Bad Kissingen
Geldpolitik

Große Probleme kleiner Banken

Die Genossenschaftsbanken haben ein gutes Jahr hinter sich. Allerdings wurden auch 14 von 31 Geschäftsstellen geschlossen.
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Kundennähe, wie hier in der VR-Geschäftsstelle in Bad Kissingen, wird bei der Genossenschaftsbank groß geschrieben - auch seit 2015 mit der Schließung von 14 Geschäftsstellen begonnen wurde. Foto: Anja Greiner
Kundennähe, wie hier in der VR-Geschäftsstelle in Bad Kissingen, wird bei der Genossenschaftsbank groß geschrieben - auch seit 2015 mit der Schließung von 14 Geschäftsstellen begonnen wurde. Foto: Anja Greiner
Rainer Geis, Vorstandssprecher der VR-Bank Bad Kissingen- Bad Brückenau kann in einem Wort deutlich machen, was er von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hält: "Draghisch", sagt er dann; in Anlehnung an Mario Draghi, den Chef der EZB.

Wolfgang Menninger, Vorstand der Raiffeisenbank Nüdlingen und Roland Knoll, Vorstand der Raiffeisenbank Hammelburg - mit der VR Bank Bad Kissingen - Bad Brückenau bilden sie den Kreisverband der Genossenschaftsbanken - können sich Rainer Geis nur nickend anschließen. "Draghisch" ist der Kauf von Staatsanleihen der EZB - derzeit monatlich in einer Höhe von 80 Milliarden Euro - und der Einlagensatz von minus 0,4 Prozent. Das bedeutet, die Banken können ihr überschüssiges Geld nicht mehr zinsträchtig anlegen - im Gegenteil: wer beispielsweise 100 000 Euro für sechs Jahre anlegt, bekommt am Ende 97 000 Euro zurück.

Das Ziel der EZB: Geldanlage soll für Banken unattraktiv werden, lieber sollen sie ihr Geld in Form von Krediten an die Kunden weitergeben - die Wirtschaft soll so angekurbelt werden. Das Problem der Banken: "Wir können nicht mehr Kredite bedienen, als nachgefragt werden", sagt Geis. Wer dann als Bank noch Zinsen auf seine Anlagen bekommen möchte, greift möglicherweise auf riskantere Anlageformen zurück. Auch keine Lösung, Geis.

So wichtig die Genossenschaftsbanken, aber auch die Sparkassen, für die Region sein mögen - systemrelevant sind sie nicht. Darum auch der Unmut der Banker in Bad Kissingen über die Politik Mario Draghis in Frankfurt. Der Vorwurf: Die Geld- und Finanzpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) führt nicht nur an der Praxis kleiner Banken vorbei, die ständig neuen Regulierungen, sowie die Niedrigzinspolitik erschweren den Banken auch das Geschäft vor Ort.

Ein Beispiel: Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie soll am 21. März in Kraft treten - darin enthalten eine Vielzahl neuer Informationspflichten der Banken gegenüber ihren Kunden und zusätzlich diverse Beratungs-, Dokumentations- und Hinweispflichten. Unter anderem soll eine Beratungspflicht eingeführt werden, wenn ein Kunde seinen Dispositionskredit über sechs Monate ununterbrochen und durchschnittlich in Höhe von 75 Prozent des vereinbarten Höchstbetrags in Anspruch nimmt. "Das machen wir schon seit jeher so", sagt Geis. "Für uns bedeutet das nur mehr dokumentarischen Aufwand."

Das Beratungsgespräch soll auch per Fernkommunikationsmitteln möglich sein, eine Dokumentation der Beratung nur Zeit und Ort der Beratung umfassen, heißt es auf der Seite des Bundesverbandes Öffentlicher Banken in Deutschland. Der bürokratische Aufwand könnte sich also in Grenzen halten, was dennoch bleibt ist die wohl berechtigte Frage nach dem Sinn: "Es ist frustrierend", sagt Geis, "wenn man Dinge umsetzen muss, deren Nutzen fraglich ist".

Wo also, sagt Rainer Geis, sollen Erträge generiert werden, wenn die Zinsen einbrechen? Die Antwort gab es bereits Mitte 2015.

Damals wurde beschlossen, 14 der 31 Geschäftsstellen zu schließen. Rainer Geis sagt, die Schließungen seien auf "viel Verständnis" gestoßen, teils waren auch tatsächlich nur eine Handvoll Kunden am Tag in den Geschäftsstellen, Kündigungen von Konten habe es deswegen keine gegeben und auch für die älteren Kunden habe man sich eine Lösung überlegt: ein Geld-Liefer-Service sozusagen.

Wer Mitglied ist, ein bestimmtes Alter hat kann anrufen, den Betrag nennen, den er vom Konto abgebucht haben möchte und ein Mitarbeiter der Bank bringt das Geld dann vorbei. "Wir lassen die Älteren nicht im Stich", sagt Geis. Nah am Menschen, so ist das Credo der Genossenschaftsbank, trotz weniger Anlaufstellen. Und trotz aller Klagen über europapolitische Maßnahmen lief das vergangene Geschäftsjahr gut für die Banken. Fünf Prozent Wachstum im Kreditgeschäft und die Bilanzsumme stieg um 12,7 Millionen Euro auf 1,025 Milliarden Euro. Der Rückblick, er ist also eher positiv. Der Ausblick hingegen: "Die nächsten Jahre", sagt Roland Knoll "werden definitiv schlechter". Zumindest dann, wenn die Negativzinsen anhalten.


Das Geschäftsjahr 2015 der VR Banken im Überblick

Verband Die VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau, die Raiffeisenbank Hammelburg und die Raiffeisenbank Nüdlingen bilden den Kreisverband der Genossenschaften in Bad Kissingen,

Betrieb Im vergangenen Jahr haben die Banken die Schließung von 14 der bis dahin 31 Geschäftsstellen beschlossen. Die letzten werden bis Juni 2016 geschlossen. In Reiterswiesen, Ramsthal, Ebenhausen und Zeitlofs wird es noch einen SB-Automaten geben.

Die Bilanzsumme der Banken ist um 12,7 Millionen Euro auf 1,025 Milliarden Euro gestiegen. Das Kreditgeschäft ist um fünf Prozent (2014: 8,3 Prozent) gestiegen auf 327 Millionen Euro. 50 Prozent der Kredite werden an Privatkunden, 50 Prozent an Firmenkunden vergeben. Häufigste Gründe für die Aufnahme eines Kredites waren Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten. Die Einlagen der 57 000 Kunden und 21 000 Mitgliedern sind auf 805 Millionen Euro gestiegen.

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