Bad Kissingen
Vier Männer im Nebel

Hambuger Kammerspiele zu Gast in Bad Kissingen

Ein Ensemble der Hamburger Kammerspiele präsentierte im Bad Kissinger Kurtheater Tim Firths "Vier Männer im Nebel".
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"Vier Männer im Nebel" - ein Ensemble der Hamburger Kammerspiele zeigte das Stück in Bad Kissingen. Fotos: Christian Dijkstal
"Vier Männer im Nebel" - ein Ensemble der Hamburger Kammerspiele zeigte das Stück in Bad Kissingen. Fotos: Christian Dijkstal
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Eine "bitterböse Komödie" soll Tim Firths "Vier Männer im Nebel" sein. Ein Ensemble der Hamburger Kammerspiele zeigte sie im Bad Kissinger Kurtheater. Wenn "bitterböse" bedeutet, dass eine Figur den ihr angedichteten Sarkasmus mal hemmungslos ausleben, mal subtil zelebrieren darf und das Herumhacken auf einem anderen, der im Alltag Kollege, auf einer einsamen Insel aber nur ein Individuum in freier Wildbahn ist, zum guten Ton wird, dann war das Bühnenstück bitterböse. Bitterböse auch, weil hier vier Personen in eine Situation gebracht werden, in der sie einander ausgeliefert sind.

Darüber, ob "Vier Männer im Nebel" eine Komödie ist, ließe sich streiten. Teil eins erzählt davon, wie die Männer - allesamt Manager und auf gehobenem Posten - bei einem Outdoor-Training mit ihrem Boot im Nebel auf einen Felsen auflaufen, kentern und an einer kleinen Insel stranden. Verpflegung weg, trockene Klamotten überwiegend weg, iPhone kurz vorm Akku-Ende.

Unterschiedliche Charaktere

Firth nutzt die Gelegenheit, seine vier Darsteller als unterschiedliche Charaktere vorzustellen: Da gibt es den tüchtigen, etwas doofen Neville (liebenswert gespielt von Jens Wawrczek), der als "Käptn" die Verantwortung für das Desaster trägt. Der Typ von nebenan, hilfsbereit, gutmenschlich, gutmütig. Daneben sieht man Gordon, den (in seiner Selbsteinschätzung smarten) Zyniker. Harte Schale, undefinierbarer Kern. Ein hemdsärmeliger Kerl, der sich hoch gearbeitet hat. Stephan Benson verleiht ihm rauen Charme.

Dann ist da Angus, der übervorsichtige, verhätschelte, gediegene, gut versorgte Außenseiter. Mit überzeugender Buchhalter-Nickeligkeit spielt ihn Roland Renner. Roy ist der psychisch labile, penetrant christliche Überzeugung vor sich her tragende Finanzmanager des Unternehmens. Kindlich, naiv und scheinbar am verletzlichsten von allen; so stellt auch Peter Theiss ihn dar. Er wird es sein, der am Ende die am wenigsten erwartete Wandlung durchmacht und verblüffende, vordergründig gar brutale Entscheidungen trifft.

Bis dahin ist es aber ein langer Weg. Dass die Mischung der Charaktere für Zündstoff sorgen kann, ist klar. Im ersten Teil verpufft das Allermeiste allerdings im Nebel. Da beschränkt der Begriff "Komödie" sich auf Witzchen, Anzüglichkeiten und Kalauer, über die freilich gelacht wird. Es scheint, dass auch Firth hier nur auf Sicht fährt, und das ist im Nebel nun mal nicht mit Rasanz zu machen.

Ein Plätschern von Lacher zu Lacher

Was, fragt man sich, will das Stück? Es plätschert von Lacher zu Lacher, liegt platt da, rührt sich nicht vom Fleck. Zur Komödie, in der die ausgelegten Fallstricke zu Verwicklungen führen, in der Missverständnisse zu qualvollen Momenten, die sich in Heiterkeit lösen, werden, wird das Stück erst im zweiten Teil. Hier kommt es zu Explosionen, zu Selbstreflektionen und Wandlungen. Zeitweilig sogar zu echter Heiterkeit.

Was die unfreiwillige Menage à quatre an Konfliktpotenzial bietet, wäre weiterdenkenswert. Aber nach dem Dahindümpeln im ersten Teil mag man sich dazu - wenn überhaupt - nur noch mühsam aufraffen. So nimmt man Verwicklung und Auflösung einigermaßen schmunzelnd zur Kenntnis und applaudiert am Ende, wenn endlich alles vermutlich gut wird. Rettung naht für diese geschlossene Gesellschaft am Ende aus der Luft. Und damit haben die Probleme sich erledigt. Zumindest vorläufig.
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