Der Vorwurf geben zehn Beschuldigte - fünf leben im Kreis Bad Kissingen - wiegt schwer: Sie sollen an einem Verbrechen der Geldfälschung beteiligt sein. Allerdings war die Durchsuchungsaktion in er Nacht auf Montag ein Schlag ins Wasser, das Vorgehen der Polizisten sorgt für Verwunderung.
Siegfried Erhard (CSU), als Bürgermeister in Oerlenbach auch eine Art "Kümmerer", machte sich um 6 Uhr am "Tatort" Pizzeria "Il Pomodoro" selbst ein Bild. Sein Urteil: "Unglaublich." Das Vorgehen der Polizei nannte er "wohl überzogen". Die Öffnung der Türe wäre auch "mit einem Schraubenzieher machbar gewesen."
Die Wirtsleute Barbara und Toni Antelmi sind nicht Tatverdächtige, das ist "nur" einer ihrer Angestellten. Ihr Anwalt Markus Eckert sagte, er halte eine Durchsuchung der Pizzeria um 1.30 Uhr für "nicht ganz zulässig". Das Vorgehen der Polizei sei "nicht verhältnismäßig." Es handele sich aber um Ermittlungen in Sachen organisierte Kriminalität, "da werden schwere Waffen aufgefahren", was auch "gut so" sei. Der Einsatz in Oerlenbach sei aber "etwas aus dem Ruder gelaufen."
In beidem hat Eckert wohl recht. Das Ermittlungsverfahren (Aktenzeichen: 4414 JS 1383/ 12-Gs) läuft seit einiger Zeit. Haupttäter könnte ein Italiener mit Namen Nicola P. sein, der in Hanau wohnt. Er soll alles vorbereitet haben, damit "Blüten" im Nennwert von mehr als 60 000 Euro nach Deutschland gebracht werden können.
Die Ermittler sprechen vom "konkreten Verdacht", dass P. "Inhaber/ Angestellte" von drei Pizzerien im Kreis Bad Kissingen "nach wie vor beziehungsweise wieder (mit) Falschgeld beliefert." P. und sein älterer Bruder Trieste, der in die Geschäfte mit eingebunden sei, sollen sich dort aufgehalten haben.
Außerdem bestehe der Verdacht, dass ein Beschuldigter zur Zeit weitere Falschgeldbestellungen aufnehme, um eine große Lieferung durchzuführen. Die Männer wurden observiert, ihre Handytelefonate abgehört.
Auf Grund dieser Erkenntnisse hat ein Ermittlungsrichter in Hanau einen Beschluss erlassen, nach dem rund 20 Wohnungen und Restaurants unter die Lupe genommen werden sollten.
Es sei zu vermuten, hieß es, dass dabei Falschgeld der Noten 20, 50 und 100 Euro aufgefunden würde. Es handele sich um Scheine aus den Fälscherwerkstätten der "Napoli Group" bei Napoli. Diese Hoffnungen erfüllten sich allerdings nicht bei den Lokalitäten in Bad Kissingen, Oerlenbach und Eltingshausen. In Eltingshausen wurden immerhin 321,20 Euro beschlagnahmt - die Tageseinnahmen vom Sonntag.