Sie haben sich mit der ganzen Welt gemessen von China über Russland bis Hawaii oder so und sie haben den Menschen dort überall erklären können, wie sie läuft. Jetzt, zur 46. Session, war sie ihnen zu klein geworden, und sie brauchten neue Ziele. Und die Narren des BTC wurden fündig: Garitz liegt ja auch in Franken! Und so traten sie in der wieder prächtig dekorierten Turnhalle die Reise nach innen an: "Garitz, die fränkische Perle" hieß das Thema. Der überdimensionale Harlekin grüßte von der Kulisse.
Das Expeditionsziel war hoch gesteckt, hätte auch ein Scheitern bedeuten können: "Wir wollen den Beweis antreten, dass der Franke und insbesondere der Garitzer Humor hat!" meinte Sitzungspräsident Christian Rüth, nachdem die Jugendkapelle der Feuerwehr, geduldig und schwungvoll wie immer am ganzen Abend, die Gästevor dem Einzug der Aktiven in Stimmung gebracht hatte.

Unter gutem Vorzeichen


Die Zeichen standen nicht schlecht, dass der Beweis gelingen würde. Die BTCler hatten wieder auf bewährten Kräfte und Strukturen gesetzt: etwa auf das Rotkreuzorchester, das auch Faschingsauftritte sehr ernst nimmt und auf dem gewohnt hohen Niveau musizierte und die Gäste mit kraftvoller Musikalität begeisterte. Oder die Jugendgarde, die dieses Mal fantasievoll als Hexen mit Besen über die Bühne wirbelte oder auch flog. Oder der perfekte Tanz der BTC-Garde, der es mal wieder schaffte, trotz der akrobatischen Anstrengungen unbeschwert zu wirken. Schade, dass der Showtanz der Garde an der defekten CD scheiterte. Gut, dass er später am Abend ohne Störung nachgeholt wurde. Man hätte nicht nur etwas verpasst, sondern sehr viel Arbeit und Training wären umsonst gewesen.
Die BTC-Sänger mit ihren stoischen Mienen waren wieder die bewährte Abteilung Selbstironie, dieses Mal mit einem zwischengeschalteten Werbeblock für die heimische Wirtschaft ("Grüß mir mein Goritz"). Die Inhalte der Lieder sind ja eigentlich bekannt. Was sie trotzdem spannend macht, sind die oft überraschenden Reime.
Für seine politische Tour d'horizon war Nico Sauer dieses Mal als Karl-Theodor von und zu Guttenberg gekommen, um dessen Comeback anzukündigen. Und man wusste nicht so genau, ob der Beifall des Saales dem Büttenredner oder dem gegelten Original galt. Dass er lauter Zitate brachte, ohne ihre Herkunft zu benennen - etwa Ludwig Thomas "Er war Jurist und auch sonst von mäßigem Verstand", überraschte nicht.
Natürlich bekam auch - zurzeit ein beliebtes Thema - die Saale-Zeitung ihr Fett weg (warum eigentlich nicht schon vor einem Jahr?). Der "Dorfbote" Thomas Rüth jr. beklagte die Ankunft des "Käsblatts" im 21. Jahrhundert. Außer einem grinsenden Oberbürgermeister sei nichts mehr zu finden in der Zeitung, nicht über die Kissinger und noch weniger über die Garitzer. Aber wie soll das gehen, wenn er selber schlüssig nachweist, dass in Kissingen nichts Berichtenswertes mehr passiert?

Warum nicht noch ein Käsblatt?


Doch der Dorfbote wusste Rat: "Wir gründen eine eigene Zeitung!" Der erste Erscheinungstag des "Göritzer See-Boten" wird ein Festtag sein. Dann können die Garitzer endlich alles das schwarz auf weiß lesen, was sie eh schon wissen, und die Kissinger erfahren staunenden Auges, was sie droben am Berg bei den Reichen, Schönen und Klugen jeden Tag versäumen. Wo Platz für ein Käsblatt ist - das hat sich in Bad Kissingen gezeigt - ist auch Platz für ein zweites.
Iris Scheit hatte Barbara Stammsehr genau studiert, und sie hielt eine Rede voller salbungsvoller Floskeln, wie sie die Parlamentsmutter bei einem Besuch des BTC hätte halten können. Aber sie war hinterfotzig genug, diese pathetischen Floskeln in die Garitzer Ursprache herunterzubrechen, und da hörte sich vieles nicht so tischfein an.
"Ist der Kissinger ein Franke?" fragte "Nachtwächter" Benedikt Rüth. Genetisch sicher nicht, denn da hat er seine Wurzeln aus dem Morgenland. Abgesehen davon, dass die Saale die Grenze ist zwischen den Ost- und den Westfranken: "Wir im Westen sind die Besten!" Nannte man das nicht mal "Besserwessi"? Immerhin ähneln sich aber manche Fehler: "Das Göritzer Seehotel hat der Hubert verkefft."

Aufgescheuchte Hühner


Das Filetstück des BTC war einmal mehr die Aktionsgruppe. Was da jedes Mal an Phantasie und Kreativität drinsteckt und mitunter auch Poesie, ist hinreißend: beim ersten Auftritt der Garitzer Jahrmarkt mit seinem lebenden "Hau den Lukas", dem Bauchladenmädchen mit "Leberkäs to go", dem Sachsen, der mit einem Mundspray den Garitzer Dialekt erreichen will, der Miss Bad Kissingen, die zwischen Oberbürgermeister und Kurdirektor nicht mehr lächeln, das ist wirklich geistreich amüsant. Aber absolut hinreißend waren im zweiten Teil die aufgescheuchten Hühner in der Blackbox, nur als hektische, sich verrenkende Striche zu sehen- eine künstlerische und akrobatische Höchstleistung.
Und zumn Abschluss noch einmal Michl Müller, das Garitzer Urgestein. Bei ihm musste man auch nach Mitternacht noch hellwach sein, um nichts von seinen kabarettistischen Hoch- und Weitsprüngen zu verpassen. Er wechselte ständig zwischen Garitz mit seiner Faschingskontinuität - "die Leute sitzen immer auf denselben Plätzen, als wären sie angeschraubt" - und seiner Intimfreundin Angela Merkel. Ein hochtouriger Spaß zum Schluss.
Punkt 0.30 Uhr, wie geplant, war der Beweis in trockenen Tüchern: Der Garitzer hat Humor - wenn er ihn selbst macht.