Ebenhausen
Jugendaustausch

Feliz Natal bei 30 Grad im Schatten

Franziska Schubert ist für ein Jahr in Brasilien. Die 15-Jährige hat dort nun zum ersten Mal Weihnachten gefeiert.
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Franziska Schubert feierte Weihnachten weit weg von ihrer Familie in Brasilien. Hier packt sie gerade ein Paket aus, das sie von ihrer Familie aus Ebenhausen bekommen hat.  Fotos: Franziska Schubert/Selbstauslöser
Franziska Schubert feierte Weihnachten weit weg von ihrer Familie in Brasilien. Hier packt sie gerade ein Paket aus, das sie von ihrer Familie aus Ebenhausen bekommen hat. Fotos: Franziska Schubert/Selbstauslöser
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"Ich kann nicht sagen, ob es in Deutschland oder in Brasilien besser ist; kein Weihnachten ist besser oder schlechter - es ist einfach anders", sagt Franziska Schubert aus Ebenhausen, die für ein Jahr in Brasilien ist. Franzi ist seit Anfang August in Marataízes. Die 15-Jährige ist als Austauschschülerin mit dem Verein Youth For Understanding (YFU, ein Verein für Jugendaustausch) am anderen Ende der Welt (wir berichteten). Noch bis Juli 2017 wird sie dort bleiben. Danach geht sie wieder nach Münnerstadt auf das Philipp-von-Schönborn-Gymnasium. Sie berichtet uns, wie sie die Adventszeit und die Weihnachtstage weit weg von ihrer Familie und Freunden erlebt hat und wie in Brasilien Silvester gefeiert wird.


Gefeiert wird mit Familie

Während wir angesichts der grauen und nassen Schlecht-Wetter-Suppe vor unserer Tür immer noch von Schnee oder Sonne träumen und frieren, konnte Franziska bei mindestens 30 Grad im Schatten am Strand liegen und in Shorts und T-Shirt die Weihnachtspäckchen aus Deutschland auspacken. Aber einen Haken hat die Sache doch. "Es gibt leider keine Plätzchen, Lebkuchen oder Spekulatius", schreibt sie. Der Nikolaustag wird auch nicht gefeiert. Es gibt keine Weihnachtsmärkte, wie wir sie in Deutschland kennen. "Man feiert Weihnachten mit der Familie und Freunden; es gibt keine extra Weihnachtsfeiern auf der Arbeit, im Verein oder so", berichtet die 15-jährige Ebenhäuserin vom anderen Ende der Welt.
Kurz vor Weihnachten fühlte sie sich deshalb noch relativ "unweihnachtlich", "denn ich persönlich mag normalerweise die Vorweihnachtszeit und alles, was dazugehört, sehr gerne. Aber hier fehlte so viel, was für mich einfach zu Weihnachten dazugehört. Natürlich war es manchmal merkwürdig, wenn bald Weihnachten ist, und es ist heiß, die Sonne scheint, und man liegt am Strand; aber dass die Kälte fehlt, macht gar nicht so den großen Unterschied aus, finde ich, sondern eher, was sonst so fehlt: Advent, Plätzchen, Weihnachtsmarkt ....".


Ein bisschen mehr Heimweh

Und das Heimweh, so hat Franziska es empfunden, ist in der Vorweihnachtszeit ein bisschen größer geworden. Aber vor allem ihre Gastmutter zeigt viel Verständnis und ist für sie da. Und dann natürlich an erster Stelle ihre Familie in Deutschland. "Im November schon habe ich von meiner Mama ein Paket aus Deutschland erhalten, in dem unter anderem einige Dinge enthalten waren, die mir die Weihnachtszeit verschönert haben, zum Beispiel ein Rezept und Ausstechförmchen, sodass ich zusammen mit meiner jüngsten Gastschwester Plätzchen backen konnte oder auch Spekulatius und Lebkuchen, die bei meiner Gastfamilie beim Probieren gut ankamen. Außerdem habe ich von einer Freundin aus Deutschland einen ganz tollen selbst gemachten Adventskalender geschickt bekommen, durch den ich mich auch jeden Tag weihnachtlicher gefühlt habe." Und ihre Gastfamilie freute sich, wenn sie versuchte, ihnen die deutsche Weihnachtszeit näherzubringen.
An weihnachtlicher Dekoration fehlt es auch in Brasilien nicht: Weihnachtsbaum und Krippe gehören in jedem Haus dazu. Der Christbaum ist allerdings meistens unecht. Er wird wie hier mit Lichterketten und Christbaumkugeln etc. geschmückt. Dabei scheint aber das Prinzip zu gelten "je mehr desto besser", erzählt die Ebenhäuserin. Ansonsten sind die Häuser nicht besonders dekoriert.


