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Bad Kissingen
Winterzauber

Genuss am Sonntagvormittag in Bad Kissingen

Nachdem sich die erste Anspannung gelegt hatte, fanden die jungen Musiker des "Trio Condimento" zusammen und gingen so richtig aus sich heraus.
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Aus der Kammermusikklasse der Musikhochschule Würzburg zu Gast beim Kissinger Winterzauber 2016/17: Das Trio Condimento mit Anna Wiedemann (Geige), Jonas Gleim (Klavier) und Jaromir Kostka (Cello) bei der ersten "Matinee classique" im Rossini-Saal. Foto: Gerhild Ahnert
Aus der Kammermusikklasse der Musikhochschule Würzburg zu Gast beim Kissinger Winterzauber 2016/17: Das Trio Condimento mit Anna Wiedemann (Geige), Jonas Gleim (Klavier) und Jaromir Kostka (Cello) bei der ersten "Matinee classique" im Rossini-Saal. Foto: Gerhild Ahnert
Seit kurzer Zeit wird an der Musikhochschule Würzburg Kammermusik als Bachelor- und Masterstudiengang gelehrt. Jetzt konnten Musikfreunde im Winterzauber ein dort 2014 gegründetes Ensemble aus der Klasse von Wolfgang Nüßlein in einer Sonntagsmatinee erleben.

Mit einem verschmitzten Hinweis auf ihre Studienstadt nennen sich die drei Nachwuchsmusiker Anna Wiedemann (Violine), die in Kempten Abitur gemacht hat, der in Erlangen aufgewachsene Jaromir Kostka (Violoncello) und Pianist Jonas Gleim aus Ludwigshafen "Trio Condimento" ( deutsch: Trio Würze). Alle drei haben schon in jungen Jahren einiges an Preisen und Ehrungen, etwa bei "Jugend musiziert", eingeheimst und in Jugendorchestern musiziert. 2015 erspielten sie sich als Klaviertrio ein Stipendium bei der Stiftung "Yehudi Menuhin - Live Music Now".


Publikumsinteresse

Das Publikum war zahlreich erschienen, zumal drei auch zur Morgenstunde absolut bekömmliche Leckerbissen für Kammermusikfreunde auf dem Programm standen. Und die drei Jungmusiker beherzigten, was der Klassischen Musik heutzutage nottut: Sie durchbrachen von Anfang an die von vielen als Barriere empfundene Trennwand zwischen den Interpreten auf der Bühne und den Zuhörern im Saal. Jeder von ihnen gab eine kleine Einführung vor Beginn der passenderweise drei Kompositionen von Haydn, Beethoven und Brahms.

Am Anfang stand Joseph Haydns Klaviertrio G-Dur, Hob. XV:25. Auf den effektvollen Finalsatz spielten die drei in den ersten beiden Sätzen zu, in denen man noch den gemeinsamen Atem, durchgehende Spannungsbögen und gemeinsam erarbeitete Interpretationsansätze vermisste. Auch technisch gab es noch kleinere Wackler, Pianist Jonas Gleim kämpfte mit den schnellen Läufen, Cellist Jaromir Kostka war noch etwas zu befangen, um sein Instrument wirklich durchdringend singen zu lassen. Einzig Anna Wiedemann spielte ihren Part selbstbewusst auf der Geige.

Auch wenn ihre Konzentration vor dem 3. Satz durch einen Handyton aus der ersten Reihe gestört oder gerade weil ihre eigene Anspannung dadurch gelöst wurde, spielten die jungen Musiker dann ein fetziges Rondo, bei dem sie zusammenfanden und aus sich herausgingen, zur Freude des heftig applaudierenden Publikums.


Fiebrig schwirrend

Das tat Ludwig van Beethovens berühmtem Klaviertrio B-Dur op. 97, dem nach Beethovens Gönner benannten "Erzherzogtrio", sehr gut. Da ließ Kostka sein Cello singen, spielte seine Solostellen souverän, da fanden die drei im Trio des Scherzo-Satzes wunderbar zusammen, von kleineren Schmutzecken in der Violine mal abgesehen. Im Variationensatz "Andante cantabile" erkannte man Ansätze gemeinsamen Atmens, spielten vor allem die beiden Herren mit gutem Sichtkontakt und deshalb großem Einverständnis. Im Schlusssatz wurde dann das Zusammenspiel dreier Musiker zum wirklichen Konzertieren miteinander, lediglich ein geringerer Einsatz des Pedals hätte eine Gleichberechtigung der drei Instrumentalstimmen, ein klareres Klangbild befördert, denn da drohte so manche von Geige und Cello wunderschön herausziselierte Phrase unterzugehen im mächtigen Dröhnen des Klaviers.

Johannes Brahms" Klaviertrio H-dur op. 8 wurde zum klaren Höhepunkt des Programms. Es war sein "erstes, aber eigentlich auch letztes", weil er es als Opus 8 schon 1854 schrieb, seine Neubearbeitung 1889 aber als sein letztes kammermusikalisches Werk verfertigte, was er ohne Stilbrüche schaffte, wie Pianist Jonas Gleim bei der Einführung erzählte.

Cello und Geige sangen in rhythmischer Präsenz und schönem Ton im Allegro, leiteten das Scherzo fiebrig-schwirrend ein, im Trio schwelgten sie romantisch, bevor das Ganze fast dramatisch endete. Sehr schön gestaltet war auch der Beginn des Adagio-Satzes, allerdings verlor er im Laufe der Durchführung dann etwas an der dort aufgebauten Spannung.

Im dramatischen Finale, das Brahms in Moll wendet, fanden die drei nach einem sehr sanglichen Cellosolo zu Beginn trotz etwas pedallastiger Klavierstimme am Ende zu einem mit gleicher Intensität musizierten eindrucksvollen Schluss. Das Publikum war begeistert und entließ die vier Nachwuchs-Kammermusiker erst nach einer kleinen Zugabe.

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