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Heftiger Streit beim TV Jahn Winkels

Nach Rücktritten im Vorstand keine Mehrheit für designierten Nachfolger. Der Kunstrasen bleibt ein ungelöstes Problem.
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Das Konzept von Günther Rausch für den TV "Vater Jahn" Winkels e.V. konnte nicht alle Mitglieder überzeugen. Nachdem Präsident und Vize zurückgetreten waren, stellte er sich als Einziger zur Wahl, erreichte aber nicht die Stimmenmehrheit.  Foto: Peter Rauch
Das Konzept von Günther Rausch für den TV "Vater Jahn" Winkels e.V. konnte nicht alle Mitglieder überzeugen. Nachdem Präsident und Vize zurückgetreten waren, stellte er sich als Einziger zur Wahl, erreichte aber nicht die Stimmenmehrheit. Foto: Peter Rauch
Winkels — Es kriselt derzeit etwas beim Turnverein "Vater Jahn" Winkels e.V., einige der Mitglieder sprechen gar von einer ausgewachsenen Krise im Verein, und Präsident Armin Stärker und Vizepräsident (Wirtschaft) Rainer Bocks haben bereits die Konsequenzen gezogen und sind zum Jahreswechsel von ihren Ämtern zurückgetreten. In der Jahreshauptversammlung trat nun auch Wolfgang Albert, der als weiterer Vizepräsident für Bau- und Instandhaltung fungierte, zurück.
Auslöser der ganzen Misere ist die 1. (Fußball-)Mannschaft, die derzeit einen großen Umwälzungsprozess durchmacht. Wie Armin Stärker erläuterte, hätten zum Rundenende einige der langjährigen Aktiven mit dem Fußballspielen aufgehört, bzw. seien zu anderen Mannschaften gewechselt. Die Folge war ein verkorkster Start, und fast alle Spiele gingen mit zum Teil erschreckenden Ergebnissen verloren. Mit einem Trainerwechsel Ende vergangenen Jahres wurde ein negativer Höhepunkt erreicht, und der Abstieg in die B-Klasse konnte nicht mehr vermieden werden.
Was einige der Mitglieder aber weit mehr in Rage brachte, war, dass ein Spieler, um ihn zu halten, angeblich bezahlt wurde. "Es sei schon hammermäßig, einen Spieler in der untersten Klasse zu bezahlen und es klinge schon sehr nach Ausrede, wenn nun behauptet wird, er würde als Co-Trainer bezahlt werden", so die eine Mitgliedermeinung.
Ein anderes aktives Mitglied sagte, "für mich ist ein solches Vorgehen nicht nachvollziehbar - wir steigen ab und zahlen zwei Trainer".
(Noch-)Präsident Armin Stär ker räumte ein, dass sowohl er, wie auch das Präsidium Fehler gemacht hätten, zu denen sie auch stehen würden, aber zwei Trainer würden nicht bezahlt werden, sondern nur einer, der sich sein "Gehalt", also 300 Euro, mit seinem Helfer teilen würde. Nachdem sich der Präsidiumstisch noch anhören musste, "wie weit seid ihr denn gesunken", ergriff Vizepräsident Wolfgang Albert das Wort und las eine lange Latte von Vorwürfen vor, mit denen er sich konfrontiert sah. Albert zog die Konsequenz und trat mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück, denn "die Atmosphäre im Verein ist vergiftet".

Keine Mehrheit für Rausch

Vor der Neuwahl des Präsidenten stellte Günther Rausch ein Konzept mit drei gleichberechtigten Präsidenten vor und ließ sich zum Vereins-Präsidenten vorschlagen. Bei der Wahl allerdings konnte Rausch, der schon einmal, von 2010 bis 2012 Vizepräsident war, nicht die absolute Mehrheit der anwesenden 55 Mitglieder gewinnen, sodass in Bälde eine weitere Versammlung stattfinden muss, bei der dann der Präsident, seine beiden Vizepräsidenten und ein Mitglied des Verwaltungsrates gewählt werden sollen.

Problem Kunstrasen

Eigentlich habe er als Präsident die Sportplatzerneuerung noch unter Dach und Fach bringen wollen, so Armin Stärker. Da der Kunstrasen aber "eine ewige Geschichte" zu sein scheint, wird sich wohl sein Nachfolger damit befassen müssen.
1998 wurde das Kunstrasenfeld in Betrieb genommen. Man sei damals von einer Nutzungsdauer von zehn Jahren ausgegangen, so Stärker. Also habe sich vor fünf Jahren der Verein an die Stadt gewandt. Allerdings seien die "freiwilligen Leistungen der Stadt" in Höhe von rund 300 000 Euro immer wieder gestrichen worden. Inzwischen sei der nunmehr 16 Jahre alte Kunstrasen kaum noch bespielbar. Vor einiger Zeit hätte sich eine neue Möglichkeit der Finanzierung aufgetan: Wenn die Stadt gebürgt hätte, hätte der BLSV das Geld dem Verein vorgeschossen, und dieser hätte die Sanierung bezahlt und wäre nach zehn Jahren wieder schuldenfrei gewesen. Bis dieses Projekt jedoch zum Tragen kam, hatte der BLSV seine Förderrichtlinien geändert.

Probleme durch Chinesen

Der BLSV sieht nun, weil vor Jahren auch mal chinesische Fußballspieler auf dem Kunstrasen trainierten, nicht mehr den TV Winkels als alleinigen Nutzer der Anlage. Und so wartet "Vater Jahn" Winkels weiter auf eine "freiwillige Leistung" in Höhe von rund 300 000 Euro für einen neuen Kunstrasen - der soll nach neuesten Erkenntnissen der Hersteller dann offiziell 16 Jahre halten.
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