Bad Kissingen
Behördenverlagerung

Erste Details zur Behördenverlagerung

Die ersten Einrichtungen des "Hauses für Gesundheitsmanagement" kommen bereits 2016. Eines davon beschäftigt sich mit Kurortmedizin. Der Standort bleibt offen.
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Sebastian Dresbach vom Zentrum für Telemedizin zeigt, wie Nutzer mit dem Handy ein EKG erstellen können. Foto: Ralf Ruppert
Sebastian Dresbach vom Zentrum für Telemedizin zeigt, wie Nutzer mit dem Handy ein EKG erstellen können. Foto: Ralf Ruppert
Langsam kommt Licht ins Dunkel: Im März kündigte die Bayerische Staatsregierung die Verlagerung von gut 50 Behörden mit mehr als 3100 Arbeitsplätzen in den ländlichen Raum an. Nach Bad Kissingen soll das "Haus für Gesundheitsmanagnet" mit 100 Stellen kommen, also eine neue Außenstelle des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Dessen Vizepräsident Markus Schick stellte am Montag bei einem internen Termin ein Konzept vor.
Unter dem Motto "One Health" (zu deutsch: Eine Gesundheit) sollen demnach in Bad Kissingen Inhalte aus dem "Non Food"-Bereich abgebildet werden, teilte der CSU-Landtagsabgeordnete Sandro Kirchner gestern auf Nachfrage mit. Untersucht werden irgendwann also keine Lebensmittel, sondern Bedarfsgegenstände, Spielzeug, Farben und Lacke sowie Tabak und Kosmetika. "Ebenso sollen Arbeitsplätze zur Prävention und Gesundheitsförderung und zur Lebensmittelsicherheit eingerichtet werden", so Kirchner.
Wann wie viele der angekündigten 100 Stellen in Bad Kissingen eingerichtet werden, steht noch nicht fest. Als Zeitrahmen für die Behördenverlagerung insgesamt hatte Finanzminister Markus Söder (CSU) zehn Jahre vorgegeben. Es könnte also bis 2025 dauern, bis die letzten Ärzte, Tierärzte oder Labor-Mitarbeiter in Bad Kissingen arbeiten. Umso positiver ist ein Ergebnis der Besprechung am Montag: Bereits 2016 sollen zwei neue Institute die Vorhut bilden und damit den Startschuss für die neue Einrichtung vor Ort geben.


Drei Ministerien vertreten

Geplant sind konkret ein Institut für gesunde Lebensmittel und ein neues Institut für Kurortmedizin. "Das ist ein Thema, das genau nach Bad Kissingen und damit in die Bäderregion passt. So kann es auch gelingen, die Kurmedizin noch moderner nach außen zu vermarkten", sagt Kirchner und erntet damit Zustimmung bei Landrat Thomas Bold (CSU) und Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD), die bei dem Termin am Montag dabei waren. Wie viele Arbeitsplätze das sind, bleibt noch geheim. Laut Kirchner muss der Landtag erst den Nachtragshaushalt genehmigen.
Auf Einladung von Sandro Kirchner seien am Montag "alle beteiligten Schnittstellen" in Bad Kissingen zusammen gekommen: Neben LGL-Vizepräsident Schick waren das Gesundheits- und das Umweltministerium vertreten. Also zwei der drei Ministerien, die dem LGL vorstehen. Diese Auswahl sei kein Zufall: Die Aufgaben des Hauses für Gesundheitsmanagement würden auch in die Bereiche Gesundheit und Umwelt passen, während keine Themen des dritten Fach-, nämlich des Arbeitsministeriums, vorgesehen seien.


Rundgang durch die Stadt

Mit am Tisch habe auch ein Vertreter des Finanzministeriums gesessen, denn: "Noch nicht geklärt ist, wo das Haus für Gesundheitsmanagement einziehen soll." Die Delegation habe sich in der Stadt umgesehen, etwa den Neumann-Flügel: "Aber ohne konkrete Pläne", betont Kirchner. Vielmehr habe er die Chance nutzen wollen, dem Vertreter des Finanzminsteriums auch "die zweite große Problematik" zu zeigen, sprich: das Kurhaushotel. Standorte für das Haus für Gesundheitsmanagement werden viele diskutiert: vom Kurhausbad bis zum ehemaligen Telekom-Gebäude. Kirchner: "Die Beratungen darüber werden gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium der Finanzen erfolgen."
"Für Bad Kissingen als Gesundheitsstandort ist das Haus für Gesundheitsmanagement ein absoluter Gewinn", freute sich Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner über die Impulse, die für die Stadt und die gesamte Region ins Gespräch am Montag eingebracht wurden. In einer gemeinsamen Pressemitteilungen befürworteten Kirchner, Bold und Blankenburg das jetzige Konzept: "Die Planungen aus München sind vielversprechend. Der Landkreis Bad Kissingen bekommt so die Chance mit einem weiteren Sektor seine Kompetenz als Gesundheitsstandort zu etablieren und auszubauen."


Impulse für die Prävention?

Über die neue Einrichtung freut sich auch Dr. Herbert Schulze, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes Bad Kissingen. Dieser regionale Arm der Landesärztekammer vertritt aktuell rund 670 Mitglieder im Landkreis. Schulze hofft nicht nur auf neue Mitglieder, sondern vor allem auf Impulse für die Kurmedizin: "Heute wird eine Reha erst genehmigt, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist", sagt der ehemalige Badearzt. Das geplante Institut solle sich deshalb auf die Vorbeugung konzentrieren, also etwa auf Themen wie Diabetes und Übergewicht samt deren Spätfolgen. Vielleicht könne das Institut ja auch dazu beitragen, dass sich die für Bad Kissingen so wichtige offene Badekur wieder erholt.

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