Einst galt sie als Sinnbild für Kraft, Wagemut und Schnelligkeit - die Lokomotive. Welche Faszination sie auf die Menschen früher ausgeübt hat, lässt sich am Beispiel der Dampflok 52 7409 im Würzburger Eisenbahnmuseum nachvollziehen. Zumindest derzeit noch. Denn die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte (DGEG) denkt laut Christian Sultan, seit März neuer Leiter des Museums, über die Schließung des unrentablen DGEG-Standorts Würzburg nach.
Die Liste, die der neue Museumsleiter abzuarbeiten hat, ist lang: "Letztlich geht es darum, wieder Struktur und Ordnung in das Museum zu bringen." Beides ging diesem in letzter Zeit ab. Vor allem aber muss Christian Sultan neue Geldquellen erschließen: "Uns fehlen derzeit 50 000 bis 60 000 Euro." Diese Summe ist nötig, um die Dampflok und die Waggons so herzurichten, dass endlich wieder Fahrten angeboten werden können. Würde das derzeit zehnköpfige Aktiven-Team es schaffen, das historische Equipment in einen solchen Zustand zu versetzen, dass jährlich zehn bis zwölf Fahrten mit jeweils 300 Menschen organisiert werden können, könnte sich das Museum endlich wieder tragen.
Das Würzburger Eisenbahnmuseum bietet "großen Jungs" die Möglichkeit, "Eisenbahn in echt" zu spielen, wie Sultan es ausdrückt. Mehr Menschen für Eisenbahngeschichte zu begeistern und neue Mitstreiter für die Museumswerkstatt zu gewinnen, auch das gehört zu seinen neuen Aufgaben: "Wir sind auf der Suche nach Schlossern, Schreinern und Elektrikern." Und nach Menschen wie Klaus Röhrich aus dem hessischen Bad Schwalbach, der von Beruf Verwaltungsfachangestellter ist, also nichts mit Technik zu tun hat, in seiner Freizeit jedoch gerne an der Dampflok im Würzburger Museum schraubt. "Mindestens einmal im Monat komme ich hierher", erzählt er.

Ausbildung zum Heizer


Parallel zum Schrauben und Tüfteln können sich Aktive in der Museumswerkstatt von Lok-Verantwortlichem Uli Wagner zum Heizer ausbilden lassen. Auch Christian Sultan ist seit längerem dabei, Heizer zu werden. Eigentlich wollte er die Prüfung längst abgelegt haben. Doch die Lok war von Frühjahr bis Sommer 2011 nach Stuttgart ausgeliehen, um Geld für das Würzburger Museum einzufahren: "Doch dort ging man nicht pfleglich mit ihr um."
Wer im Schein der Frühlingssonne historische Eisenbahnluft schnuppern möchte, kann dies dennoch am 29. April tun: Dann werden vier historische Waggons aus dem Eisenbahnmuseum auf eine Reise durch das Taubertal nach Bamberg geschickt. Eigentlich sollten die Wägen von der Würzburger "52er" gezogen werden. Ein Plan, der sich durch das Unglück bei Stuttgart zerschlagen hat. "Doch wir fanden eine Dampflok aus Hanau, die nun für uns einspringt", erzählt Sultan. Der "Run" auf das Eisenbahnereignis ist groß: "350 Anmeldungen liegen uns schon vor." Über die Touristikgemeinschaft Liebliches Taubertal sind noch Restkarten erhältlich.
Alles deutet darauf hin, dass Christian Sultan es schaffen wird, das Würzburger Eisenbahnmuseum wieder auf solide Füße zu stellen. Sein Konzept hierfür stieß bei der Gesellschaft für Eisenbahngeschichte auf große Resonanz. Dass er einmal Leiter des Museums werden würde, hätte er sich selbst bis vor einem Jahr nicht träumen lassen. Schließlich ist es gerade erst vier Jahre her, dass Sultan zum Team der Dampflokwerkstatt stieß. Doch sein Vorgänger im Amt hatte sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Er wurde abgewählt. Dass Sultan neuer Museumschef ist, macht dem Würzburger DGEG-Team Mut - denn der Standort, wünschen sie, soll auf jeden Fall erhalten bleiben.