Bad Kissingen
Kurzone

Grundstein für die Zukunft

Der Stadtrat hat beschlossen, das Sondergebiet zu ändern. Es soll kleiner werden, Wohnen wird erlaubt. Davon profitieren alle: Sowohl die, die rausfallen als auch die, die drinnen bleiben.
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Die Stadtplaner Christine Schwind und Wolfgang Russ wollen die Kurzone weiter entwickeln.  Foto: Benedikt Borst
Die Stadtplaner Christine Schwind und Wolfgang Russ wollen die Kurzone weiter entwickeln. Foto: Benedikt Borst
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Stadtplaner Wolfgang Russ nickt langsam und selbstbewusst. Ja, am Mittwochabend wurde etwas Großes für Bad Kissingen angestoßen. "Die Käseglocke mit der man das Kurgebiet geschützt hat, wird durchlässiger", meint er. Das Areal soll um 100 000 Quadratmeter Nutzfläche schrumpfen, außerdem soll Wohnen erlaubt sein. Der Stadtrat hat das Bauamt damit beauftragt, einen neuen Bebauungsplan für das Sondergebiet Kur aufzustellen. Der Bebauungsplan legt die Größe und die Regeln der Kur zone fest.
Das Kurgebiet zu überarbeiten, ist schwierig. "Es ist eine Gratwanderung. Was verträgt das Kurgebiet, was nicht?", sagt Russ. Immerhin liegen mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze in Bad Kissingen im Bereich Gesundheit, Tourismus und Gastronomie, sagt seine Kollegin Christine Schwind. Von allen Seiten wird deshalb betont, wie wichtig die Kurzone ist. Sie schützt "die Alleinstellungsmerkmale Bad Kissingens, auf die wir bei der Vermarktung setzen", meint beispielsweise Kurdirektor Frank Oette. Die Weiterentwicklung müsse mit Bedacht geschehen, werde aber begrüßt.

Wohnungen ersetzen Kur

Das Bauamt hat deshalb in den vergangenen zweieinhalb Jahren umfassende Voruntersuchungen angestellt. Die Hauseigentümer wurden befragt, die aktuelle Nutzung und die Leerstände wurden erfasst, Fachgespräche veranstaltet. Wolfgang Russ und Christine Schwind zogen daraus viele Rückschlüsse. Etwa dass bestimmte Quartiere, wie die Gegend um die Von-der-Tann-Straße, nicht mehr in die Kur z one gehören. "Dort findet keine Kur mehr statt", erklärt er. Die Gegend soll als reines Wohngebiet ausgewiesen werden.
Das Sondergebiet bleibt auch mit den Änderungen als geschlossenes Areal erhalten. Mit Ausnahme von Laudensacks Parkhotel bleiben die großen Einrichtungen darin. Das Konzept wird von den Betreibern gut aufgenommen. "Ich freue mich, dass wir rausfallen, weil bei uns eine starke Lärmbelästigung vor dem Haus ist", sagt Hermann Laudensack. Weil Lärm und die Ansprüche der Gäste an die Kurzone nicht zusammenpassen, habe er Schwierigkeiten, die zur Straße gelegenen Zimmer angemessen zu vermieten. Ohne Kurzone habe er mehr Spielraum.
Bei der Verkleinerung haben die Stadtplaner vor allem eine Zielgruppe im Blick: "Wir haben den Großteil der kleinen Kurhäuser herausgenommen", sagt Russ. Diese Häuser genügen den Ansprüchen der Gäste oft nicht mehr, stehen leer und hätten die Chance mit Wohnungen oder Büros gefüllt zu werden, wenn sie nicht mehr im Sondergebiet Kur liegen. Laut den Stadtplanern wurde im Vorfeld gerade von den Betrieben wiederholt gefordert, Wohnungen zuzulassen.
Ein größeres Wohnungsangebot unweit vom Arbeitsplatz würde den Standort für Fachkräfte attraktiver machen. "Gerade weil viel im Schichtdienst gearbeitet wird, wird das gewünscht", sagt Schwind. Die Wohnungen könnten aber auch von Menschen mit chronischen Krankheiten, genutzt werden. Als Dauerkurgäste hätten sie eine umfassende medizinische Versorgung vor der Haustüre und die Kliniken neue Kunden.
Die Kurzone soll weiter dem Gast dienen. "Der Anteil der Kurnutzung muss über 50 Prozent bleiben", sagt Schwind. Wohnungen sind auf einem Grundstück nur dann erlaubt, wenn mindestens Dreiviertel der Gebäude im Sinne der Kurzone betrieben werden.


Die Änderungen an der Kurzone


Verkleinerung Das Bauamt hat Gebiete vorgeschlagen, die herausgenommen werden sollen. Ein Kurbetrieb ist dort kaum mehr vorhanden. Die Areale sollen beispielsweise zu Wohn- und Mischgebieten umgewandelt werden. Betroffen sind vor allem Frühling- und Von-der-Tann-Straße, Schönborn- und Rosenstraße, Kurhausstraße und südliche Bismarckstraße.

Wohnungen
In Ausnahmen soll es erlaubt sein, im Kurgebietzu wohnen. Bisher war das nur in Häusern möglich, die bereits vor 1976 als Wohnhäuser genutzt wurden. Der Anteil der Kurnutzung muss bei mehr als 50 Prozent bleiben. Die Wohnnutzung bleibt strikt reguliert. Pro Grundstück dürfen maximal 25 Prozent der Geschossfläche bewohnt werden.
Entwicklungsplan Das Handlungskonzept "Soziale Stadt Kurgebiet" benennt vier große Handlungsfelder, denen 46 konkrete Vorhaben zugeordnet sind. Auf der Prioritätenliste ganz oben stehen unter anderem ein neues Verkehrskonzept und ein eigenes Quartiersmanagement für das Kurgebiet. Außerdem die Wiederansiedlung eines Fünf-Sterne-Hotels und die Ausweisung eines Sanierungsgebietes.

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