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Bad Kissingen
Hotel-Projekt

Fragwürdiger Baubeginn am Bad Kissinger Fürstenhof

Am prominentesten Leerstand der Stadt tut sich nichts. Die Stadt erkennt erste Abrissarbeiten zwar als Baubeginn an, eine Baufreigabe steht aber noch aus.
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Das Haupthaus des Fürstenhofes ist zwar immer noch schön anzusehen, aber seit mittlerweile zwölf Jahren nicht mehr mit Leben erfüllt. Wann die Bauarbeiten für das 80 Millionen Euro teure Fünf-Sterne-Hotel beginnen, steht auch fünf Jahre nach der Baugenehmigung in den Sternen. Foto: Ralf Ruppert
Das Haupthaus des Fürstenhofes ist zwar immer noch schön anzusehen, aber seit mittlerweile zwölf Jahren nicht mehr mit Leben erfüllt. Wann die Bauarbeiten für das 80 Millionen Euro teure Fünf-Sterne-Hotel beginnen, steht auch fünf Jahre nach der Baugenehmigung in den Sternen. Foto: Ralf Ruppert
Steigenberger, Apolant oder Rixen: An vielen Plätzen in der Bad Kissinger Innenstadt wäre selbst den Stadt-Oberen wohl Baulärm lieber als idyllische Ruhe. Der markanteste Leerstand bleibt jedoch der Fürstenhof. Wenn man es nicht schaffe, das geplante Luxushotel zu realisieren, "ist Bad Kissingen wirtschaftlich tot", sagte Oberbürgermeister Kay Blankenburg 2011 beim Neujahrsempfang des Hotel- und Gaststättenverbandes. Seitdem ist viel passiert: Baugenehmigung und Bebauungsplan stehen, trotzdem bleibt es am Fürstenhof hartnäckig still.
Im Oktober 2014 lief die erste Frist für den Baubeginn ab. Der Stadtrat verlängerte um ein Jahr. Im November 2015 rollten Bagger an, rissen einige Blech-Garagen und die Hausmeisterwohnung ab - und fuhren wieder davon. "Damit ist in Bezug auf die Gesamtmaßnahme Baubeginn erfolgt", sagt Rathaus-Sprecher Thomas Hack.


"Frist zum Baustart eingehalten"

"Die Frist zum Baustart wurde mit den begonnenen Maßnahmen eingehalten", teilt auch Anne Cheseaux auf Nachfrage mit. Cheseaux ist Verwaltungsratschefin der "Fürstenhof SA" mit Sitz in der Schweiz. Weitere Fragen zum Beginn weiterer Arbeiten bleiben jedoch unbeantwortet. Nur so viel: "Die bisherigen Maßnahmen erforderten keine Baufreigabe." Allerdings sei ein Beweissicherungsverfahren gestartet worden.
Bei den Nachbarn des Fürstenhof-Areals gab es bisher jedoch keine entsprechenden Hinweise dafür. Das ergab eine Umfrage: Es wurde weder die Bausubstanz dokumentiert, noch wurden die in der Baugenehmigung geforderten Lärmpegel-Messungen vorbereitet.
Auf der Homepage des geplanten "Grand-Hotel Fürstenhof" www.fuerstenhof-resort.com ist seit Jahren eine Broschüre zu finden, die den Beginn der Bauarbeiten für Herbst 2012 und die Eröffnung für 2014/2015 ankündigt. Auf 80 Millionen Euro sind die Kosten für das Fünf-Sterne-Hotel veranschlagt.
In der Baugenehmigung vom 2. September 2011, die nach einer abgewiesenen Klage im März 2013 rechtskräftig wurde, stehen gleich mehrere Fristen: Zum einen der Baubeginn innerhalb von eineinhalb Jahren, zum anderen die Fertigstellung innerhalb von sechs Jahren nach Veröffentlichung des Bebauungsplanes. Das wäre laut Stadt Mitte 2018. "Die von Ihnen angenommenen Fristen sind nicht ganz korrekt, sie laufen bis 2020", meint dagegen Anne Cheseaux.
Unabhängig von der genauen Frist müssten mehrere Voraussetzungen erfüllt sein: "Für weitere Baufortschritte in Bezug auf den Neubau sind weitere Freigaben, Genehmigungen und Unterlagen erforderlich", teilt Rathaus-Sprecher Hack mit, ohne auf Details des Vertrags zwischen Stadt und Investor einzugehen. "Es obliegt dem Bauherrn, diese Verfahrensschritte rechtzeitig einzuleiten. Bei der Stadt liegen derzeit keine diesbezüglichen laufenden Vorgänge vor", berichtet Hack weiter.


Kein Baubeginn angezeigt

Ähnlich sieht es beim Landratsamt aus: "Laut unseren Unterlagen ist der Baubeginn anzuzeigen. Das ist bislang nicht erfolgt, so dass wir davon ausgehen, dass mit der Maßnahme noch nicht begonnen wurde", heißt es aus dem Landratsamt, das für Wasserrecht und Immissionsschutz zuständig ist. Die wasserrechtliche Erlaubnis aus dem Jahr 2011 sei aber zeitlich nicht befristet.
"Feste Vorlaufzeiten gibt es nicht", ergänzt Leonhard Rosentritt, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes. Allerdings müssten wegen der Bauarbeiten die Heilquellen auf Kosten des Bauherren öfter kontrolliert werden. Zudem müsse bei der geplanten Abgrabung von mehreren zehntausend Kubikmetern Erde natürlich auch vorher geklärt werden, wo der Aushub abgelagert wird.
Als Betreiber des Fürstenhofes ist die Accor-Marke MGallery geplant, das sieht eine Absichtserklärung mit Accorvor. Dieses Interesse besteht nach wie vor, bestätigte eine laut einer Accor-Sprecherin gestern.

Geschichte In dem Gebäude wurde 1856 ein Hotel eröffnet. 1880 kaufte die Hotelierswitwe Anna Gordon das "Hotel de Bavière" in der Bismarckstraße 6 und ließ es zum Privatsanatorium ausbauen. 1884 entstand dahinter ebenfalls im Stil der Neorenaissance die Villa Gordon. Eine Verwandte Gordons heiratete 1906 den Arzt Dr. Paul Sotier, der den Fürstenhof als Privatsanatorium und Hotel der gehobenen Kategorie führte. Tochter Elisabeth Sotier verkaufte 1984 das Anwesen an die Arbeiterwohlfahrt, die dort bis 2004 ein Diabetes-Reha-Zentrum betrieb.

Planung Eine russische Investorengruppe gründete im März 2008 im schweizerischen Pully die Fürstenhof SA für den Bau eines Fünf-Sterne-Hotels mit insgesamt mehr als 220 Betten. Für rund 4,5 Millionen Euro, davon 800 000 Euro als Provision, kaufte sie das Areal. Der denkmalgeschützte Fürstenhof, die Villa Gordon und das "Cafè Schweizerhaus" sollen saniert werden. Entlang des Ochsenweges ist ein gläserner Hotelneubau mit 158 Betten in 79 Zimmern vorgesehen. Geplant sind zudem 35 Appartements in drei Gebäuden, ein Medical Spa, Restaurants, zwei Tiefgaragen und Läden.

Währung Seit Gründung der Fürstenhof SA hat der Rubel-Kurs extrem an Wert verloren: 2008 benötigte man rund 37 Rubel, aktuell 72 Rubel für einen Euro.

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