Bad Kissingen

Festlich in den Advent

Die Sängervereinigung beendete ihr Jubläumsjahr mit Vivaldis "Gloria".
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Chor- und Orchesterleiter Hermann Freibott mit dem Chor der Kissinger Sängervereinigung und dem Kammerorchester der sinfonia franconia beim Adventskonzert im Kurtheater.  Foto: Ahnert
Chor- und Orchesterleiter Hermann Freibott mit dem Chor der Kissinger Sängervereinigung und dem Kammerorchester der sinfonia franconia beim Adventskonzert im Kurtheater. Foto: Ahnert
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Zum Adventskonzert im 170. Jubiläumsjahr der Sängervereinigung Bad Kissingen begrüßte deren Vorstand Wolfgang Russ die Zuhörer mit etwas Verspätung, nachdem die Veranstaltung wegen der langen Schlange vor dem Kartenverkauf erst 10 Minuten später hatte beginnen können.
Das Adventskonzert bildete den Abschluss des im Mai mit Haydns "Schöpfung" festlich begonnenen Feierjahrs.

Russ betonte die besondere Bedeutung von Advent und Weihnachten gerade in diesem Jahr 2015, da die Zeit der Herbergssuche für das Kind Christus an das Schicksal der vielen Menschen auf der Suche nach einer neuen Heimat in unseren Tagen in Deutschland erinnert. Er mahnte: "Weisen wir diese Menschen nicht ab!"
Chroleiter Hermann Freibott weiß, dass er seinem nicht durch Gottesdienstverpflichtungen gebundenen, rein konzertanten Chor und dessen Publikum attraktive Anreize bieten muss außerhalb der Kirchenmusik. Das tut er mit einem für einen Laienchor sehr anspruchsvollen Programm weit über Weihnachtsliedersingen hinaus, durch die Verpflichtung interessanter Solisten und den Einsatz des von ihm selbst handverlesenen Kammerorchesters seiner 2005 gegründeten sinfonia franconica.
Im Kurtheater gab es ein zweigeteiltes Programm, in dessen erstem Teil er sowohl dem Chor als auch den Solisten und dem Kammerorchester Gelegenheit gab, sich individuell zu beweisen, bevor im zweiten Teil Antonio Vivaldis Gloria in D-Dur, erklang.
Im Zentrum des ersten Teils stand ein Instrumentalkonzert, Johann Sebastian Bachs aus einem Cembalokonzert (BW 1059) rekonstruiertes Oboenkonzert in d-Moll, mit dem sich der junge Oboist des Kammerorchesters, Luc Durand, manchmal ein wenig nervös und hastig, aber insgesamt überzeugend und mitreißend mit einer Streichquartettbegleitung präsentieren konnte. Solistin in der Motette "Ave Maria" von Luigi Cherubini war die Sopranistin Maximiliane Schweda, deren sehr natürliche Stimme dem Konzertieren mit dem Chor sehr entgegenkam, die aber auch aufmachen und ihre schöne Stimme sehr flexibel gestalten kann. Sie und der hier etwas verhaltene Frauenchor, über dem sich ihre Stimme mächtig entfaltete, erfuhren eine sehr dezente Begleitung durch das Orchester.
Die in Bad Kissingen bestens eingeführte Katrin Edelmann mit ihrem klar und ebenfalls sehr natürlich geführten Alt interpretierte mit dem gemischten Chor Felix Mendelssohn-Bartholdys Liedsatz "Lass', oh Herr, mich Hilfe finden" über einem ruhig pulsierenden, dennoch eindringlichen Rhythmus. Eingeleitet wurde der erste Teil durch den Chor mit "Wenn du die Nacht zur Erde senkst" nach einem Abendlied des englischen Renaissancekomponisten Thomas Tallis, bei dem man den Akteuren die Spannung noch anspürte; auch den Abschluss übernahmen der gemischte Chor und das Orchester mit "Wie lieblich sind die Boten" aus Felix Mendelssohn-Bartholdys großem Oratorium "Paulus".
Antonio Vivaldis "Gloria" in D-Dur für Sopran, Alt, gemischten Chor und Orchester ist ein komplexes Werk mit unterschiedlichen Gruppierungen von Sängern und Instrumentalisten und führte so die im ersten Teil vorgestellten Musiker zusammen. In diesem anspruchsvollen Werk schien der Chor nun wirklich angekommen zu sein und das Orchester (im ersten Teil nicht immer eins in den Geigen) überzeugte insgesamt und brillierte etwa in der Continuogruppe aus Cello, Cembalo und Oboe zum Sopransolo "Domine Deus". Den festlichen Glanz der beiden Ecksätze, "Gloria in excelsis" am Anfang und "Cum sancto Spiritu" zum Abschluss, vermittelten die barockübliche Trompete und Solooboist Luc Durand sehr eindringlich. Es machte Vergnügen, den beiden sehr gut aufeinander abgestimmten Sängerinnen im Duett und in ihren Soloarien zuzuhören.
Auch der Chor wurde im zweiten Teil immer mutiger und zeigte gerade in den sehr sauber gesungenen Fugato-Passagen von "Gratias agimus" oder den sehr deutlich und dadurch mitreißenden Dialogpartien mit der Altistin in "Qui tollis", wie gut er vorbereitet war.
Sauber gesungen und vom Orchester fulminant musiziert beschlossen Chor und Orchester das Konzert mit der mit allen Mitteln barocken Schmuckes ausgestatteten Schlussfuge "Cum Sancto Spiritu". Ein sehr feierlicher Abschluss am Ende eines Konzerts, für das es vom Publikum zu wiederholten Malen heftigen Applaus für alle Beteiligten gab.
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