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim sei eine Honigprobe aus der bayerischen Rhön näher analysiert worden. "Auffällige Gehalte an PA konnten nicht festgestellt werden", so Junk. Auch bei den bislang aus Bayern untersuchten, lokal erzeugten Honigen ließen sich bei über 91 Prozent der Proben kaum PA-Anteile von über einem Mikrogramm pro Kilogramm nachweisen. Allerdings sollen in diesem Jahr weitere Untersuchungen von bayerischen sowie ausländischen Honigen im Rahmen eines Schwerpunktprogramms folgen.
Auch Matthias Kleinhenz vom Bayerischen Landesverband der Imker gibt Entwarnung. "Die PA-Belastung in Honigen ist bei uns kein Thema", erklärt der passionierte Imker aus Waldfenster, der auch Vorsitzender des Ortsvereins Wollbach und Gesundheitswart im Landkreis Bad Kissingen ist. Ihm seien keine Fälle von PA-Belastungen in heimischen Honigen bekannt. Und wenn, räumt er ein, dann würden vereinzelt auftretende Werte unter der Nachweisgrenze liegen. Der Imkerverband lege schließlich großen Wert auf eine einwandfreie Deklaration und Qualität der Honige der Region und führe daher sehr strenge Kontrollen durch.


Vorsicht bei Pollenpräparaten

Nicht nur Honig kann PA in verdünnter Form enthalten, sondern auch andere Bienenprodukte wie etwa Pollenpräparate, die zur Bekämpfung von Allergien oder Heuschnupfen eingesetzt werden. Darauf weist die Pressesprecherin des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit explizit hin.
Deshalb seien verschiedene Pollenpräparate von der Behörde auch untersucht worden. Dabei konnten welche mit wesentlich höheren Gehalten an PA festgestellt werden. "Auch hier war wieder ein Produkt aus dem Ausland besonders auffällig", so Martina Junk. Von der unkontrollierten Einnahme von solchen Präparaten, die vor allem über das Internet bezogen wurden, rät das Landesamt deshalb dringend ab.
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