Bad Kissingen
Tanzshow

Farbenfrohe Welt der Schatten

Das Schattentanztheater "Amazing Shadows" verzaubert mit einem faszinierenden Mix aus Tanz, Akrobatik und Poesie.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die kleine Raupe nimmersatt wird zum großen Ungeheuer. Foto: Werner Vogel
Die kleine Raupe nimmersatt wird zum großen Ungeheuer. Foto: Werner Vogel
+5 Bilder
Die Silhouette einer Stadt geht unter, verschwimmt im Gegenlicht um Sekunden später als Blumenwiese zu erblühen über die ein Schmetterling schaukelt. Die Szene löst sich auf, die Schatten sind Tänzerinnen und Tänzer, die sich formieren, verbiegen, verschmelzen, kurz lebendig und schnell wieder zu Scherenschnitten auf der Leinwand werden. Passende Musik und farbige Lichteffekte unterstreichen stimmungsvolle Bilder und anrührende Szenen.
Kleine und größere Geschichten werden erzählt. Es ist ein Spiel mit Tanz und Akrobatik, mit Wandlungen und Farben, mit Licht und Schatten. Es ist ein Abend des Staunens, der Phantasie und der Poesie, den das Schattentanztheater "Amazing Shoadows" auf die Bühne des Kurtheaters bringt.
Es ist unglaublich mit welcher Körperbeherrschung und Präzision die acht Künstler von "Catapult Entertainment" aus den USA, Tiere, Menschen, Maschinen, ja ganze Welten erschaffen. Was so spielerisch leicht erscheint, ist dennoch hochprofessionelles Tanztheater. Adam Battelstein, Gründer und kreativer Kopf der Truppe war Solotänzer und Creative Direktor der Carnegie Hall in New York hat ein Ensemble aus begabten Tänzerinnen und Tänzern zusammengestellt, die zudem noch über ein gerüttelt Maß an Athletik und Akrobatik verfügen. Nach sensationellen Erfolgen in den USA begleiten glänzende Kritiken auch die zweite Deutschlandtournee des Schattentanztheaters. Auch im fast vollbesetzten Kurtheater schicken die lebenden Schatten von Catapult die Zuschauer auf eine wunderbare virtuelle Reise.


Vier Jahreszeiten

Vivaldis musikalische Hommage an den Kreislauf der Natur setzen die Tänzer um mit einer blühenden Frühlingswiese aus der sich Tulpen entfalten und Küken über die Bühne trippeln, ein ausgelassener Badespaß macht Lust auf einen heißen Sommer und die schönen Seiten des Herbst drücken die Tanzperformer mit fallenden Blättern und schäumenden Bierkrügen zur Schlachtschüssel aus. Ganz eindrucksvoll auf die Musik abgestimmt und sehr ansprechend choreographiert der Winter mit mildem Schneefall und eisigen Stürmen.
Die Geschichte des Mauerfalls beeindruckt offenbar auch in den USA. Catapult setzt das ausdrucksstark um: Hinter Stacheldrahtbewehrtem Grenzzaun patrouillieren Soldaten mit Gewehren, rasseln Panzerketten, drehen sich Scheinwerfer, bis einige Luftballons die Szenerie aufbrechen und aus dem kanonenbestückten Ungetüm eine jubelnde Menge wird, die die Mauer erstürmt. Innerhalb von Sekunden entsteht aus einem Schreckensszenario Freude und Zuversicht.
Und weil das einfach gut gemacht ist, wird es nicht Kitsch, ist eher ausdrucksstarkes Kopfkino. Schön, dass sich "die Amis" mit einer Parodie auf den Wilden Westen selbst auf die Schippe nehmen. Mit Cowboyhüten, fliegenden Röcken beim Squaredance und Pistolenduellen zwischen Lucky Luke und - wie könnte es anders sein - John Wayne. Überhaupt wird auch viel geschmunzelt und gelacht, wenn beispielsweise die "kleine Raupe nimmersatt" mit gefühlten 20 Beinen und wippenden Fühlern über die Bühne stakst, wenn der Streit eines Liebespaares von einer Handvoll lauernder Frösche beobachtet wird oder eine Straußenfamilie mit wippenden Schwänzen unter wildem Geschnatter die Flucht ergreift.


Durch die Welt der Fantasie

Nach der Pause sind die fünf Tänzerinnen und drei Tänzer dann kurz auf der Bühne zu sehen, werden aber mit raffinierten Beleuchtungseffekten angestrahlt und werfen ihre farbigen Schatten vielfach vergrößert, aufgefächert, überfließend auf die Leinwand. Eine beeindruckende Mischung aus Ausdruckstanz und grandios farbigen Lichteffekten.

Luftblasen steigen auf und eine Unterwasserwelt wird sichtbar mit Fischen, Seepferdchen und anmutig schwebenden Nixen, wenig später wabern Spiralnebel durch das Universum, zu sphärischer Musik erleben die Besucher, wie Neil Armstrong aus seiner Eagle steigt und den Mond betritt.


Das Leben geträumt

Zum Höhepunkt der außergewöhnlichen Show wird aber der Traum eines Kindes, an dem die Eindrücke seines bisherigen Lebens vorüberziehen. Die Szenen sind wie geschaffen für die Traumwelten der Fantasie die den Abend durchziehen. Der Wuschelkopf des Kindes taucht in allen Szenen auf. Er träumt vom Dornröschenschloss, fürchtet sich vor krabbelnden Spinnen, lernt in der Schule und sieht seinen Teddy in der Apollokapsel auf dem Flug zum Mond schweben.
Ein Moment andächtiger Stille bevor der Beifall einsetzt. Überhaupt, so richtig gejubelt wird im Kurtheater eher selten. Der freudig überraschte Beifall des Publikums nach jeder Nummer und das rhythmische Klatschen am Ende entsprechen aber genau dem heiter fantasievollen Grundtenor des Abends. Die farbenfrohe Welt der Schatten spricht eben mehrere Sinne an.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren