Bad Kissingen
Luitpoldbad

Gewaltig belastbar

Die Standfestigkeit der historischen Treppenanlagen im Ost- und im Südflügel des Bad Kissinger Luitpoldbades wurde gemessen. Die Träger hielten 600 Kilo pro Quadratmeter aus.
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Elke Reuschel beobachtet zusammen mit den Baufachleuten die Belastungsprobe in einem der beiden Treppenhäuser des Luitpoldbades. Fotos: Thomas Mäuser
Elke Reuschel beobachtet zusammen mit den Baufachleuten die Belastungsprobe in einem der beiden Treppenhäuser des Luitpoldbades. Fotos: Thomas Mäuser
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400 Kilo, 500 Kilo. "Gleich wird es spannend", sagt Dr. Elke Reuschel. Sie schaut auf die Leinwand mit den Monitor-Daten, gleich sind 600 Kilo erreicht. Jene 600 Kilo, die die Treppenanlagen im ehemaligen Luitpoldbad pro Quadratmeter aushalten müssen. Geschafft! Die historischen Treppen und Träger sind stabil.
Elke Reuschel ist Geschäftsbereichsleiterin bei der "Gesellschaft für Materalforschung und Prüfanstalt für das Bauwesen" (MFPA) in Leipzig. Im Auftrag des Staatlichen Hochbauamtes untersucht die Professorin mit ihren Mitarbeitern die Standfestigkeit der beiden Treppenanlagen, je eine im Ost- und eine im Westflügel.


Tragwerke aus Metall

Bei einer Befunduntersuchung des Luitpoldbades anno 2013 war entdeckt worden, dass sich unter dem Putz der beiden Treppenanlagen sehr schön gestaltete Tragwerke aus Gusseisen und Stahl befanden. Sie wurden freigelegt und sind aus denkmalpflegerischer Sicht absolut erhaltenswert, ausreichende Stabilität vorausgesetzt.
Die beiden Treppenanlagen stammen nicht aus der Bauzeit des Luitpoldbades (1868-1871), sie wurden etwa 1906 im Rahmen der Aufstockung eingebaut. "Wir haben die Konstruktion so weit wie möglich nachgerechnet, doch es gab Unwägbarkeiten, die eine abschließende Bewertung nicht zuließen", sagt Statiker Martin Folchert. Um ausreichende Sicherheit zu bekommen, bleibe nur die Belastungsprobe. Und diese hat nach einer Ausschreibung die Leipziger MFPA für sich entschieden, so Erwin Full vom Staatlichen Bauamt.


Seile und Sensoren

Belastungsprobe bedeutet in diesem Fall nicht, dass auf der Balustrade schwere Gewichte oder Zementsäcke aufgehäuft werden. Geprüft wird auf Zug. "Per Hydraulik ziehen wir an den dreieckigen Tragarmen", erklärt Elke Reuschel. An diesen Tragarmen sind die Zugseile befestigt. Als "Gegenkraft" dienen für die Zeit des Tests im Fundament verankerte Metallträger. Auch die empfindlichen Sensoren haben Mitarbeiter der MFPA an den Trägern der Balustrade befestigt. Diese Sensoren melden dem Rechner, wie groß die Verformungen unter der gewaltigen Last sind. Sie werden im Millimeterbereich liegen.
Als die historische Treppenanlage gebaut wurde, war eine Tragfähigkeit von 400 Kilo pro Quadratmeter gefordert. Heute müssen es 500 sein, im Luitpoldbad wird gemessen, ob die Träger auch 600 Kilo aushalten.
Ein Mitarbeiter von Elke Reuschel pumpt das Öl in die Hydraulikstempel, die Zugseile straffen sich, nichts knackt, nichts ächzt, bis die geforderte Belastung erreicht ist. Ansonsten würden die Prüfer sofort abbrechen. "Wir überprüfen niemals bis zum Versagen der Konstruktion", stellt Elke Reuschel klar.


Ein Novum

Es gibt nicht viele Firmen, die solche Belastungstests anbieten. Selbst für die Mitarbeiter des Staatlichen Bauamtes sind die Messungen ein Novum. "Ich habe bald mein 40. Dienstjubiläum, aber so etwas habe ich nicht nicht gesehen", sagt Bauamts-Mitarbeiter Otto Gass.
Erleichterung bei den Mitarbeitern des Staatlichen Bauamtes, als feststeht, dass die historischen Bauteile erhalten bleiben können, ohne dass umfangreiche Sicherungsmaßnahmen nötig wären. Allerdings fehlen die Geländer. Die sind irgendwann verschwunden. Es gibt aber Kataloge aus jener Zeit. "Nach diesen Vorlagen werden die Geländer nachgebaut, so, wie sie einmal waren", versichert Erwin Full.
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