Bad Kissingen
Winterzauber

Geblödel - aber auf höchster Ebene

Die vier Herren von "quattrocelli" reizten ihr Publikum: zum Lachen.
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Quattrocelli: Das sind (v. l.) Lukas Dreyer, Tim Ströble, Matthias Trück und Hartwig Christ. Foto: Ahnert
Quattrocelli: Das sind (v. l.) Lukas Dreyer, Tim Ströble, Matthias Trück und Hartwig Christ. Foto: Ahnert
Es muss am Namen liegen, dass die Sogwirkung hinein in das Kurtheater so groß war: "quattrocelli", kein Streichquartett im klassischen Sinn, sondern vier schwarze Herren, die alle Violoncello spielen. Da kann einem schon der Gedanke kommen, dass sie nicht nur Musik machen, um sich zu präsentieren. Und da kann man vermuten, dass das ein vergnüglicher Abend werden könnte.

In der Tat: richtig vermutet. Obwohl der Abend eigentlöich konventionell-gepflegt, wie Streichquartett beginnt: mit dem Pachelbel-Kanon - der einzigen Originalkomposition des Abends, denn das ist ein Werk, das, in der Instrumentierung frei, nur für vier Stimmen geschrieben ist. Da konnten Lukas Dreyer, Tim Ströble, Matthias Trück und Hartwig Christ zeigen, wo sie herkommen: aus der sonoren, gepflegten Barockklassikromantikwelt.
Aber da wollten sie nicht bleiben. Und sie sprangen sofort in ein vollkommen anderes Genre: in die Filmmusik, die man auch mit vier nahezu gleich klingenden Instrumenten absolut spannend und interessant machen kann: mit einer geradezu beiläufigen Virtuosität, einer messerscharfen Präzision mit sehr viel Phantasie für Klänge und ihre Gestaltung. Und eine Riesenportion trockenen Humors, ein ironisches Aufeinander-zu-Spielen, das eine ganze Menge außermusikalische Würze bringt.

Der Fundus, aus dem die vier schöpfen, ist nahezu unbegrenzt: von "Spiel mir das Lied vom Tod" bis "Star Wars", von James Bond bis zum Pink Panther, von "Mission Impossible" bis "Take Five", von "Bonanza" bis zu Charlie Chaplins "Tramp". Immer sind es unerwartete Rhythmisierungen und Klangfarben, die das Publik von einer Überraschung in die nächste, von einer Verzückung in die andere stürzt.

Und dann sind es gelegentlich auch kleine pantomimische Spielszenen, die das Geschehen würzen, vor allem im zweiten, dem Wildwest-Teil: ein Lagerfeuer mit Cellobögen, ein Cello das am Drehspieß über dem Feuer gebraten wird, ein Cellokasten, der von der Mafia feierlich zu Grabe getragen wird. Oft waren es aber auch nur kleine Gesten, die zum Lachen reizten, aber auch die Neugier beförderten.

Trotzdem: Die vier Herren hätten durchaus auch einmal mit dem Publikum reden dürfen: zum Beispiel darüber, was sie eigentlich gerade spielen.
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