Bad Kissingen
Kleingärtner

Fränkische Kleingärtner wollen sich mehr Gehör in der Politik verschaffen

Zum zweiten Mal trafen sich in Bad Kissingen die Vorstände von 160 Kleingartenvereinen der drei fränkischen Regierungsbezirke zu einer gemeinsamen Tagung.
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Kleingärtner aus ganz Franken tagten unter Leitung ihrer Vorsitzenden (von links) Jochen Obermeier (Mittelfranken), Norbert Wolf (Bayern), Siegfried Gröger (Oberfranken) und Ortsvorsitzender Helmut Voll (Vertreter für Roland Bauer, Unterfranken).  Foto: Sigismund v. Dobschütz
Kleingärtner aus ganz Franken tagten unter Leitung ihrer Vorsitzenden (von links) Jochen Obermeier (Mittelfranken), Norbert Wolf (Bayern), Siegfried Gröger (Oberfranken) und Ortsvorsitzender Helmut Voll (Vertreter für Roland Bauer, Unterfranken). Foto: Sigismund v. Dobschütz
Vor drei Jahren war es Helmut Voll, dem Vorsitzenden des 1954 gegründeten und 215 Mitglieder starken Kleingartenvereins in der Kurstadt, das erste Mal gelungen, die Gartenfunktionäre im Parkwohnstift zu versammeln.
Beim Treffen ging es nicht etwa um neueste Erkenntnisse im Obst- und Gemüseanbau, sondern um juristische und formale Belange aus dem Verbandsalltag. "Bei uns ist alles durch das Bundeskleingartengesetz geregelt, ganz gleich ob Grundstücksgröße oder Wahrung des öffentlichen Zugangs", erklärt Voll auf Nachfrage. So darf eine Parzelle nach dem Gesetz nicht größer als 400 Quadratmeter sein.

Schon bei den zwei Anlagen in Bad Kissingen gibt es Unterschiede: Während die 20 000 Quadratmeter große Anlage "Rhönblick" am Haarder Weg mit ihren 60 Parzellen (Durchschnittsgröße etwa 300 Quadratmeter) städtischer Grund sind, liegt die nur etwa 4000 Quadratmeter kleine Anlage "Steingraben" mit ihren 20 Parzellen (Durchschnitt 200 Quadratmeter) auf einem Privatgrundstück der Wahler-Erben.


Geselligkeit hat nachgelassen

Die Vorschriften sind geblieben, auch wenn sich Sinn und Zweck vieler Kleingartenvereine im Lauf der Jahrzehnte längst verändert hat. Zwar laden Kleingartenanlagen wie die zwei in Bad Kissingen noch immer an sommerlichen Abenden zum geselligen Beisammensein ein und erfüllen damit, wie zweiter Bürgermeister Anton Schick es in seinem Grußwort formulierte, "in der Fortsetzung einer langen Tradition eine soziale wie ökologische Funktion und sind ein wertvoller Ausgleich gerade in Ballungszentren". Doch sinkt auch hier inzwischen das Interesse an gemeinschaftlichen Dingen. Grund ist die veränderte Mitgliederstruktur.


Gelungene Integration

"Wenn beide Partner berufstätig sind, bleibt keine Zeit mehr für den Garten", nennt Voll ein Beispiel. So sank die Mitgliederzahl der Einheimischen, dabei seien doch, so der Vorsitzende, gerade Kleingartenanlagen ideal für junge Familien mit kleinen Kindern.

Die sinkende Zahl Einheimischer wurde allerdings seit 1990 wieder ausgeglichen durch Zuwanderer aus Osteuropa. "Fast die Hälfte unserer Mitglieder sind heute Übersiedler." Gemeinsam lebt und arbeitet man Zaun an Zaun. Die Freude am Gärtnern verbindet, die Integration scheint gelungen. Doch gemeinsames Feiern ist nicht mehr so gefragt.

Wichtige Gesprächspunkte der Bezirkstagung waren heuer der im Vier-Jahres-Zyklus stattfindende Landeswettbewerb "Gärten im Städtebau", bei dem vor zwölf Jahren die Kissinger Anlage "Rhönblick" Silber gewann, sowie die Aktivitäten zur Bundestagswahl 2017 und Landtagswahl 2018. Der Landesverband Bayerischer Kleingärtner, so versprach dessen Vorsitzender Norbert Wolf in Bad Kissingen, wolle sich mehr Aufmerksamkeit in der Politik verschaffen und wahlkämpfende Mandatsträger fragen: "Wie steht ihr zu uns Kleingärtnern?"

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