Motten
Kultur

Gemeinsam musizieren macht Freude

Die Musikvereine aus Kothen, Motten und Thalau informieren an diesem Sonntag über die geplante Erwachsenen- Bläserklasse. Ab 16 Uhr können Interessierte in der Grundschule unverbindlich schauen, hören und ausprobieren.
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Schon bald könnten sie zusammen musizieren: Alexander Schrott hat sich für die geplante Erwachsenen-Bläserklasse bereits die Tuba geschnappt, Christian Schrott gibt als Schlagzeuger bei den Döllautalern bereits den Beat an - und seine Lebensgefährtin Uta Liebig kann sich vorstellen, genug Übungsmotivation beim Erlernen der Klarinette aufzubringen. Foto: Stephanie Elm
Schon bald könnten sie zusammen musizieren: Alexander Schrott hat sich für die geplante Erwachsenen-Bläserklasse bereits die Tuba geschnappt, Christian Schrott gibt als Schlagzeuger bei den Döllautalern bereits den Beat an - und seine Lebensgefährtin Uta Liebig kann sich vorstellen, genug Übungsmotivation beim Erlernen der Klarinette aufzubringen. Foto: Stephanie Elm
Irgendwie war sie plötzlich da - die Idee, ein Instrument lernen zu wollen. Sie kam allerdings nicht aus dem Nichts, sondern war nach dem Weihnachtskonzert der Döllautaler geboren. Uta Liebig ist seit sechs Jahren "gut eingemottet" und möchte die Gemeinschaft nicht nur genießen, sondern sich auch einbringen. "Im Verein hat man eine andere Identifikation. Man gehört dazu", erklärt sie.


Absolut überzeugt ist Uta Liebig von der Geselligkeit, die ein Verein pflegt. "Das ist so eine tolle Truppe, wie eine zweite Familie", schwärmt die gebürtige Kulmbacherin von Mottens Musikverein. Durch ihren Lebensgefährten Christian Schrott hat sie Kontakt zu den "Döllies" und ist vom Spaßfaktor begeistert.

Ihre musikalischen Anfänge waren eher mager. Nach Blockflötenunterricht in der Grundschule wollte sie als Jugendliche Gitarre à la Bob Dylan lernen. Ein Jahr war sie bei Fernando Carulli und einer Lehrerin, die selbst noch Schülerin war, dann war mit Musik erst mal Schluss. Aber "wir sind ein gesangfreudiges Völkchen", sagt Uta Liebig. Sie sang drei Jahre in einem Kirchenchor und erfuhr dort schon die musikalische und gesellige Gemeinschaft.

Eine Erwachsenen-Bläserklasse ist für die Realschul-Lehrerin die richtige "extrinsische Motivation", das durchziehen zu können: "Ich zweifle noch etwas, ob ich die Übungsmotivation aufbringen kann. Ich brauch' jemanden, der mich mitzieht." Zumal: "Geduld ist nicht mein zweiter Vorname" und: Hat man nach dem Arbeitstag noch Zeit und Lust?

In der Bibra-Schule in Fulda bemerkt sie allerdings, wie wichtig Musik ist. Die Kinder, die die Musik-Klasse besuchen, haben auch in den übrigen Fächern einen besseren Notendurchschnitt als die anderen Schüler und arbeiten insgesamt disziplinierter.

30 Jahre Abstinenz

Was ihren musikalischen Neustart anbelangt, kann sich Uta Liebig vorstellen, dass sie "zu Klarinette am schnellsten Zugang finden kann", die ja wie die Blockflöte ein Holzinstrument ist. In Christian Schrott, dem Schlagzeuger der Döllautaler, findet sie ihren persönlichen Coach, der sie an das regelmäßige Üben erinnern wird.

Der 46-Jährige ist Wiedereinsteiger. Nach 30 Jahren Abstinenz spielt er seit Dezember wieder im Verein. "Von Probe zu Probe wurde es besser, das Feedback auch", erinnert sich Christian Schrott. Irrig ist die Annahme, ein Verein brauche nur einen Schlagzeuger. Zwischen High Head und Snare-drum kann man sich so manches aufteilen, auch die Auftrittstermine.

