Der November mit seinen kürzer werdenden Tagen und seinem meistens doch schlechten, nebligen Wetter ist der Monat, in dem den Menschen ihre Vergänglichkeit amdeutlichsten bewusst wird. Es ist der Monat der Gedenkfeiern, des Volkstrauertages, des Totensonntages, des Buß- und Bettages. Im November besuchen die Menschen die Friedhöfe.
Die Geschichte der Friedhöfe in Bad Kissingen liegt in ihren Anfängen im Dunkeln. Zwar taucht immer wieder einmal der Name eines "Jakobusfriedhofs" auf, aber archäologisch und archivalisch lässt er sich nicht belegen. Es ist unwahrscheinlich, dass es ihn neben der Jakobuskirche, der ältesten Kirche der Stadt, gegeben hat, denn es war ganz einfach kein Platz dafür da.
Das Städtchen maß innerhalb der Mauern nur 220 Meter im Quadrat und neben der Kirche floss auch noch der Mühlbach vorbei. Nur innerhalb der Kirche selbst fanden sich bei archäologisch begleiteten Restaurierungsarbeiten Knochenreste und zwei Grabplatten, die auf Bestattungen in der Kirche im 16. Jahrhundert hinweisen .

Erste Aufzeichnungen


Aus dem Jahr 1348 datieren die ersten Aufzeichnungen über einen Friedhof an der Marienkapelle. Das ist insofern nicht erstaunlich, als in diesem Jahr und im Folgejahr die Pest das erste Mal in Bad Kissingen wütete - wie auch 1568/1569, 1611 und zum letzten Mal 1634. Da wurde plötzlich sehr viel Platz benötigt, der sich östlich der Stadt an der Marienkapelle fand, die zufällig auch in diesem Jahr erstmals urkundlich erwähnt wird (im Zusammenhang mit einer Stiftungsangelegenheit). Obwohl der Kapellen friedhof die Toten beherbergt, hat er doch viel erlebt. Deutschlandweit bekannt wurde er 1866 im preußisch-bayerischen "Bruderkrieg", als sich ein Teil der bayerischen Truppen in dem von einer Mauer umgebenen Friedhof verschanzt hatte und eine hilflose Zielscheibe für die preußische Artillerie abgab.
Der Kapellenfriedhof war großzügig dimensioniert, aber 1838 wurde er zu klein. Es starben nicht nur die Kissinger, sondern auch Kurgäste, bei denen sich der Kurerfolg ins Gegenteil verkehrt hatte. Es wurde damals nicht nur der Friedhof erweitert, sondern auch ein Leichenhaus gebaut. Als 1925 die vierte Erweiterung anstand, fasste der Bad Kissinger Magistrat den Beschluss, am Sinnberg außerhalb der Besiedelung einen neuen Friedhof anzulegen. Nur wenige Beerdigungen von alteingesessenen Kissinger Familien fanden danach auf dem Kapellenfriedhof statt, bis die Bestattungen aus was ser recht li chen Gründen hier 1980 ganz eingestellt wurden. Der Kapellenfriedhof ist heute ein Friedhofspark.
Die heute Anlage des Parkfriedhofes am Sinnberg mit seiner neoromanischen Aussegnungshalle stammt aus dem Jahr 1935. Erste Pläne, am Dummenthaler Weg einen neuen Gottesacker zu eröffnen, gab es bereits 1880 und das vorgesehene Gelände wurde auch eingezäunt. Aber dann fanden dort doch keine Bestattungen statt. Erst als es auf dem Kapellen friedhof zu eng wurde, wurde 1935 der Parkfriedhof betriebsfertig gemacht und eingeweiht.
Auch er musste schon zwei Mal erweitert werden und erhielt 1983 ein Columbarium für Urnenbestattungen, das 16 Jahre später um einen Mauerring ergänzt wurde. Außerdem beherbergt der Friedhof, der nach 2000 in mehreren Schritten vom zugewachsenen Waldfriedhof wieder zu einem Parkfriedhof umgewandelt wurde, das Ehrenmal der Stadt Bad Kissingen.
Dass Bad Kissingen einen jüdischen Friedhof hat, ist einerseits nicht erstaunlich, denn bis 1933 gab es in der Stadt eine große jüdische Gemeinde und es kamen viele jüdische Kurgäste in die Stadt. Andererseits ist es aber doch erstaunlich, weil die früheren Landesherren nicht überall die Anlage von Friedhöfen gestatteten, die zudem die Gewähr bieten mussten, dass sie nicht eines Tages geschlossen und aufgelassen würden. Denn der jüdische Glaube nimmt es sehr genau mit der ewigen Totenruhe.
Bis 1817 bestatteten die Kissinger jüdischen Familien ihre Toten auf den Friedhöfen von Pfaffenhausen, Steinach, Kleinbardorf und Euerbach. Erst als die Judenemanzipation auch nach Bad Kissingen vordrang, konnte die örtliche Gemeinde ein Gelände an der Straße ins benachbarte Reiterswiesen, der heutigen Bergmannstraße, erwerben und ihren eigenen Friedhof eröffnen. Die letzte Beerdigung fand hier 1989 statt, so dass sich an der Zahl von 488 Gräbern nicht mehr ändern wird.