Bad Brückenau
Hoffnung

Gutes Ende dank Kirchenasyl

Die Vorzeichen stehen gut, dass die 20-jährige Äthiopierin Roman Shugute demnächst offiziell Asyl in Deutschland beantragen kann.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein großer Unterstützerkreis bewältigte die vielfältigen Aufgaben beim Kirchenasyl für Roman Shugute. Der Äthiopierin drohte nach dem Dublin III-Verfahren die Rückführung nach Italien, weil dort nach einer abenteuerlichen Flucht ihre Erstregistrierung erfolgt war. Foto: Rolf Pralle
Ein großer Unterstützerkreis bewältigte die vielfältigen Aufgaben beim Kirchenasyl für Roman Shugute. Der Äthiopierin drohte nach dem Dublin III-Verfahren die Rückführung nach Italien, weil dort nach einer abenteuerlichen Flucht ihre Erstregistrierung erfolgt war. Foto: Rolf Pralle
+1 Bild
"Das war alles Neuland für uns", blickt der evangelische Pfarrer Gerd Kirchner auf die vergangenen Monate zurück. Der Geistliche lässt noch einmal kurz Revue passieren, warum man sich überhaupt zur Gewährung eines Kirchenasyls im Gemeindehaus entschlossen hatte.
Roman Shugute war in den Wirren der Flucht in Italien von ihrem Mann Berhanu Abebe getrennt worden.
Ihre Erstregistrierung erfolgte in Italien, der 30-Jährige schaffte es praktisch ohne behördliche Erfassung bis nach Deutschland. Nach einer wahren Odyssee gelangten beide in die Gemeinschaftsunterkunft nach Volkers. Dort wurde die Flüchtlingsbetreuerin der Caritas, Daniela Schad, auf den schicksalhaften Fall aufmerksam. Denn nach dem sogenannten Dublin III-Verfahren hätte Shugute jederzeit nach Italien, das Land ihrer Erstregistrierung, zurückgeführt werden können.


Landeskirche mit im Boot

"Das sollte unter allen Umständen verhindert werden", so Pfarrer Kirchner, zu dem Daniela Schad zwischenzeitlich Kontakt aufgenommen hatte. Der Geistliche weiß von vielen Experten, "dass nur rund zehn Prozent der Flüchtlinge in Italien und auch in Griechenland ordentlich versorgt werden können". Die Situation dort sei katastrophal. Das bestätigt auch der Asylbeauftragte der bayerischen Landeskirche, Stefan Reichel, der von Anfang an in die Geschichte involviert war. Seiner Ansicht nach wäre die Frau bei einer Überstellung nach Italien auf der Straße gelandet: "Da ist eine Retraumatisierung vorprogrammiert, das ist mit der Menschwürde nicht vereinbar."


Verfahren neu starten

Nach ausführlicher Beratung entschloss sich der Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde im Februar, der 20-jährigen Äthiopierin Kirchenasyl zu gewähren. Mir dieser Maßnahme sollte auch die sogenannte Überstellungsfrist von einem halben Jahr überbrückt werden. "Denn wenn die Behörden nicht einschreiten und der Flüchtling nicht innerhalb von sechs Monaten in das Land der Erstregistrierung zurückgeführt wird, muss man ihn so behandeln, als ob er gerade heute in Deutschland eingereist wäre", erläutert Kirchner das Procedere. Somit würde das Asylverfahren in der Bundesrepublik komplett neu starten.
Was sich relativ einfach anhört, ist in der Praxis aber mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden. So müssen für den Kirchenasylanten nicht nur Räume zum Wohnen und Kochen sowie sanitäre Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden, auch die Einschaltung eines Fachanwalts ist sinnvoll. "Darüber hinaus waren wir verpflichtet, alle maßgeblichen Ämter und Behörden über das Kirchenasyl zu unterrichten", so der Bad Brückenauer Geistliche.


Viele freiwillige Helfer

Für die Fülle der Aufgaben, die zu bewältigen waren, fand sich schnell ein großer Unterstützerkreis. Zahlreiche Freiwillige engagierten sich praktisch rund um die Uhr ehrenamtlich für die junge Frau. "Wir haben vielfältige Erfahrungen gemacht und Kontakte geknüpft, die wir nie wieder missen möchten", so Kirchners Fazit, der von der "unbeschreiblichen Hilfsbereitschaft in allen Lebensbereichen" überwältigt ist.
Roman Shugute selbst versuchte mit ihren bescheidenen Mitteln fast täglich, etwas von der genossenen Gastfreundschaft zurück zu geben. Großer Beliebtheit erfreuen sich mittlerweile die Spezialitäten aus ihrer Heimat, die sie regelmäßig für ihre Helfer kocht. Die weiblichen Gemeindemitglieder ließen sich mehrfach in der äthiopischen Haarflechtkunst unterweisen. "Und vor allem unser Kirchenkaffee ist seit Romans Ankunft belebt und lebendig wie nie zuvor", ergänzt Pfarrersgattin Martina Kirchner.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren