Bei 30 Grad und prallem Sonnenschein ist Archäologie Knochenarbeit: Mit Winkelkratzer, Besen und Schaufel graben sich seit einer Woche die drei Archäologen Marcus Dumler, Michael Wittmann und Tomasz Trzesniowski am Sinntor in die Stadtgeschichte vor. Trotz der Mühen: "Das ist ein Ergebnis, mit dem wir nicht gerechnet haben und was den ganzen Aufwand rechtfertigt", zeigt Grabungsleiter Dumler auf ein Loch, und: "Ich gehe davon aus, dass das ein Teil des Stadttores war."
Archäologie ist beides: Harte Arbeit und wissenschaftliche Studien. Vor der Grabung hat sich Dumler mit der Brückenauer Geschichte beschäftigt. "Um 1340 ist die Neustadt mit einer Mauer versehen worden", berichtet er. Die Neustadt wurde nach dem Stadtbrand von 1876 zur heutigen Altstadt, Stadtmauer und Stadttor sind bereits auf dem Urkataster von 1848 nicht mehr eingezeichnet, müssen also bereits vorher abgebrochen worden sein.
Genau danach suchen die Archäologen: "Interessanter ist eigentlich das, was kartographisch gar nicht erfasst ist", berichtet Dr. Andreas Büttner vom Landesamt für Denkmalpflege. "Aber da kommen wir gar nicht hin, weil das deutlich tiefer liegt", hatte Büttner vor dem überraschenden Fund noch vermutet, denn: Die Archäologen dürfen nur minimal tiefer graben als die Erde sowieso durch ein Bauvorhaben ausgehoben wird. Laut Denkmalschutzgesetz muss jeder Bauherr dafür sorgen, dass mögliche Boden-Denkmäler erfasst werden und erhalten bleiben - auf eigene Kosten. Das Landesamt für Denkmalpflege ist für die fachliche Beratung zuständig und dafür, dass es nicht zu teuer wird.
Die drei Archäologen der Firma Scherbaum haben drei Wochen für die Untersuchung angesetzt. Danach werden die Ergebnisse im Büro dokumentiert und die Messdaten mit alten Karten verglichen. "Wenn dort jemals neu gebaut wird, weiß man, was einen erwartet", nennt Büttner als eines der Ziele.
In der ersten Grabungswoche wurde die gesamte Fläche flach abgegraben. Weil Streifenfundamente und Versorgungsleitungen tiefer eingegraben werden, geht seit dieser Woche auch die Untersuchung tiefer, allerdings nur an ein paar Stellen: "Wir werden noch zwei oder drei Fenster aufmachen und dafür andere Dinge lassen", berichtet Grabungsleiter Dumler. Der Bauherr müsse also keine Kostenmehrung befürchten.
Dass Dumler und seine Kollegen einen guten Riecher und einige Erfahrung haben, bewies der Fund gleich im ersten tiefen Loch: In den Resten des Stadttores sind zudem die Überbleibsel eines Brunnens und eine vermutlich zugemauerte Tür zu erkennen. Aber nicht lange: Nach der Erfassung werden die Löcher verfüllt und die Fläche mit einem Geotextil abgedeckt, auf dem dann gebaut wird.