Bad Kissingen
Kurhaushotel

Einst das vornehmste Hotel Bad Kissingens

Es war ein langer Weg vom ersten Kissinger Kurhaus zum Steigenberger-Hotel. Alles begann im 18. Jahrhundert mit dem Fürstbischof von Würzburg. Ein Blick in die Geschichte des Hauses.
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Als die Welt noch in Ordnung schien. Das damalige Steigenberger Kurhaushotel in Bad Kissingen auf einer Postkarte des Metz-Verlages aus den 1970er Jahren. Foto: Archiv
Als die Welt noch in Ordnung schien. Das damalige Steigenberger Kurhaushotel in Bad Kissingen auf einer Postkarte des Metz-Verlages aus den 1970er Jahren. Foto: Archiv
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Es sollte schon einmal abgerissen werden, das Königliche Kurhaus und spätere Kurhaushotel. Mitte der 1950er Jahre, als sich das historische Gebäude in einem heruntergekommenen Zustand befand. Den entsprechenden Beschluss hatte der Landtagsausschuss 1955 schon gefasst. Doch anders als heute sprang mit Steigenberger rechtzeitig ein renommierter Hotelkonzern in die Bresche. Nach Abschluss eines langfristigen Pachtvertrages sanierten und modernisierten Steigenberger und Freistaat das Gebäude gemeinsam.

Ein solcher Investor und Betreiber fehlte, nachdem der Freistaat und der Steigenberger Konzern zum 31. Oktober 2010 den Pachtvertrag vorzeitig gekündigt hatten. Inzwischen ist vom Hauptgebäude nur noch ein Häufchen Schutt übrig geblieben.

Angefangen hatte alles mit dem Würzburger Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn, nachdem dieser die heilsame Wirkung der Kissinger Quellen am eigenen Leibe erfahren hatte. Allerdings fehlte es damals an einer standesgemäßen Unterkunft für den fränkischen Adel und die Herren des Würzburger Domkapitels. Also beauftragte der Fürstbischof den großen Barockbaumeister Balthasar Neumann mit den Plänen für ein Kissinger Kurhaus. Von 1737 bis 1739 entstand an der Stelle des späteren Kurhaushotels ein zweistöckiges Gebäude, das schon 1768 um zwei Seitenflügel erweitert werden musste. 1803 folgte ein weiterer Anbau.


Das Modebad

In die Reihe der deutschen Modebäder rückte Kissingen auf, als es 1814 zusammen mit dem Fürstbistum Würzburg bayerisch geworden war. Aus dem fürstbischöflichen wurde ein königliches Kurhaus.
1824 suchte das Königreich einen Pächter für die Kissinger Kuranlagen samt Kurhaus und Quellen und fand mit den Gebrüdern Bolzano die richtigen Partner. Von 1828 bis 1830 erhielt das Kurhaus auf Initiative der Bolzanos einen durch König Ludwig I. genehmigten rückwärtigen Anbau, 1855 bis 1856 spendierte das königliche Finanzministerium eine Badeabteilung mit 16 Kabinen und zwei damals hochmodernen "Douche-Maschinen".


Hotel Royal de Bain

Die anderen Kissinger Kurhalter reagierten allerdings recht sauer auf diese Baumaßnahmen, erwarteten sie doch, dass die vornehmen Gäste ausschließlich im "Hotel Royal de Bain", wie sich das Kurhaus damals stolz nannte, logieren würden. Sogar König Ludwig I. ließ das nicht völlig kalt. Als er 1833 erstmals in Kissingen weilte, übernachtete er ostentativ in einem anderen Haus.

Das wohl bedeutendste Kurjahr in der Geschichte der Stadt war 1864. Damals kurten Kaiser Franz-Josef I. von Österreich mit seiner Gemahlin Sisi und zahlreiche andere Gäste aus dem europäischen Hochadel in Kissingen. Das österreichische und das russische Kaiserpaar logierten natürlich im Königlichen Kurhaus.
1881 bis 1882 wurden die Fassade und das Innere des Hauptgebäudes großzügig umgestaltet. Und damit auch jeder sah, wer Eigentümer des Kurhauses war, wurde das Dach mit bayerischen Löwen und dem königlichen Staatswappen gekrönt.

Als "erstes Haus am Platze" waren Königreich und Pächter stets bemüht, das Kurhaus auf dem neuesten Stand zu halten. Als Beispiel mag die Installation einer elektrischen Beleuchtung in den Jahren 1900 bis 1901 dienen. Mit dem I. Weltkrieg blieben vor allem die aus Russland kommenden Kurgäste aus, auch die Krisenzeiten der Weimarer Republik schlugen sich in den Gästezahlen negativ nieder. Doch Bad Kissingen, inzwischen nicht mehr Königliches sondern Staatliches Bad, verfiel nicht in Resignation. So entstand 1927 nach den Plänen von Professor Max Littmann das Kurhausbad mit direkter Verbindung zum nun Kurhaushotel genannten Gebäudekomplex. 1930 schließlich wurde der rückwärtige Winkelbau des Hotels aufgestockt und um die damals modernsten sanitären Einrichtungen ergänzt.

Der II. Weltkrieg und die Nachkriegszeit hinterließen am ehemaligen "Königlichen Kurhaus" gravierende Spuren. 1941 beschlagnahmte die Wehrmacht das Haus, 1945 zogen die Amerikaner ein. Anschließend diente das Hotel, das einst hohe und allerhöchste Herrschaften beherbergt hatte, als Unterkunft für Flüchtlinge. Anfang der 1950er Jahre war das Haus so heruntergekommen, dass der Staat den Abriss plante.


