Er ist ebenso beliebt wie umstritten, die wenigsten stehen ihm gleichgültig gegenüber.
Aber der - in seiner Jugend "roter Christian" genannte - Sozialdemokrat und an der Freien Uni Berlin diplomierte Volkswirt ist im Laufe der Jahrzehnte in der Kommunalpolitik ruhiger geworden, sein Gestus hat ein bisschen was vom Grand Senieur, vom Elder Statesman. Der ist er in der Bad Kissinger SPD, vielleicht sogar im Stadtrat. Bis zum heutigen Tag hat er nicht daran gedacht, sich nicht mehr einzumischen. Vielmehr will der stets unternehmungslustige, kulturinterressierte und belesene Ex-Oberbürgermeister sich "einbringen, solange Kopf und Körper es zulassen."
Nicht ohne Stolz blickt er, wenn man mit ihm durch die Stadt bummelt, beispielsweise in die Fußgängerzone Ludwigstraße. Die ist in seiner OB-Zeit entstanden. Genauso die umfassende Kanalsanierung, die die Stadt viele Millionen Mark und Euro gekostet hat. Es gibt Kissinger, die sagen, Zoll habe sich, anders als einer seiner Vorgänger, nach dem ein Sportpark benannt ist, mit dem Kanal sein Denkmal unter der Stadt geschaffen.
Der altgediente Kommunalpolitiker räumt ein, dass er es in seiner "Regentschaft" leichter hatte als sein Parteigenosse und heutiger OB Blankenburg. Zu Zolls Zeit flossen die Zuschüsse noch etwas großzügiger, die Einnahmesituation der Stadt war besser, wenngleich beides rückläufig war und die Kurkrise Anfang der 90er Jahre mit dem rapiden Rückgang von Gäste- und Übernachtungszahlen böse Spuren auch im städtischen Haushalt zeitigte. Aber Zoll ließ sich nicht abbringen, Projekte umzusetzen, die er sich in den Kopf gesetzt hatte. Auch wenn sie teuer waren. Dazu gehörte nebst Fußgängerzone auch das Zentralparkhaus mit Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und dem damit notwendig gewordenen Ausbau des Ostrings zur Umgehungsstraße. Auch Feuerwache und Tattersall kann er sich zurechnen. Am meisten Nerven gekostet aber hat ihn die Heilbadelandschaft, das heutige KissSalis, gesteht er, und es klingt, als wolle er ein Buch schreiben.

Lebendige Stadtstruktur


Immer lag - und liegt ihm bis heute - am Herzen, dass die Stadt nebst einer gesunden Tourismus- auch eine lebendige Wirtschaftsstruktur hat, was nach der Kurkrise als weiteres Standbein umso wichtiger wurde. Er holte nach, dass Bad Kissingen Gewerbegebiete bekam, auch im einstigen Kasernengelände. Sogar ein Industriegebiet hatte er in Albertshausen ausweisen wollen - sich dabei aber eine blutige Nase geholt. Auch mit 70 ist er davon überzeugt, dass es ohne eine "weiße Industrie" und ohne Gewerbegebiet auf Dauer nicht gehen wird.
Spuren hinterlassen hat sein sozialdemokratisches Oberbürgermeister-Wirken bei der Jugend in Form des Jugendzentrums, aber auch bei den Senioren, deren Beirat ein nicht mehr wegzudenkendes Plenum geworden ist. Sozialer Wohnungsbau in der Stadt - auch der trägt seine Handschrift, sagt er.
Christian Zoll war und ist zudem der Kultur nicht nur stets verbunden, sondern hat in seiner Gestattungszeit auch viel für sie getan. Nebst Fortführung des Kissinger Sommers kamen Winterzauber und Theatertag hinzu, die Obere Saline als Museum oder auch das Stadtarchiv. Auch das Rakoczy-Fest in seiner erweiterten Form mit Beginn am Freitag Abend und dem Spektakel bis in den Rathaushof oder den Park hinein schreibt er sich mit auf die Fahnen. Ebenso dass Freistaat und Staatsbad sich 1999 darauf einigten, die Staatsbad GmbH zu gründen, was der Stadt mehr Mitverantwortung, aber auch mehr Mitsprache gab und neue Gestaltungsmöglichkeiten, auch bei der Kultur. Heute aber kritisiert er, dass es nicht genügt, wenn der Freistaat "nur" seine Hausaufgaben macht, statt die Fortentwicklung des Staatsbades zu befördern. In seinem Zukunftskonzept "Format Bad Kissingen" gibt es auf diesem Gebiet manches, was an Projekten bis heute wünschenswert wäre. Alles aufzulisten, was in dieser Stadt mit seinem Engagement und Wirken in Zusammenhang steht - es sprengte diesen Rahmen.
Vielleicht hat gerade deswegen seine Abwahl als Oberbürgermeister ihn geschmerzt:"So richtig verstanden habe ich es bis heute nicht", gibt er zu. "Ich hatte stets das Gefühl, mit großem Engagement das Richtige für meine Geburtsstadt zu tun und zu wollen." Aber er ließ sich nicht unterkriegen, nahm sich vor, den, der ihn "besiegt" hatte, "politisch zu überleben". Und hat es geschafft: Er ist er bis heute Stadtrat und auch Kreisrat geblieben und mischt sich ein. abra