Florian ist im Moment ihr Liebling. Er riecht nach Wacholder, Flieder, Rose, Lavendel... Er hat´s in sich: 16 Kräuter stecken in ihm. "Florian" ist eine von vier Kreationen, mit denen eine junge Edelbrandsommeliere aus Wartmannsroth durchstarten will. Franziska Bischof gießt einen Schluck des "London Dry Gin" in das Schnapsglas mit dem langen Stiel. Sie schwenkt, taucht mit der Nase ab, lächelt. "Beim Gin habe ich die Freiheit der Aromen", sagt die 29-Jährige. Sie ist in ihre Heimat zurückgekehrt, um die Brennkunst ihrer Familie fortzuführen. In der vierten Generation. Sie hat Ideen, Idealismus, Ziele und wurde im vergangenen Jahr gleich doppelt schwanger.


Die Mischung macht's

Streuobstwiesen pflegen, Wildfrüchte ernten, die Alchimie beim Brennen, der Kontakt zur Kundschaft, das Vermarkten - die Mischung macht´s, meint sie. Vor ein paar Jahren der Entschluss: Zurück zu den Wurzeln und ab sofort die Tradition der Familie hochhalten. Acht Jahre verbrachte sie davor in Italien.

Mit 18 Jahren reiste sie in das Land, um als Au-pair zu arbeiten. Sie studierte, hatte eine gute Arbeitsstelle, lernte ihren Lebensgefährten kennen und war doch nicht ganz glücklich in ihrer neuen Heimat. Vor drei Jahren packte sie ihre Koffer - wieder nach Wartmannsroth zur Familie. Im Gepäck: Ein Spürsinn für feine Aromen. "Die Italiener kochen reiner, nur mit den Rohstoffen, ohne Zusätze", sagt sie. Kochen nach Rezept? Nichts für Franziska Bischof. Genau deshalb ist sie in ihren Florian vernarrt. Bei Obstbränden kann man das Beste rausholen, was der Rohstoff hergibt, erzählt sie. Den Gin kann sie formen. Auch wenn der Papa manchmal staunt.


Freche Fläschchen

"Das kannst du doch so nicht machen", schiebt er ab und zu hinterher, erzählt Franziska Bischof. Dann folgen Ratschläge, konstruktive Kritik und ein "Mach´ wie du denkst". "Ich glaube, er hat das Grundvertrauen, dass es gut wird und findet es gut, dass in der schnelllebigen Zeit seine Tochter vorprescht."

Neues Design, neue Flaschen - die 29-Jährige mischt das Sortiment der Eltern auf. Die Etiketten verspielt, weiblich und klar: "Das, was auch mich ausmacht." Für sie ist das Brennen "eine Art der Selbstverwirklichung" und gute Rückmeldungen "das Schönste, das es gibt".

Als Kind weiß man nicht, wofür man es macht, als Pubertierende schon gar nicht", sagt sie. Heute dafür umso genauer: "Das ist eine Arbeit, die ich für mich mache." Für die Familie ist die Brennerei ein Nebenerwerb. "Und trotzdem: zu bestimmten Zeiten sehr zeitintensiv." "Man muss jede Birne zwei, drei Mal in die Hand nehmen bis sie eingemaischt werden." Für sie eine spannende Arbeit: "Ich habe nur einmal im Jahr die Chance, frisches Obst zu verarbeiten." Ihr wichtigstes Werkzeug - ihre Nase. Während ihrer Ausbildung zur Edelbrandsommeliere hat sie eine große Geschmacksvielfalt erfahren. Auf dem Weg von Frucht zu Schnaps gibt es für sie zwei magische Momente. Dann, wenn sie nach dem Vorlauf und vor dem Nachlauf die feinen Aromen einfängt. Bei ihrem "Musterknabe" hat das so gut funktioniert, dass der Williams Christ Brand demnächst vom Fränkischen Obst- und Kleinbrennerverband mit einer Goldmedaille prämiert wird.


Ausbildung beginnt

Ihr Ziel ist es, einmal von dem Geschäft mit den Bränden zu leben. Sie möchte das kleine Handwerk erhalten und in die Szene hineinwachsen. Die Schnapsproben auf dem Hof will sie ausbauen, das Sortiment erweitern und vermehrt die Gastronomie und den Einzelhandel ansprechen. "Es gibt Gott sei Dank einen Markt für kleine, handwerkliche Betriebe."

Im nächsten Jahr startet sie ihre Ausbildung zum staatlich geprüften Brenner. Schwanger bleibt sie vorerst - mit ihren Projekten. Zwei davon schlummern schon im Keller, eines in ihrem Kopf. "Geheimnis", sagt sie und lacht, während sie ihr Töchterchen Marlene auf dem Arm hat. Im Dezember wird sie ein Jahr alt.