Wollbach bei Bad Kissingen
Kreativität

Hammerschlag und Funkenflug

Seit sechs Jahren ist Winfried Geis Rentner und ein begeisterter Hobbyschmied. Seine Leidenschaft hat er schon während seiner Bundeswehrzeit entdeckt.
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Winfried Geis an seinem Amboss. Hier bearbeitet er einen Metallklotz, aus dem ein Damastmesser entstehen soll. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Winfried Geis an seinem Amboss. Hier bearbeitet er einen Metallklotz, aus dem ein Damastmesser entstehen soll. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
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Es ist laut, sehr laut. Doch Winfried Geis stört sich nicht daran, er hat sich an die Geräusche gewöhnt, die entstehen, wenn Metall auf Metall trifft. Für ihn ist das fast schon wie Musik. Immer wieder schlägt er mit dem Hammer auf das glühende Metall ein, behält seinen Rhythmus bei. Funken fliegen, das Feuer zischt. Es riecht leicht verbrannt. "Das Glühende ist ein sogenanntes Damastpaket.
Es besteht aus verschiedene Metallen, die miteinander verschweißt sind", erklärt der 66-Jährige kurz. Ein Messer soll daraus werden. Hochkonzentriert setzt Geis seine Arbeit fort. Jeder Schlag muss sitzen.

Etwa acht bis zehn Mal wird dieser Metallblock zum Glühen gebracht und mit dem Hammer bearbeitet. "Dabei breitet sich das Material aus, verbindet sich und wird anschließend mehrmals gefaltet", so der Fachmann. Einige Wochen wird es dauern, bis das Messer fertig ist. Denn der Wollbacher ist kein Profi, sondern ein Hobbyschmied, zieht sich in sein Refugium zurück, wenn er Lust danach hat. "Manchmal kostet es mich etwas Überwindung, in die Schmiede zu gehen. Aber wenn ich dann dabei bin, vergesse ich schon manchmal die Zeit", sagt er. Schließlich ist sein Hobby ein kräfteraubendes.


Mit einem Amboss begann's

Vor sechs, sieben Jahren hat er mit dem Schmieden angefangen. "Damals habe ich zu meinem 60. Geburtstag diesen Amboss geschenkt bekommen", erzählt er. Seither wird dieser regelmäßig genutzt. Kerzenständer, Schalen, Garderoben, Gardinenstangen, Kreuze und allerhand andere kunstvolle Sachen hat Winfried Geis seither angefertigt. "Das meiste habe ich verschenkt." Manche Dinge sind jedoch in seinem Haus im Wollbacher Rasenweg untergekommen. Eine handgefertigte Metallkiste steht beispielsweise am Kachelofen, daneben hängt ein Arrangement verschiedener Schürhaken, mit Schaufeln und Besen. Natürlich handgemacht. "Die Griffe habe ich aus alten Steinbohrern angefertigt, die nicht mehr gebraucht wurden", erklärt Geis. Die hat der ehemalige Heizungsbauer auf den zahlreichen Baustellen gesammelt, auf denen er unterwegs war.

Doch nicht etwa sein Beruf hat ihn zum Schmieden gebracht, sondern seine Zeit bei der Bundeswehr. "Ich war in Mittenwald stationiert und wurde in der Schmiede der Kaserne eingesetzt", erinnert er sich. Dort hat er Hufe für die Tragetiere der Gebirgsjäger anfertigen müssen. "Dabei habe ich mir einiges angeeignet."


Kein Platz für Kreativität

Doch nach dem Wehrdienst war erst mal Schluss mit der Schmiederei. Zwar konnte Geis beruflich seine Vorliebe für Metallarbeiten ausleben, doch so ganz reichte ihm das nicht aus. "Schließlich mussten wir Heizungsanlagen und Leitungen bauen", erklärt er. Da war kein Platz für Kreativität oder Experimente. Da gab es Baupläne und klare Vorgaben. Doch das ist nun vorbei. Denn in seiner Schmiede macht er nun die Ansagen. "Natürlich geht auch mal was schief oder ein angefertigtes Stück gefällt mir nicht", so der Hobbyschmied. Dann bleibt das eben liegen bis er sich überlegt hat, was er damit anfangen kann. "Da findet sich immer etwas."

Ideen hat Geis viele, fachliche Anleitungen inzwischen auch. Mehrere Bücher über die Schmiederei hat er sich zugelegt, so dass er noch mehr experimentieren kann - mit den verschiedenen Materialien und deren Oberflächengestaltung. "Was es für Muster gibt, das ist Wahnsinn", sagt er. Inzwischen ist er so versiert im Schmieden, dass er ständig neue Herausforderungen sucht. Eine solche war das große Wandbild, das an der Außenwand seines Hauses prangt. Aus Vierecken werden fliegende Vögel. "Das habe ich in einem Buch gesehen", sagt er dazu. Als Material hat Geis Stahlblech verwendet.

Allerdings gibt der Wollbacher zu, dass das Hobby nicht für jedermann geeignet ist. Schließlich sei es ganz schön teuer, die verschiedenen Utensilien anzuschaffen. "Die kann man heutzutage bequem übers Internet beziehen", erklärt er. Nur den Schmiedeofen in seinem Refugium, den hat er selber gebaut, war quasi Ehrensache als Heizungsbauer. "Und man muss Rücksicht auf die Nachbarn nehmen", so Geis. Denn in so einer Schmiede kann es ganz schön laut werden, wenn Metall auf Metall trifft.
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