"Kober, Ditzel, zweimal Göbel" - Jochen Heimansberg zählt frühere Mitbewerber auf. "Jetzt bin ich alleine" als Anbieter gehobener Herrenkleidung. Bei den "Damengeschäften" sei es genauso.
Bei Teilen der Bad Kissinger Geschäftswelt haben sich in den vergangenen Jahren erhebliche Veränderungen ergeben. Das hat laut Heimansberg verschiedene Ursachen. Er nennt die Verkaufsflächenvergrößerung auf der "grünen Wiese", die nachlassende Kaufkraft, vor allem aber wurden zahlreiche Hotels und Sanatorien veräußert, umgestaltet und geschlossen.
Früher, so der 63-Jährige, hatten Damen etwa im Kurhaus "Tanneck" morgens Anwendungen, nachmittags gingen sie shoppen. Früher hatten die Geschäfte Am Kurgarten eine 1a-Lage, dann schloss das "Steigen-berger" direkt gegenüber. Heute gebe es kein Fünf-Sterne-Haus mehr, und die noblen Läden lägen abseits der Kundenströme. Er, so Heimansberg, habe im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen von über einem Zehntel hinnehmen müssen. Das sei "sehr schmerzhaft". Er muss aber weitermachen, er fühlt sich zu jung für das Altenteil und ist zu alt für einen Neuanfang.
So schlimm hat es Ralf Ludewig nicht getroffen. Dessen Geschäft liegt erstklassig am Alten Rathaus. Er sagte, in seinem Modehaus sei ein Minus "im unteren einstelligen Bereich" entstanden. Das sei "nicht schön, aber auch nicht dramatisch".

Trotz allem optimistisch


Ludewig ist auch Bezirksvorsitzender des Bayerischen Einzelhandelverbandes (HBE). Er nennt die aktuellen Rahmenbedingungen in Bad Kissingen "sicherlich schwierig" und begründete das ähnlich wie Heimansberg. Allerdings kann er die aktuellen Umsatzrückgänge nicht genau beziffern. Sie lägen aber bei Einzelnen, auch in Gastronomie und Dienstleistung, im zweistelligen Bereich. Das sei abhängig von Lage und Sortiment. Betroffen sei vor allem der gehobene Textilhandel.
Dennoch und trotz der sich abzeichnenden Probleme durch die Umgestaltung der Fußgängerzone ist Ludewig optimistisch. Bad Kissingen biete ein großartiges Potenzial. Er rechne fest mit Aufbruchstimmung und Schulterschluss, wenn es endlich losgehe mit einem neuen Fünf-Sterne-Hotel. Aber die nächsten beiden Jahre würden schwer für den Handel, befürchtet er.

Kritik an Mieterhöhungen


Heiko Grom, Vorsitzender der knapp 100 Mitglieder starken Werbegemeinschaft "Pro Bad Kissingen", sagte, die Lage in der Kurstadt sei nicht einfacher geworden. Man merke, dass die gehobenen Hotelkapazitäten abgenommen hätten. Viele hochkarätige Tagungsgäste kämen nicht mehr. Dass es kein Fünf-Sterne-Haus mehr gebe, mache sich schon bemerkbar. Es bröckele an allen Seiten. Es müsse "infrastrukturell" etwas getan werden, zum Beispiel müsste es ein Fünf-Sterne-Haus geben.
Dass es einige Vermieter gebe, die gerade jetzt die Pacht anheben, nennt er "schon etwas unglücklich". Bei allem Verständnis für deren Zwänge sei es die Frage, wie man sich gegenüber dem Partner benehme: Ob man ihn "aussauge" oder halte, bis wieder bessere Zeiten kommen.
Ludewig nannte Mieterhöhungen in der jetzigen Situation "eigentlich unverständlich" . Da wäre "Augenmaß einzufordern". Die Pachtzinsen gerade in den 1a-Lagen seien zum Teil "absolut überzogen". In guten Zeiten wären sie wohl zu erwirtschaften, jetzt aber seien sie nicht mehr realistisch. Es gehörten aber immer zwei dazu: Einer der verlangt und einer der zahlt.

Schlicht verkalkuliert?


Eine Forderung nach höherer Pacht kann aber auch ins Auge gehen. Heribert Schießer vom Maklerbüro Matthes & Schießer kennt einen solchen Fall: Ein Pächter hat ein Geschäft geräumt, weil er zu viel zahlen musste. Sein Nachfolger konnte einen Vertrag zu günstigeren Konditionen schließen und den Zins um 40 Prozent drücken.
Wie Schießer sagte, sind die gewerblichen Mieten in Bad Kissingen - unterschiedlich je nach Lage - seit fünf, sechs Jahren "auf niedrigem Niveau stabil". Vorher hätten die Eigentümer sogar ein Drittel bis zur Hälfte mehr erzielen können.
Wie zu hören war, sind aber auch jetzt noch 5000 Euro im Monat für ein relativ kleines Anwesen im Herzen des Staatsbades durchaus üblich. ed