Bad Kissingen
Gericht

Ex-Jugendleiter schweigt auch zum Prozessauftakt

Ein ehemaliger leitender Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuz, Kreisverband Bad Kissingen, muss sich derzeit vor dem Landgericht Schweinfurt verantworten. Dem Ehrenamtlichen wird vorgeworfen, mehrere Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht zu haben.
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Die Anklage warf dem 33-Jährigen am Montag vor, vier Jungen im Alter von damals 13 bis 14 Jahren in mindestens 25 Fällen missbraucht zu haben. Einige Vorfälle sollen sich in der Wohnung des Angeklagten ereignet haben. Auch bei Jugendfreizeiten und Ausflügen des Roten Kreuz ist es laut Zeugenaussagen zu Auffälligkeiten und Übergriffen gekommen. Er ist deshalb auch wegen Missbrauchs Schutzbefohlener angeklagt. Laut Zeugen habe er immer wieder den körperlichen Kontakt zu den Jungen gesucht. Da er sich beim gestrigen Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen äußern wollte, kann den mutmaßlichen Opfern eine Aussage nicht erspart werden.
"Man denkt halt immer, das passiert irgendwo anders, aber nicht bei uns", sagte das mutmaßliche Opfer B. zu Beginn seiner Aussage. Der inzwischen 17-jährige kam in Begleitung einer Vertreterin des Opferhilfevereins "Weißer Ring" in den Gerichtssaal. Dann schildert er einen Vorfall von Mai 2011: Bei einer Übernachtung in einem Lkw des Roten Kreuzes soll der Angeklagte den Jungen sexuell missbraucht haben. Er habe sich nach der Tat viele Gedanken gemacht, sei aber mit der Einschätzung des Vorfalls überfordert gewesen und ging deshalb nicht zur Polizei: "Ich wusste in dem Moment nicht, was der Mann da wirklich mit mir macht." Seitdem versuche er, die Erinnerungen an die Tat zu verdrängen.
Trotzdem hegt er weder Wut noch Hass auf den Angeklagten, mit dem er vor der Tat ein freundschaftliches Verhältnis pflegte. Obwohl B. inzwischen wisse, dass dessen Verhalten nicht in Ordnung gewesen sei, bringt er dem Angeklagten fast so etwas wie Verständnis entgegen. "Wie muss man sein, damit man so was macht?", fragt er und vermutet die Antwort in tiefer gehenden persönlichen Problemen des 33-Jährigen. "Er hat auch viel bewirkt beim Roten Kreuz, das darf man ja nicht vergessen." Ansehen kann und will er ihn trotzdem nicht. Die Aussage macht dem 17-Jährigen sichtlich zu schaffen.

Seit über einem Jahr in U-Haft

Weitere Aussagen von Opfern oder deren Angehörigen wurden aufgrund des Umfangs der Anklage auf den 17. Oktober verschoben. Die Taten waren im Juni 2012 ans Licht gekommen, nachdem sich ein 13-Jähriger seinen Eltern von einem Übergriff erzählt hatte. Die zeigten die Vorfälle sofort an. Daraufhin meldeten sich drei weitere Betroffene bei der Polizei, die von ähnlichen Vorkommnissen berichteten. Der Angeklagte sitzt seither in Untersuchungshaft, er wurde von seinen Aufgaben beim Roten Kreuz entbunden.
BRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Stadler zeigte sich besonders tief getroffen von den Vorwürfen, weil sich das Jugendrotzkreuz in der Vergangenheit für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor körperlicher und sexueller Gewalt eingesetzt hatte. Die rotkreuzeigene Initiative "STOP! Augen auf!" soll der Gewaltprävention dienen und Mitarbeiter des Roten Kreuzes sensibilisieren, Opfer von Gewalt zu erkennen. Besonders dramatisch ist, dass auch der Angeklagte an der Aktion beteiligt war und als Mitarbeiter im Jugendbereich sogar eine spezielle Schulung erhielt. Bevor die Vorwürfe bekannt wurden, galt der Angeklagte als engagiertes und sehr beliebtes Mitglied des Kreisverbands.

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