"Fernweh, Träume, Tatendrang": ziemlich melancholisch mutete der Dreiklang an, der noch Mitte Januar durch das Bad Kissinger JuKuZ wehte. Seitdem wurde das Domizil der hiesigen Jugend nicht nur ordentlich durchgewischt, sondern ganz wie es sich für einen richtigen Frühjahrsputz gehört, auch mit "neuem Leben" versorgt. "Sie sind laut, sie sind viele und sie sind das Beste, was Hessen derzeit in Sachen Reggae zu bieten hat: die legendären Mighty Vibez stürmen am 21. April die Bühne des Bad Kissinger JuKuZ", kündigen die Verantwortlichen bereits seit Wochen ihr Gipfeltreffen der Szene-Größen im Internet an. Zu dick aufgetragen? Bei weitem nicht.

Denn ganze neun Musiker werden sich beim fünften Konzert dieser Reihe gleichzeitig um die Gunst des Publikums bemühen. Und wie gut ihnen das gelingt, das wissen eingefleischte Szenegänger nur zu Genüge: Immerhin sorgten die "Mighty Vibez" im nicht weit entfernten Hammelburg schon das ein oder andere Mal für dicke Schweißperlen auf den Gesichtern ihrer Zuschauer. Reggae, Dancehall, Hip Hop und Ska, dazu ein bisschen Funk, Rock, Latin und sogar Klezmer: Fertig ist die Mischung, die nicht nur bei der Musikinitiative Hammelburg e.V., sondern nun auch in Bad Kissingen für fliegende Füße sorgen soll. Unterstützt wird das "mittlere Orchester" dabei von der Newcomer-Band "Dandelion" aus Bad Neustadt. Sängerin Iris und ihre fünf Männer wollen den gelungenen Start in den Abend liefern. Die Truppe gibt sich schon im Vorfeld ziemlich selbstbewusst: Bereits mit ihrem Slogan versprechen sie eine "Auszeit für alle!"


Exil-Bayreuther zu Gast in der Heimat



Dass sich diesem Motto auch der "special guest" des Konzertes anschließt, das ist für Kenner des sympathischen Wahl-Frankens - er wuchs zeitweise in Bayreuth auf - geradezu selbstverständlich. Im Potsdamer "Exil" hat der einstige Echo-und "German Reggae Award"-Preisträger ordentlich gewerkelt und sich nun auf ungewöhnliche Solo-Pfade gewagt. Mellow Mark alias Mark Schlumberger ist diesmal mit Gitarre, Schlagzeug und allerhand Neuigkeiten bepackt, um seinem Publikum als "One-Man-Show" ordentlich einzuheizen.

Und das wird von ihm schließlich auch erwartet: Keiner seiner Auftritte gleicht dem anderen. Ende April, das prognostizieren die Verantwortlichen voller Vorfreude, sei das allerdings umso mehr Programm. Seit seinem letzten Ausflug in der Region sei nämlich Mellow Marks neue EP "Bye Bye Babylon" entstanden und der erste Titel auf seiner aktuellen Scheibe könnte - da sind sich alle einig - aufrüttelnder nicht sein. "Mellow Mark ist tot", ruft der 37-Jährige jetzt seinen Fans entgegen. Das sei natürlich, wie er selbst sagt, eine echte "Provokation". Denn Mellow Mark, der sei alles andere als tot: "Es geht hier vielmehr gegen alle Arten von Schubladendenken und Vorurteilen. Mellow Mark macht einen Schritt raus aus dem Dreadlock-Klischee. Er zeigt sich - wieder einmal - auf ultimative Weise als Suchender."... Der sich in Bad Kissingen völlig neu entdecken lässt.