Auf der Treppe, im Mädchenklo, in der Bibliothek - im ganzen Gebäude des Franz-Miltenberger-Gymnasiums finden Schüler die Arbeiten des Abiturjahrgangs. Manchmal müssen sie auch etwas suchen, um die Kunstobjekte zu finden. So hat Sarah Skrzypczyk wenige Zentimeter hohe Knetfiguren in den Blumenkästen an der Galerie im Obergeschoss versteckt. Die Mini-Schüler haben sich vor den Lehrern im wahrsten Sinne des Wortes in die Büsche geschlagen.
"Die Aufgabe lautete, den öffentlichen Raum zu okkupieren", sagt Tanja Berressen-von der Haar. Die Abiturienten, erklärt die Lehrerin, mussten mit Techniken aus der Street Art arbeiten. Sie nutzten Klebebänder und Folien, Schablonen und Sprays. Neben Malereien entstanden aber auch plastische Werke wie die kleinen Knetfiguren. Aline Latus verwandelte einen klassenüblichen Schwamm in die Comic-Figur SpongeBob. "Ich habe einen Schwamm gewählt, weil er zum Alltag in der Schule gehört", sagt die Abiturientin. Von diesem müsse sich ihr Jahrgang bald verabschieden. Annabell Möller verpasste dem Kaffeeautomaten ein neue Hülle. Sie gestaltete ihn zu einem poppig bunten, überdimensionierten Trinkpäckchen um.
Mit den verschiedenen Techniken entstanden aber nicht nur witzige Verfremdungen, sondern auch nachdenkliche Arbeiten. Die Mädchentoilette wird bei Nicole Zorzytzky zu einem Zufluchtsort vor Mobbingangriffen: Auf der Kabinentür bilden Klebebänder das Wort "Exit".
An Street Art im Stil von Banksy erinnert die Idee von Laura Sommer. Ihr Graffito setzt sich aus mehreren Teilflächen zusammen, die auf die Flanken von Treppenstufen gemalt sind. Sie fügen sich zu einem Konterfei und einer Gedankenblase zusammen: "Ich denke was, was du nicht denkst." Sommer erklärt dazu: "Wir sehen Personen nur aus einer Perspektive. Um sie zu verstehen, ist ein Perspektivenwechsel notwendig." Wer die Treppe hinaufsteigt, kann in die Gedankenblase schauen.
Einige der Kunstwerke bleiben noch für die kommenden Tage erhalten. Eine Arbeit sollen die kommenden Jahrgänge sogar fortsetzen.