Genauso sieht es Alexander Schild. Der 34-jährige Thalauer weiß schon ganz genau, dass er Tuba erlernen möchte. Aber auch davon brauche ein Verein gerne noch einen zweiten Spieler. "Ich bin ein Bass-Mensch, eher rhythmus-orientiert." Durch seine Freundin Michaela Röthig, die bei den Döllautalern stellvertretende Vorsitzende ist, hat er von der geplanten Erwachsenen-Bläserklasse erfahren. "Wir wollen was gemeinsam machen, also bietet es sich an, dass ich in Motten Musik mache."

Bereits im Herbst war er Gast bei einer Probe, hat sich vom Verein eine gebrauchte Tuba ausgeliehen und hat schon ein paar Mal Einzelunterricht genommen. Der Hubschrauber-Pilot arbeitet bei der hessischen Polizei, macht sich morgens um fünf auf in Richtung Egelsbach und kommt um 18 Uhr wieder nach Hause. Wie sieht es denn an seinem Feierabend mit der Motivation aus, noch zur Musikprobe zu gehen? Kein Problem für den jungen Mann. Der Mittwochabend ist reserviert für seine Ortsvorsteher-Tätigkeit, dienstags wird Italienisch gelernt, ... Montagabend wäre noch frei.

Kothen, Motten und Thalau tun sich bei der Bildung der Erwachsenen-Bläserklasse zusammen. Das kommt nicht von ungefähr. Zwischen den drei Ortschaften bestehen schon seit langer Zeit Freundschaften, es gibt viele Berührungspunkte, auch Fußball spielt man zusammen.

Der Hintergrund für die Bläserklasse für die Erwachsenen sei mit Sicherheit im demographischen Wandel zu sehen, sagt Uta Liebig. Durch die drei Kinder-Bläserklassen seien die Döllautaler "schon eine junge Truppe". Doch nach der Schule oder Lehre zieht es die jungen Leute weg. "Wir Fünfzigjährigen aus den geburtenstarken Jahrgängen bleiben einem Verein erhalten", bemerkt Liebig.

Die Idee, eine Bläserklasse für die "Sesshaften" zu bilden, wurde auch von außen bekräftigt. Einige hatten den - vielleicht lange gehegten - Wunsch geäußert, noch ein Instrument zu erlernen. Manuela Möller, die bereits die Bläserklasse für Kinder leitet und auch die Erwachsenen-Bläserklasse leiten wird, hat bereits zu einer Bläserklasse mit Erwachsenen in Obereschenbach Kontakt aufgenommen und festgestellt, dass es "sehr gut" laufe. 38 Eltern oder Großeltern, die eine Trompete auf dem Dachboden abgestaubt haben oder das Flügelhorn der Tochter übernehmen, lernen und musizieren seit gut einem Jahr zusammen.

Ganz individuell möchte Manuela Möller regeln, wann geprobt wird. Denn es gilt, verschiedene Arbeitszeiten unter einen Hut zu bekommen. Die Kothenerin betont: "Unmusikalisch gibt es nicht." Am Informationsnachmittag an diesem Sonntag, 14. April, werden sowohl verschiedene Instrumente da sein, als auch Spieler, die die Instrumente erklären. Auch Christian Schrott appeliert: "Nur keine Hemmungen. Ob man Geselligkeit sucht oder Musik machen will - oder beides - , bei der Bläserklasse ist man gut aufgehoben."

Ansprechpartner

Matthias Kraus (0661-9284420), Markus Witzel (Tel.: 0431/ 7400 2406), Dieter Schlag (Tel.: 0171/ 3616 903) und Alexander Wirsing (Tel.: 09748/ 930 718) sind die Ansprechpartner für alle, die Interesse an der Erwachsenen-Bläserklasse haben.
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