Waldfenster
Wirtschaft

Erfolg Dank Rhöner Know-how

Ein Filmteam hat eine Reportage zum Thema Kochlöffel gedreht und dabei die Waldfensterer Firma Helo besucht. Dort werden Spezialanfertigungen hergestellt.
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Als Juniorchef kennt sich Philipp Heckelmann nicht nur mit betriebswirtschaftlichen Dingen, sondern auch in der Produktion aus. Nicht selten steht er an einer der Maschinen, die wie hier Teile für Wäscheklammern fräsen. Fotos: Kathrin Kupka-Hahn
Als Juniorchef kennt sich Philipp Heckelmann nicht nur mit betriebswirtschaftlichen Dingen, sondern auch in der Produktion aus. Nicht selten steht er an einer der Maschinen, die wie hier Teile für Wäscheklammern fräsen. Fotos: Kathrin Kupka-Hahn
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Sie ist ein profanes Ding. Kommt in jedem Haushalt vor. Befestigt Pullover, Handtücher, und viele andere Stücke an einer Wäscheleine. Lässt sich gut zu Dekorationszwecken nutzen. Schließlich verbindet sie Material aller Arten ohne zu zerstören. Die Wäscheklammer. Es gibt sie aus heimischen Buchenholz oder Plastik, von klein bis groß, auch extra stark. Sie wird in aller Welt verwendet, von der Karibik über Israel bis hinüber nach Japan, jedoch in Waldfenster produziert - im Betrieb von Hartwig und Philipp Heckelmann, besser bekannt als Helo.
1924 wurde das Unternehmen als erste Rhöner Holzschuhmanufaktur in der Schlingenstraße gegründet. "Von meinem Großvater Lorenz, daher auch der Name", erklärt Hartwig Heckelmann, der den Betrieb gemeinsam mit seinem Sohn führt. Heute ist das Unternehmen mit seinen zwölf Mitarbeitern ein echter Global Player mit Geschäftsverbindungen in alle Welt. Ganz im Zeichen der Wäscheklammer und anderen hölzernen Gebrauchs- und Werbegegenständen wie etwa Holzbrettchen und Küchengeräten. Zwar ist die Billigkonkurrenz aus Asien noch immer sehr aktiv und hat den Waldfensterern schon so manche schlaflose Nacht bereitet.


Am Weltmarkt behauptet

Doch die Rhöner konnten sich am Weltmarkt behaupten. Nicht nur mit ihren Wäscheklammern. Denn die Heckelmanns können mehr, Tüfteln beispielsweise. Beide haben handwerkliche Berufe erlernt. Der Seniorchef ist gelernter Werkzeugmacher und zudem Industriemeister für die Bereiche Kautschuk und Kunststoff. Sein Sohn hat nach der Schulzeit die Ausbildung zum Mechatroniker absolviert, anschließend seinen Techniker gemacht und schließlich noch ein Studium als Betriebswirt drangehängt. Somit ist es nicht verwunderlich, dass etliche selbstgebaute Maschinen in der Helo-Werkstatt stehen, in der unter anderem die Federn für die Wäscheklammern hergestellt werden.
Von diesem Rhöner Know-how konnte sich vor Kurzem auch der Journalist Matthias Supé und sein Filmteam des Bayerischen Rundfunks überzeugen. Sie recherchierten zur Geschichte und Geschichten rund um den Kochlöffel für die Serie "Unter unserem Himmel". Schließlich hatten Wissenschaftler bei Ausgrabungen in Hallstatt, im oberösterreichischen Salzkammergut, ein 3000 Jahre altes Kochlöffel-Exemplar mit Speiseresten gefunden. Somit machten sich die Filmleute daran, mehr über den hölzernen Gebrauchsgegenstand herauszufinden, beispielsweise woher der Ausspruch "Jemand gibt den Löffel ab" stammt. "Auf uns wurden sie über das Internet aufmerksam", erzählt Philipp Heckelmann.
Schließlich war er mit seinem Vater daran beteiligt, für einen österreichischen Geschäftsmann einen Design-Kochlöffel zu entwickeln. "Der aus den Dauben von Barrique-Weinfässern hergestellt wird", erklärt der 29-Jährige. Als Daube bezeichnet man die Holzlatten, die das Weinfass bilden. Keine leichte Aufgabe für die Waldfensterer. Denn die Vorgabe war, Form und Oberfläche des Barrique-Fass-Löffels so zu entwickeln, dass möglichst viel von der Aromaschicht übrig bleibt. "Die Idee dabei ist, dass das Weinaroma des Holzes beim Kochen an das Essen abgegeben wird", so der Juniorchef.
Die beiden Tüftler stellten sich der Herausforderung, fanden eine Lösung und konnten den Prototyp mitentwickeln, auf dessen Grundlage dieser besondere Designlöffel heute in Österreich angefertigt wird. "Es handelt sich dabei um sehr hochwertige Sammlerstücke, deren Holz nur von ausgewählten Weingütern stammt", fügt Philipp Heckelmann hinzu. Jeder Kochlöffel wird deshalb mit dem Weingut, der Rebsorte und dem letzten Jahrgang gekennzeichnet. "Es sind wirkliche Unikate, da jede Daube einmalig ist", erklärt Hartwig Heckelmann.


Zahlreiche Erfindungen

Doch nicht nur diesen speziellen Designkochlöffel haben Vater und Sohn mitentwickelt, sondern zahlreiche kleine Erfindungen oder Spezialanfertigungen hervorgebracht. "So zum Beispiel einen besonderen Kaffeekapselhalter. Den haben wir für ein Unternehmen angefertigt, das Kapseln nicht aus Plastik herstellt, sondern solche, die verrotten", erklärt der Juniorchef.
"Als kleine Fachfirma haben wir da einen großen Vorteil, können schnell und flexibel reagieren", fügt er hinzu. Denn das sei auf dem heute sehr kurzlebigen Markt sehr gefragt. "Entweder du kannst liefern oder nicht. Mehr Möglichkeiten gibt es nicht mehr", sagt Hartwig Heckelmann, der vor einigen Jahrzehnten noch ganz andere Gepflogenheiten zwischen Geschäftspartnern kennenlernen konnte.
Inzwischen gehören Unternehmen aller Arten zu den Helo-Kunden, kleine und auch Großkonzerne, die meistens spezielle Werbeartikel aus Holz bestellen. "Dieser Werkstoff ist heutzutage sehr gefragt. Da legen die Leute wieder Wert drauf wegen der Nachhaltigkeit und Ökologie", weiß der Juniorchef.

Der Beitrag "Kochgeschichten" mit Bericht von der Firma Helo aus Waldfenster wird am Sonntag, 20. November, um 19.15 Uhr im bayerischen Fernsehen als Teil der Programmserie "Unter unserem Himmel" gezeigt.


Buche aus dem Umkreis

Auf der Werbemittelmesse PSI, die einmal im Jahr in Düsseldorf stattfindet, gehören sie mit ihrem Stand eher zu den Exoten, weil sie Dinge aus Holz anbieten. Das stammt ausschließlich von Buchen und wird von den Heckelmanns direkt in der Region eingekauft.
"Von Förstern oder Forstbetriebsgemeinschaften im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern", erklärt Hartwig Heckelmann. Etwa 200 Festmeter Buchenholz verarbeitet der Waldfensterer Betrieb pro Jahr - zu ganz profanen Dingen wie etwa Holzbrettchen oder Wäscheklammern. Letztere werden bei Helo übrigens auch aus Plastik gefertigt und werden wie die hölzernen Exemplare in alle Welt exportiert.
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