Er legte jetzt sein hydrogeologisches Gutachten vor, das er im Auftrag der Stadt Münnerstadt erstellt hat. Dieses bestätigt prinzipiell das Gutachten, das den Stadtwerken Bad Kissingen als Grundlage für die Erweiterung der Schutzzonen gedient hat.

Wie Münnerstadts Bürgermeister Helmut Blank (CSU) betonte, hat die Ausweisung der Schutzgebiete absolut nichts mit der Fördermenge zu tun. Das seien zwei völlig verschiedene Dinge. Momentan gehe es ausschließlich um die Schutzgebiete. Über Ausnahmegenehmigungen könne man viel erreichen, sagte er. Es gebe schon viel versprechende Gespräche. Als Bürgermeister passe es ihm natürlich auch nicht, immer um eine Ausnahmegenehmigung bitten zu müssen, aber das müsse man jetzt so hinnehmen.

Der Aufschrei war groß gewesen, als die Erweiterung der Schutzzonen aktuell wurde. Die ohnehin bei den Münnerstädtern unbeliebten Brunnen der Stadtwerke Bad Kissingen im Tal bringen durch die Erweiterung der Schutzzonen einige unangenehme Begleiterscheinungen mit sich. Betroffen sind unter anderem das Gewerbegebiet auf dem Schindberg, das nun in einer Schutzzone liegt, die Talkirche (Schutzzone II) und das Seelenholz, wo die Stadt Münnerstadt Bürgerwindräder errichten will. Weil das die Stadträte nicht so einfach hinnehmen wollten, hatten sie ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses stellte Bernd Hanauer am Dienstag gleich mehrfach vor.

Zunächst hatte es Einzelgespräche mit betroffenen Gewerbetreibenden und besonders engagierten Bürgern gegeben. Danach wurden die Stadträte informiert.

Bernd Hanauer kennt sich aus in Münnerstadt. Er hatte bereits in den 1990er Jahren das Gutachten für die Autobahndirektion Nordbayern vor dem Bau der Autobahn 71 erstellt. Er ging auf das Karst-Gestein ein, das immer poröser werde. "Den Münnerstädter Graben" (entspricht dem Tal) verglich Bernd Haunaer mit einem riesigen Drainagerohr, das das Grundwasser in Richtung Norden abführt. Dieses Wasser werde dann von den Stadtwerken Bad Kissngen abgeschöpft. "Was abgeschöpft wird, kann nicht auftauchen", sagte der Experte. Damit bestätigte er, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Fördermenge und dem Wasserstand im Thalwasserbach gibt. Auf die Ausweisung der Schutzzonen habe dies aber keinen Einfluss.

Eine Besonderheit sei die hohe Fließgeschwindigkeit des Grundwassers mit 50 bis 65 Metern pro Tag. Das sei bereits vor dem Bau der Autobahn untersucht worden. Das Gebiet, das Grundwasser in 50 Tagen durchfließen kann, kommt in die Schutzzone II, für die strengere Regelungen gelten. Darin befindet sich unter anderem auch die Talkirche. Auch die Ausweisung der Schutzzone III A (Grundwassersohle in Richtung Brunnen) sei fachlich gut begründet. "Aus meiner Sicht kann man das Gutachten der Stadtwerke nicht ernsthaft angreifen", sagte Bernd Hanauer. Die Einschränkungen für die Gewerbetreibenden in der Schutzzone III A seien auch gar nicht so gravierend.Bauliche Anlagen sind bei ordnungsgemäßer Abwasserentsorgung zulässig. Lediglich für Neubauten benötige man eine Ausnahmegenehmigung. Auch Windkraftanlagen seien in dieser Schutzzone möglich. Wenn allerdings die Pfahlgründung zehn bis 15 Meter in die Tiefe geht, was bei manchen Windrädern der Fall ist, bräuchte man wiederum eine Ausnahmegenehmigung. Die Stadtwerke Bad Kissingen verfügen außerdem über eine Trinkwasseraufbereitungsanlage, die sie beim Bau von Windrädern vorsichtshalber in Betrieb nehmen könnten.

Strenger sind die Richtlinien in der Schutzzone II, in der unter anderem die Talkirche liegt. Aber auch hier konnte Bernd Hanauer die Gemüter beruhigen. Nur für die Toilettenanlagen seien besondere Sicherungsmaßnahmen notwendig. Für Veranstaltungen bräuchte man eine Ausnahmegenehmigung. Großveranstaltungen mit über 1000 Besuchern gebe es ohnehin nicht.

Die Stadt müsse es schaffen, dass die Zufahrt als "beschränkt öffentlicher Weg" behandelt wird. Dann müssten auch keine besonderen Richtlinien beachtet werden. Das gelte ebenso für einen geschotterten Parkplatz an der Talkirche.


Neu zu verhandeln



Im Jahre 2022 wird die Wasserentnahmemenge neu zu verhandeln sein, sagte der Bürgermeister anschließend. 2. Bürgermeister Norbert Reiter (CSU) wollte wissen, ob man berechnen kann, wie viel Wasser maximal entnommen werden darf, um den Thalwasserbach wieder zu einem Fließgewässer zu machen. Das bejahte Bernd Hanauer.

Während der sachlich geführten Diskussion verwies Helmut Blank auf eine EU-Richtlinie, nach der eine Kommune durch Wasserentnahme nicht dauerhaft geschädigt werden dürfe. Ein nicht mehr vorhandenes Fließgewässer könne durchaus eine solche Schädigung sein. Weil der Pro-Kopf-Verbrauch von 180 Litern auf 120 Liter gesunken sei und auch Nüdlingen nicht mehr durch die Stadtwerke versorgt wird, gehe er davon aus, dass die Fördermenge sinkt. Aber das sei eben erst 2022 zu verhandeln.

Hubert Holzheimer (Forum aktiv) erinnerte an seine Kindheit. Vor dem Bau der Bad Kissinger Brunnen habe man den Thalwasserbach untersucht. Damals seien Forellen an der 2. Bahnbrücke (mit Strom) abgefischt worden. Heute wäre das undenkbar. Als Jagdpächter beschwerte er sich über die Regelung, dass in der Schutzzone II keine Wildfütterung betrieben werden darf. Das gilt aber nur für neue Anlagen, lautete die Antwort von Bernd Hanauer. Vorhandene können weiter genutzt werden. Die Landwirte werden vom Wasserversorger für eventuelle Verluste entschädigt, sagte er auf eine Anfrage von Norbert Reiter.

Gaby Seifried wollte schließlich wissen, ob sich der Klimawandel bemerkbar mache. Bis vor kurzer Zeit hätte er das verneint, so der Experte. "Ich werde es mittlerweile nicht mehr ausschließen."

Es gelte jetzt Vereinbarungen mit dem Landratsamt und den Stadtwerken zu treffen, mit denen alle Seiten zufrieden sind, meinte der Bürgermeister. "Bei den Windkraftanlagen sind wir schon ein ganzes Stück weiter."
Das Interesse der Bevölkerung bei der anschließenden Infoveranstaltung im Foyer des Rathauses hielt sich in Grenzen