Bekenntnis zu Bad Kissingen

Doch die Hotelgesellschaft unter Albert Steigenberger setzte auf den Kurort an der fränkischen Saale und schloss 1958 einen langfristigen Pachtvertrag mit dem Freistaat. Das Hotel wurde komplett saniert und modernisiert. Dabei verlor das Hauptgebäude allerdings seine charaktervolle Fassade zugunsten einer Front in "modern-sachlichem Stil". Nur die Löwengruppe mit dem bayerischen Wappen durfte bleiben.


Festliche Eröffnung

Das "neue" Kurhaushotel wurde am 20. Mai 1959 durch den stellvertretenden Ministerpräsidenten Rudolf Eberhard festlich eröffnet, Generalkonsul Egon Steigenberger ging in seiner Begrüßungsansprache auf die "mit "wirtschaftlichem Verständnis" geführten Verhandlungen mit Stadt und Freistaat ein. Der Steigenberger-Konzern und der Freistaat investierten in den nächsten Jahrzehnten regelmäßig in das Hotel und feierten 1988 30 Jahre Pachtvertrag.

2009 wechselte der Hotelkonzern den Besitzer. Sowohl der Freistaat als auch der neue Eigentümer schienen kein großes Interesse am Kurhaushotel mehr zu haben. Die Steigenberger Hotels AG und der Freistaat Bayern trennten sich einvernehmlich, der bis 2025 geltende Pachtvertrag wurde zum 31. Oktober 2010 vorzeitig beendet. Hintergrund für diesen Schritt waren nach offizieller Lesart der notwendige Sanierungsaufwand, vor allem in den Brandschutz.

Die Schließung des "ersten Hauses am Platze" traf Bad Kissingen wie ein Keulenschlag. Alle nun folgenden Bemühungen, einen Betreiber für das Kurhaushotel beziehungsweise einen Investor für einen Neubau zu finden, verliefen im Sande.


Baureif bereitgestellt

2013 entschloss sich der Freistaat, das Hauptgebäude des Kurhaushotels samt Kurgastzentrum abzureißen. Das Grundstück soll freigestellt und baureif zur Errichtung eines neuen Hotels ausgeschrieben werden. Inzwischen ist das Hauptgebäude dem Erdboden gleichgemacht, der "Neumann-Flügel" und das Kurhausbad harren der Dinge, die da kommen. Und die Kissinger hoffen, dass das nicht auf Jahre hinaus eine begrünte Freifläche und ein zweckentfremdetes Badehaus sein werden.



Ein Blick ins Gästebuch

Im Gästebuch des Steigenberger finden sich zahlreiche illustre Namen.
Unter anderem haben sich eingetragen: das thailändische Königspaar Bhumibol und Sirikit, die Bundespräsidenten Heinrich Lübke mit Gattin Wilhelmine, Karl Carstens, Johannes Rau und Roman Herzog, die Sänger Rudolf Schock, René Kollo, Karel Gott, und Freddy Quinn, die Schauspieler Marlene Dietrich, Grit Böttcher, Curd Jürgens, Horst Tappert und Günter Strack, zu den dort logierenden Sportlern zählte "Kaiser" Franz Beckenbauer. Noch exklusiver liest sich die Liste der Persönlichkeiten, die im Königlichen Kurhaus weilten. Auch hier langt der Platz nur für eine kleine Auswahl: Gustav Prinz von Wasa, Zar Alexander II. von Russland mit Gemahlin und Kindern, Kaiser Franz-Josef I. und Kaiserin Elisabeth von Österreich, die Herzogin von Norfolk, Johann Albrecht Herzog von Mecklenburg-Schwerin, der Herzog von Cambridge, Prinzessin Reuss VII. Herzogin zu Sachsen, Großfürst Michael von Russland und Großfürst Alexander Michailowitsch mit Großfürstin Xenis Alexandrowna von Russland.



Präsident im Bademantel

Um das Kurhaushotel ranken sich auch einige Anekdoten. Ein alter Kissinger erinnert sich an eine Geschichte mit Bundespräsident Heinrich Lübke. Der logierte bei seinem ersten Bad Kissinger Kuraufenthalt im Steigenberger. Extra für den Präsidenten hatte man eine Badezelle ausgewählt, die Lübke unbemerkt erreichen konnte. Davon wusste der damalige Bäderdirektor Emil Ruppert allerdings nichts. Er holte Lübke vor der abgesprochenen Zeit in seinem Zimmer ab und führte den nur mit Bademantel und Badeschlappen bekleideten Bundespräsidenten ins Bad, allerdings mitten durch das vollbesetzte Foyer. Die Menschen dort spendeten begeistert Applaus. Weniger begeistert war Lübke. Ihm war das Ganze furchtbar peinlich, zumal der Rückweg wieder durchs Foyer führte. Nur durch gutes Zureden gelang es seinem Badearzt, Dr. Hans-Georg Dehnhardt, Lübke von der sofortigen Abreise abzuhalten. Der Bundespräsident kam noch mehrmals nach Bad Kissingen. Damit ihm eine solche Panne nicht mehr passieren konnte, kurte er fürderhin im Sanatorium seines Badearztes, im damaligen Kurländer Haus in der Menzelstraße. mäu-


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