"So wie heutzutage war das natürlich nicht", war immer wieder zu hören, wenn Oberbacher nach der Fasenacht früherer Zeiten befragt wurden. Aber ganz klar: "Foasenoicht und Kirmes woarn die größte Feiertag", sagt der Bäckersch Hermann. Gefeiert wurde auf jeden Fall - und das ordentlich. In Oberbach gab es die zwei Wirtschaften "Schulbarwe" (Gasthaus Stern) und "die Ruppels". Beide hatten seinerzeit einen Saal für die großen Feste im Dorf. Zünftig ging es da zu. "Und mancher hat da einen schweren Rausch nach Hause getragen", erinnert sich Kurt Ziegler, Jahrgang 1942, vom Gasthaus Stern.
Und so wurde bis zum Bau der "Halle", dem Haus des Gastes, in beiden Gasthäusern gefeiert, die auch Vereinslokale waren. Das war noch vor der Zeit der Vereinsheime. "Bis zu dem großen Brand im August 1963 wurde dann alle zwei Jahre bei uns im Saal Foasenoicht gefeiert", erinnert sich Kurt, inzwischen Seniorwirt. "Auch Kinderfasching gab's bei uns schon - und zwar am Rosenmontag."
Am Dienstag seien dann nämlich die Kinder in kleinen Gruppen unterwegs gewesen, erinnert sich seine Frau Heidi, Jahrgang 1954. "Die Kinder waren maskiert und haben vor den Häusern ein Lied gesungen. Sie bekamen Süßigkeiten oder auch mal Geld. Damit haben sie dann anschließend Party gemacht", sagt sie.
Die Lieblingskostüme in dieser Zeit seien bei den Mädchen Rotkäppchen, Ungarin oder Prinzessin gewesen. Die beliebtesten Verkleidungen der Buben waren Holländer, Pirat und auch schon Cowboy. Kurt selbst sei als Kind auch mit anderen von Haus zu Haus gezogen, "das war so üblich damals." Da wurde dann ein Sprüchlein aufgesagt oder kurz etwas gesungen. Dafür gab es Süßes zur Belohnung.
Am Faschingsdienstag war dann meistens der Bär los. Wie in vielen Rhöndörfern üblich, gehörte das Bären-Treiben zur Fasenacht dazu. Der Bär, sein Treiber und einige vermummte Figuren zogen durch das Dorf. "Vor allem bei den Schnapsbrennern haben sie Halt gemacht und dann natürlich in den zwei Wirtshäusern", weiß Kurt Ziegler noch.

Elefant statt Bär


Seiner Erinnerung nach wurde aus dem traditionellen Strohbären zweimal ein Strohelefant - wohl aus irgendeiner Laune heraus. "Den Elefanten haben zwei Burschen gemacht. Die waren mit einer Leiter - als Rücken - verbunden und wurden fest in das Gestell eingebunden. Und das wäre einmal fast übel ausgegangen." Ob es nun am Schnaps lag, der ihnen spendiert wurde oder ob es einfach schlechte Sichtverhältnisse waren, sei dahingestellt. Jedenfalls stürzte das Strohtier ganz unglücklich - und die beiden Männer hingen festgezurrt in der Leiter und konnten sich nur schwer befreien.
"Ich war auch einmal der Strohbär", erinnert sich der "Bäckersch Hermann", Jahrgang 1934. Ein halbes Jahrhundert sei das wohl schon her. Er war ein junger "Kauz" und zu jeder Gaudi bereit. "Die haben mir erstmal einen Kartoffelkorb über den Kopf gestülpt und mich dann ganz und gar mit Stroh eingebunden", lacht er. Ganz so gemütlich aber war es unter der Strohverpackung wohl doch nicht. Denn die war schwer und kratzig und "gesehen hab ich auch fast nichts mehr", sagt er, "aber der Bär wird ja geführt."
Aber auch zu seiner Zeit war es schon nicht mehr das "Arwes-Stroh" (Erbsenstroh), wie es in der Rhön-Literatur heißt. "Bei uns wurde Haferstroh genommen", erinnert er sich, "wir sind dann durchs Dorf gezogen und haben an den Häusern geschellt. Und Schnaps - naja - es war doch Foasenoicht. Den Schnaps hab ich mit so einem Röhrli getrunken." Und dann fällt ihm noch ein: "Wir haben da ja in den Häusern oder der Wirtschaft einen unheimlichen Dreck gemacht. Das haben wir früher gar nicht so gemerkt." Und dann "einmal, in so einer Stube, da hat der Bär dann auch gebrannt." Wie das ausging, weiß er nicht mehr so genau - der Bär wurde wohl rechtzeitig gelöscht.

Ortspolitik als Anliegen


Otto Kirchner vom "Bannertshof" im Tal nach Eckartsroth, Jahrgang 1925, erinnert sich: "Als Kinder haben wir uns halt angemalt und mit dem, was da war, irgendwie verkleidet. Dann sind wir ins Dorf rüber gegangen und haben uns den Gruppen dort angeschlossen. Hier herüben, in Eckartsroth, gab es ja nichts." Er erinnert sich vor allem an eine spätere Zeit, als die Faschingsumzüge aufkamen. "Wir aus dem Kälbertal haben dann immer einen Wagen gemacht", erinnert er sich. Er habe ihn gefahren.
Demnach sei 1966 das erste Mal im Dorf ein richtiger Faschings-Umzug veranstaltet worden. Otto und andere "Kälbertäler" waren mit Begeisterung dabei. Ortspolitik war ihr Anliegen "Baut die Straße ins Kälber-Reich - unsre Stimme gehört euch gleich", hieß es da vor einer Wahl. Denn schlecht war er, der Weg hinüber nach Eckartsroth. Im darauf folgenden Jahr propagierten die Eckartsröther die "freie Milch- und Fleischwirtschaft" im Kälbertal und hatten die Idee von einer "Rumpfsteak-Fabrik".
Mit einem qualmenden Schlot auf ihrem Wagen - "die Beziehungen zu den Amis haben das möglich gemacht" - räucherten sie das Dorf ein. "1994 sind wir mit unserem Wagen dann auch nach Brückenau zum Faschingszug gefahren", erinnert sich Otto. "Aber als die dann von uns Teilnehmern auch noch Eintritt verlangt haben, da hat`s uns gereicht." Fasching gefeiert wurde damals in der "Witzels-Halle", wohl bis zum Bau der "Halle", dem Haus des Gastes. Beim Faschingstanz habe es seinerzeit noch sehr viele Maskierungen gegeben.
Hier wurde dann auch immer der Kinderfasching gefeiert, zuerst traditionell am Faschings-dienstag, später am Faschingssonntag. Er wurde abwechselnd von einzelnen Vereinen, inzwischen vom Vereinsring ausgerichtet. Nur noch vereinzelt sei ein ortseigener Faschingszug unterwegs gewesen.