Burkardroth
Wald

Es ist Holz für alle da

In Burkardroth gibt es für die Ortsbürger keinen Mangel an Brennholz. Sie können Holz aus heimischen Wäldern erwerben und aufarbeiten. Gelagert wird es auf Grundstücken der Gemeinde oder auch auf eigenen privaten Flächen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Daniel Wehner ist gerüstet für die kühlere Jahreszeit. Er hat genug Holz gemacht, damit es im Haus schön warm ist. Foto: Heike Beudert
Daniel Wehner ist gerüstet für die kühlere Jahreszeit. Er hat genug Holz gemacht, damit es im Haus schön warm ist. Foto: Heike Beudert
+3 Bilder
Die ersten kühlen Abende und Nächte werden bald schon wieder bei uns Einzug halten. Dann sorgt in vielen Häusern - nicht nur im Markt Burkardroth - ein Kaminfeuer für behagliche Wärme in der Übergangszeit. Daniel Wehner aus Gefäll hat in seinem Haus nur noch eine Holzheizung.
Der Kaminkehrermeister, der auch 2.
Bürgermeister der Gemeinde ist, kann nur bestätigen, dass immer mehr Bürger ganz oder teilweise mit dem Rohstoff aus heimischen Wäldern heizen. Der Markt Burkardroth hat sich darauf eingestellt. Die Bürger der Gemeinde können aus dem Gemeindewald Brennholz beziehen. Aber auch der staatliche Forstbetrieb verkauft Brennholz aus den staatlichen Wäldern rund um die Marktgemeinde.

Bürger verwalten sich selbst

Das erworbene Brennholz kann in vielen Ortsteilen auf Holzlagerplätzen gesägt und gelagert werden. Auch in Daniel Wehners Heimatdorf Gefäll stellt die Gemeinde eine solche Fläche zur Verfügung. Dort verwalten die Holzmacher ihren Platz gewissermaßen selbst. Wer Bedarf hat, sucht sich ein freies Plätzchen. "Die Gemeinde will sich auch da gar nicht einmischen", meint Wehner.
Etwas anders organisiert ist der Holzlagerplatz in Waldfenster. Der sei in Parzellen eingeteilt, sagt Wehner. Dort weise die Gemeinde oder der Ortsreferent die Parzellen an.Wehner hat den Eindruck, dass die Sache mit den Holzlagerplätzen in der Marktgemeinde auf jeden Fall gut funktioniert. Von Problemen sei ihm nichts bekannt.

Die Ressourcen

Doch bevor das Holz überhaupt gelagert werden kann, muss es erst einmal da sein. Der Gemeindewald bietet die entsprechenden Ressourcen. Joachim Dahmer ist Revierförster in Burkardroth und stellt fest, dass der Gemeindewald den Bedarf gut decken kann. "Das Verhältnis von Einwohnerzahl und Wald ist günstig", erklärt er. Wie Joachim Dahmer erklärt, können nur Ortsbürger Brennholz aus dem Gemeindewald beziehen, und das nur für den Eigenbedarf. Die Obergrenze liegt bei 15 bis 20 Festmeter Brennholz pro Käufer. Man wolle nachhaltig wirtschaften, so Daniel Wehner.

Ein begehrter Rohstoff

Holz ist ein begehrter Rohstoff geworden. Das schlägt sich auch auf den Preis nieder. 2. Bürgermeister Daniel Wehner weiß, dass die Preise im Vergleich zu 2002 immens gestiegen sind. Seit einigen Jahren sei der Brennholzpreis in Burkardroth aber stabil. Ob das in diesem Winter der Fall sein wird, kann Joachim Dahmer nicht versprechen. Von der Gemeinde wird der Termin bekannt gegeben, ab wann sich Bürger um Holz bewerben können. Das sei meistens im September, erklärt der 2. Bürgermeister ergänzend.
Die meisten Bürger wüssten ohnehin Bescheid und melden sich schon automatisch bei der Gemeinde. Wer Holz machen will, kann sich auch im Staatsforst um ein Los bewerben. Sowohl im Staat- als auch im Kommunalwald gibt es zwei Möglichkeiten der Brennholzvermarktung. Zum einen wird es als Langholz verkauft, das an die Waldwege gerückt wurde. Billiger kommt es, als Selbstwerber eine durchforstete Fläche im Wald aufzuarbeiten, sagt Heinrich Hümpfner vom zuständigen staatlichen Forstbetrieb in Bad Brückenau. Seine Behörde bietet noch eine dritte Möglichkeit, die jedoch nur erfahrenen Bewerbern vorbehalten ist. Wer eine entsprechende Qualifikation nachweisen kann, darf ein ihm zugewiesenes Waldstück selbstständig durchforsten.

Bedarf ist gestiegen

Aus Naturschutzgründen kann der Staatsforstbetrieb aber nicht mehr alles zu Brennholz verarbeiten, was bei Forstarbeiten im Wald anfällt. Es müsse ein bestimmter Anteil als Totholz im Wald liegen bleiben, stellt Hümpfner fest. Grundsätzlich sei es so, dass man bemüht sei, "die örtliche Bevölkerung zu bedienen, wenn Bedarf besteht". Und dieser Bedarf sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, erklärt Hümpfner. Nicht wenige Burkardrother Bürger können aber auch auf den eigenen Wald zurückgreifen, wenn sie Brennholz brauchen. "In der Gemeinde gibt es sehr viel Privatwald", weiß Förster Joachim Dahmer.

Spaß am Holzmachen

Für Daniel Wehner gehört das Holzmachen zum Jahresverlauf dazu. Er hat Spaß an dieser anstrengenden Arbeit. "Wenn man effektiv mit Holz heizen will, dann muss man ein paar Samstage im Jahr ran", meint er.
Er selbst deponiert sein Holz nicht auf einem der zentralen Lagerplätze, sondern auf einer Wiese näher bei seinem Wohnhaus. Er hofft, dass Brennholzdiebe durch die Nähe zur Be bau ung eher abgeschreckt werden. Diebstahl sei schon ein Thema, meint er. Der Gefäller hat damit schon unangenehme Erfahrung gemacht. Ihm wurde ein am Waldweg liegendes Los komplett weggeklaut. Der Verlust wurde ihm nicht ersetzt. Der Dieb wurde nie ermittelt, er hat aber mit Sicherheit noch nie selbst Holz gemacht, sagt Daniel Wehner: "Wer selbst Holz macht, klaut anderen Leuten keines." Diejenigen wüssten nämlich, wie viel Arbeit dahinter steckt.


Hintergrund


Die Waldflächen rund um Burkardroth gehören zum Kissinger Bogen. Die Flächen teilen sich auf in Staatswald (2597 Hektar), Kommunalwald (689 Hektar) und Privatwald (762 Hektar).

Jährlich verkauft der Markt Burkardroth aus seinen Wäldern an örtliche Bewerber zwischen 500 und 1000 Festmeter Brennholz. Die Einzelabnahme ist auf maximal 20 Festmeter begrenzt.

Langholz, das an die Waldwege gerückt wurde, kostet bei der Gemeinde rund 50 Euro pro Festmeter, Lose zur Aufarbeitung liegen bei 15 Euro.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren