Bad Kissingen
Nachruf

Große Trauer um Joske Ereli

Der Motor der Partnerschaft starb im Alter von 93 Jahren in Tel Aviv. Sein Einsatz für die Aussöhnung wurde vielfach gewürdigt.
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Eine der letzten Aufnahmen von Joske Ereli (2. von rechts) in Deutschland: Bei einem Besuch in Hammelburg wurde die Partnerschaft aufgefrischt. Mit auf dem Bild sind (von links) die Landräte Thomas Bold (Bad Kissingen) und Dov Litvinoff (Tamar) sowie der Bad Kissinger Altlandrat Herbert Neder. Foto: Edgar Bartl/Archiv
Eine der letzten Aufnahmen von Joske Ereli (2. von rechts) in Deutschland: Bei einem Besuch in Hammelburg wurde die Partnerschaft aufgefrischt. Mit auf dem Bild sind (von links) die Landräte Thomas Bold (Bad Kissingen) und Dov Litvinoff (Tamar) sowie der Bad Kissinger Altlandrat Herbert Neder. Foto: Edgar Bartl/Archiv
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Im Schicksal Joske Erelis spiegelte sich eindrucksvoll die Geschichte Deutschlands und Israels im 20. Jahrhundert wieder: Er wurde am 13. September 1921 in Bad Kissingen unter dem Namen Hans-Josef Ehrlich geboren, musste 1938 nach Palästina emigrieren, setzte sich nach dem Krieg aber trotzdem für die Aussöhnung mit Deutschland und speziell für eine Partnerschaft zwischen den Landkreisen Bad Kissingen und Tamar ein. Nun ist dieses außergewöhnliche Leben zu Ende gegangen: Joske Ereli starb am Dienstag im Alter von 93 Jahren in Tel Aviv.

Angesegene Geschäftsleute

Ereli stammt aus einer einst angesehenen und wohlhabenden Bad Kissinger Familie: Sein Großvater war 1908 als erster Jude in den Magistrat der Stadt gewählt worden, seine Eltern Grete und Ludwig Ehrlich führten das größte Modehaus der Stadt. Doch die nationalsozialistischen Herrschaft machte dem ein jähes Ende: 1935 musste Hans-Josef Ehrlich an ein Internat nach Coburg wechseln, weil ihm in Bad Kissingen der Schulbesuch verwehrt wurde, mit 17 Jahren wanderte er dann nach Palästina aus. Dort diente er unter anderem als Offizier im Palmach, dem Vorgänger der heutigen Armee.
Hans-Josef Ehrlich ließ sich in Joske Ereli umbennenen und heiratete 1943 Rachel Schenker, mit der er einen Sohn und eine Tochter hatte. Die Familie lebte erst in einem Kibbuz, später in Tel Aviv. 1959 kam er zum ersten Mal zurück nach Deutschland. 1977 zog die Familie Ereli ins Kibbuz Ein Gedi am Toten Meer. Weil er mit 57 nicht mehr Kibbuz-Mitglied werden konnte, arbeitete er im Tourismusbüro der Gemeinschaft mit und wurde schließlich Geschäftsführer des Kurbetriebes.
1979 kam es zufällig in Ein Gedi zu einer Begegnung mit Jugendlichen aus Bad Kissingen, ab 1984 gab es erste offizielle Kontakte und Ereli kam regelmäßig nach Bad Kissingen. Er baute einen Jugendaustausch mit auf, trotzdem dauerte es bis 1997, bis die Partnerschaft zwischen den Landkreisen Tamar in Israel und Bad Kissingen auch offiziell besiegelt wurde.
"Ich fand's beeindruckend, dass er seinen Frieden mit Bad Kissingen gemacht hat", sagt Landrat Thomas Bold und ist traurig über einen "großen Verlust". "Er hat die Partnerschaft begründet und war immer ein Motor", würdigt Bold die Verdienste Erelis, und: "Jetzt gilt es, sein Erbe zu bewahren."
"Joske Ereli war ein ganz wichtiges Bindeglied zwischen Bad Kissingen und Ein Gedi", sagt Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Er sei jemand gewesen, "durch den Geschichte erlebbar wird," und "ein Zeichen dafür, dass Versöhnung möglich ist." Als äußeres Zeichen erhielt Ereli deshalb auch 2001 die Bürgermedaille der Stadt Bad Kissingen in Silber. Der Landkreis Bad Kissingen überreichte ihm sein Ehrenzeichen in Silber. 2009 wurde Ereli mit dem das Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Joske Ereli hat seine Lebensgeschichte aufgeschrieben, die hebräische Version wird derzeit übersetzt. Voraussichtlich im Dezember soll eine deutsche Fassung gedruckt werden. Er hat seinen Körper dem Krankenhaus zu Forschungszwecken überlassen. Einen Termin für eine offizielle Trauerfeier gibt es deshalb noch nicht.


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