Haard
Umwelt

Es rührt sich was bei Rumag idealis

Auf der ehemaligen Biokompostier-Anlage auf Burghäuser Flur soll künftig ein Behälter mit Gärresten der Biogas-Anlage in Bad Bocklet zwischengelagert werden. Die Haarder "Bürgerinitiative zum Schutz der Luft, Gesundheit und Umwelt" will das zwar beobachten, sieht aber auch keinen Grund zur Aufregung.
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Auf der ehemaligen Biokompostier-Anlage auf Burghäuser Flur soll künftig ein Behälter mit Gärresten aus der Biogas-Anlage in Bad Bocklet zwischengelagert werden. Foto: Ewald Kiesel
Auf der ehemaligen Biokompostier-Anlage auf Burghäuser Flur soll künftig ein Behälter mit Gärresten aus der Biogas-Anlage in Bad Bocklet zwischengelagert werden. Foto: Ewald Kiesel
Ihr Ziel längst erreicht haben die Mitglieder der Bürgerinitiative Haard "Zum Schutz der Luft, Gesundheit und Umwelt e.V", die vor 18 Jahren gegründet wurde. Die offene Biokompostier-Anlage der Firma Rumag idealis auf dem Gelände der Gemarkung Münnerstadt-Burghausen wird seit August 2005 als solche nicht mehr genutzt. Hier wird jetzt nur noch fertiger Kompost angeboten, der zuvor in Thüringen aufgearbeitet worden ist.
Auflösen will man sich vorerst dennoch nicht, wie sich jetzt bei einem Treffen im Gasthaus "Bärenburg" unter der Leitung der Vorsitzenden, Klaritta Back, herausstellte.

Genehmigungsverfahren

Bis Oktober 2013 habe sich auch auf dem Gelände nichts Erkennbares ereignet. Nun wurde durch den Ortssprecher von Burghausen, Klaus Görlingen, bekannt, dass zur Zeit ein Genehmigungsverfahren beim Bauamt des Landratsamtes geprüft werde, wonach auf dem Gelände ein Behälter für Gärreste (Mais) der Biogasanlage Bad Bocklet zwischengelagert werden soll. Harald Hofmann, stellvertretender Bürgermeister, stellte fest, dass die Gemeinde Nüdlingen keinen Einfluss auf die Genehmigung habe. Die Gärreste werden zur vorgeschriebenen Zeit auf die Felder ausgebracht und in den Boden eingearbeitet.
"Wir wollen in der Bevölkerung keine Unruhe stiften, beobachten aber die Situation mit großem Interesse", so Gabi Röder, stellvertretende Vorsitzende der Bürgerinitiative. Die nächste Mitgliederversammlung, bei der auch der Vorstand neu gewählt wird, findet am 26. März statt.

Geruchsbelästigung

Zur Geschichte: Nach der Ausschreibung des Landratsamtes Bad Kissingen im Jahr 1992 zum Bau einer Biomüll-Kompostierungsanlage erhielt die "Arge Mahlmeister/Greubel" den Zuschlag. Die Entscheidung fiel am 3. Dezember 1992 im Wirtschafts- und Umweltausschuss des Kreistages gegen die Stimmen der drei SPD-Kreisräte. Sie begründeten ihre Ablehnung (so das Protokoll) mit der fehlenden Erfahrung der Landwirte für ein so großes Projekt. Die Pläne wurden am 19. Mai 1993 der Gemeinde Nüdlingen zur Information zugestellt und eine Woche später kommentarlos an das Landratsamt zurückgegeben.
Das damalige Gemeinderatsmitglied Berthold Hehn monierte am 27. Juli 1993 gegen das Vorhaben, da die Anlage nur 1,3 Kilometer Luftlinie von der Ortsbebauung Haard entfernt sei. Er begründete seinen Widerspruch mit möglicher Geruchsbelästigung der offenen Kompostierungsanlage, die dann größer war als zunächst gedacht. Der Gemeinderat beschloss nun, gegen den Bau der Kompostieranlage zu klagen.
Das Verwaltungsgericht Würzburg ließ wissen, dass die Klage mit großer Wahrscheinlichkeit geringe Erfolgsaussichten habe und viel Geld koste. Darauf zog die Gemeinde die Klage am 20. November 1993 zurück und entschied sich für einen Eilantrag, um zunächst einen Baustopp zu erreichen.

Formfehler bei Kündigung

488 Protestunterschriften richteten sich gegen den Standort der Firma "Rumag idealis Kompostierungs GmbH". Daraus ist die Bürgerinitiative entstanden, der sich 164 Mitglieder anschlossen. Denn die Befürchtungen der Haarder bewahrheiteten sich. Der Gestank war zeitweise unerträglich. Die aufgebrachten Bürger machten den Anlagenbetreibern schwere Vorwürfe.
Der damalige Landrat Herbert Neder versprach eine fachmännische Überwachung der Anlage, ansonsten werde sie geschlossen. Die SPD-Kreistagsfraktion beantragte am 3. August 1995, bei der Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses, die sofortige Kündigung des Vertrages mit den Betreibern. Am 20. September 1995 beschloss der Ausschuss, parteiübergreifend, noch mal mit den Betreibern zu verhandeln, um eine Einigung zu erreichen. "Die Forderungen der Betreiber waren jedoch unannehmbar", so der Landrat damals. So wurde am 18. Oktober 1996 die Kündigung ausgesprochen. Die erste Zivilkammer des Landgerichtes Schweinfurt gab jedoch, wegen eines Formfehlers bei der Kündigung, den Betreibern recht, zur großen Enttäuschung des Landratsamtes und der Bürgerinitiative.

Klimatische Situation

Bei der Vergabe der Standortsuche waren vor Betriebsbeginn die kleinklimatischen Verhältnisse dieser Gegend nicht berücksichtigt worden. Das stellte sich erst bei der nachträglichen Prüfung heraus. Die Anlage liegt auf einer Höhe über Haard. Die warmen Abgase stiegen in höhere Luftschichten auf, verteilten sich dort und sanken erkaltet nach unten. Diese Gase sammelten sich, vor allem am Abend bei sinkender Sonne, in den umliegenden Talsenken des Ortes. Deshalb forderte die betroffene Bevölkerung eine Verlagerung des Standortes. Über weniger Müllanlieferung und über eine Einhausung wurde ebenfalls nachgedacht, doch das Vorhaben kam nicht zu Stande.
So ist es verständlich, dass die Bevölkerung sehr sensibilisiert ist, wenn auf dem Gelände Veränderungen stattfinden. Ob berechtigt oder nicht.
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