In die Kirche an Heiligabend

Der 24. Dezember war ein Tag wie jeder andere auch, berichtet Franziska. "Abends haben wir uns alle schick gemacht und sind in die Kirche zum Weihnachtsgottesdienst. Danach bin ich mit meiner Gastfamilie zum Haus von deren Großeltern gefahren, wo wir zusammen mit vielen anderen Verwandten bis kurz vor Mitternacht gegessen, geredet und gesungen haben." In Brasilien ist Weihnachten am 25. Dezember. Man feiert zwar den "Heiligabend" am 24., aber mit dem Geschenkeverteilen und den guten Wünschen wartet man bis nach Mitternacht, erläutert die 15-Jährige. Die letzten paar Sekunden vor Mitternacht haben alle laut heruntergezählt und um Mitternacht ganz laut "Feliz Natal" (Frohe Weihnachten) gerufen. "Das hat mich ziemlich an Silvester erinnert", schreibt sie. Danach haben sich alle umarmt. Der Höhepunkt des Abends ist in Brasilien das Spiel "Mein geheimer Freund". Das ist eine wichtige Tradition und entspricht in etwa bei uns dem "Wichteln".
Am nächsten Morgen (25. Dezember) wurde Franzi von ihrer vierjährigen Gastschwester aufgeweckt; sie hat ihr ganz aufgeregt erzählt, dass "Papai Noel" (der Weihnachtsmann) ganz viele Geschenke dagelassen hat. Mittags trafen sich Franzi und ihre Gastfamilien mit Verwandten zum Weihnachtsessen, und abends ging es wieder in die Kirche. Den 2. Weihnachtsfeiertag gibt es nicht.
"Vor allem am 24. tagsüber, als mir viele Leute aus Deutschland ,Frohe Weihnachten‘ gewünscht haben, hatte ich schon ein bisschen Heimweh. Aber abends beim Feiern war es auch schon wieder vergessen; ich habe den Weihnachtsabend wirklich sehr genossen und kann sagen, dass es eine ganz tolle Erfahrung ist, Teil der Weihnachtstraditionen im Ausland zu werden", sagt sie.
Für ihre Familie in Ebenhausen gingen die Weihnachtstage wie in den Jahren davor über die Bühne, aber diesmal eben ohne ihre Franzi. Natürlich wird sie zuhause vermisst. An manchen Tagen mehr, als sonst. "Es war aber nicht so schlimm, wie ich es mir vorher gedacht hatte", sagt ihre Mutter Simone zum Heiligabend. Erst bei der Christmette in der Kirche sind dann doch ein paar Tränen geflossen. Vor allem als die Blaskapelle spielte, "da habe ich gedacht, sonst steht Franzi da mit dabei", sagt Simone Schubert. Franziska hat bald Halbzeit in Brasilien.


Silvester am Strand

Doch davor wird erstmal Silvester gefeiert. Die Brasilianer treffen sich mit der Familie und Freunden, und es wird einfach zusammen Zeit verbracht und viel gegessen, berichtet Franziska. Wenn es auf Mitternacht zugeht, gehen alle zum Strand. "Meine Gastfamilie hat mir erklärt, dass viele brasilianische Familien, die nicht am Meer wohnen, wenn möglich über Silvester ans Meer fahren, weil es einfach so Tradition sei, Silvester am Strand zu verbringen." Natürlich gibt es ab Mitternacht Feuerwerk, aber in Brasilien gibt es noch zwei ganz spezielle Bräuche: Einmal zieht man in der Silvesternacht nur weiße Kleidung an - denn Weiß steht für das Gute - damit im neuen Jahr nur Gutes passiert. Und zum anderen stellen sich die Brasilianer um Mitternacht mit den Füßen ins Wasser und springen über die nächsten sieben Wellen, das soll Gesundheit und Glück bringen, ist also eine Art "Aberglaube" - dafür gibt es keinen tieferen Grund. Franzis Gastmutter sagt: "Das machen wir halt schon immer so." "Mir geht es also wirklich sehr gut und einen Einblick zu bekommen, wie man in einer anderen Kultur auf der anderen Erdhalbkugel Weihnachten und Silvester feiert und auch selbst aktiv daran teilzunehmen, ist eine ganz tolle Erfahrung", sagt Franzi.
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