Wildflecken

Einsatz mit Atemschutz und Drehleiter

Die Berufsfeuerwehr München hat zum 29. Mal in der sogenannten "Housing-Area" geübt. Viele Besucher des "Wilden Sommers" waren live dabei.
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Die Berufsfeuerwehr München übt einen Gebäudebrand. Fotos: Gerd Schaar
Die Berufsfeuerwehr München übt einen Gebäudebrand. Fotos: Gerd Schaar
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mmer Ende Juli sind im abgesiedelten Bereich der Rhön-Kaserne viele Blaulichter zu sehen. Dann ist in der sogenannten "Housing-Area" wieder die Münchener Berufsfeuerwehr zu Gast, heuer im 29. Jahr. Seit Freitag gibt es permanente Übungseinsätze. Einen Teil dieser Übungen konnten die Besucher des "Wilden Sommers" am Wochenende aus nächster Nähe beobachten.

So galt es, bei einem simulierten Verkehrsunfall technische Hilfe zu leisten und zwei Verunglückte aus den Auto zu retten. Während das eine Opfer ein Komparse aus Fleisch und Blut war und schnell gerettet werden konnte, war das andere Opfer ein lebensgroßer Patientensimulator, eine High-Tech-Puppe mit besonderen inneren Werten. Rettungssanitäter-Ausbilder Andreas Tretschok: "Diese Puppe hat programmierbaren Blutdruck, Atmung, Puls und die fernsteuerbare Möglichkeit, sich verbal zu äußern." So saß diese Puppe stöhnend auf dem Beifahrersitz des verunglückten Autos, als das Notarztteam sich näherte. Das kam der Realität schon sehr nahe.
Das zweite Übungsszenario am Rande dieses Festes war ein Gebäudebrand, aus dem per Leiter ein Verletzter zu retten war. Die Schaulustigen verfolgten in dicht gedrängten Reihen hinter dem Absperrband das Geschehen aus nächster Nähe. Jetzt war das erlaubt, was sonst verboten ist. Die privaten Fotokameras und Handycams schnellen in die Höhe. "Toll, dass man hier so nah dabei ist", schwärmte der kleine Kevin unterhalb des rotweißen Plastikbandes. Auch Vater Karl-Heinz Müller war oberhalb des Bandes total hingerissen.

Explosion per Fernsteuerung

Bei Dachdeckerarbeiten gab es einen Brand, und eine Gasflasche explodierte im Übungsfall nicht wirklich, aber täuschend ähnlich. So flogen auch Teile durch die Luft, die jedoch niemand verletzen konnten. Den Knall der Explosion und weitere Effekte steuerten die Pyrotechniker per Fernsteuerung, als die Feuerwehrkameraden vor Ort eintrafen. So zum Beispiel auch Thomas Ehrl: "Der Belag des Flachdachs brennt. Die Gasflasche darauf ist in Gefahr. Der Lehrling ist verletzt auf dem Dach zurückgeblieben und hat mittlerweile schon eine Rauchvergiftung", erklärte er das Szenario. Im Verlauf des Einsatzes, bei dem auch die Drehleiter zur Rettung hilft, explodieren weitere Gasflaschen täuschend echt. Nichts für schwache Nerven. Da haben sich die sieben Schiedsrichter aus der Münchner Feuerwehrschule ganz brutale Gemeinheiten ausgedacht. Ehrl: "Ich wünsche mir, dass bei den Übungen hier viele Fehler gemacht werden. Denn beim ernsthaften Einsatz daheim in München sollten diese nicht mehr vorkommen."
"Die Verletzten müssen sofort gerettet werden, eventuelle Explosionen verhindert und die Brände gelöscht werden", erklärt Pressebetreuer Dieter Welle. Auch ein Fernseh-Team des Bayerischen Rundfunks ist inzwischen eingetroffen und peilt nach einem guten Standpunkt für die Kamera. Mittlerweile dämmert's, und die Nachtübungen stehen an. So rücken die Münchner Wehren auch zu weiteren Wohnungsbränden aus. Alles ist bestens vorbereitet - bis hin zu den installierten Straßenschildern mit Münchner Straßennamen und den Komparsen aus den eigenen Reihen der Floriansjünger.

Hauptsächlich Berufsanfänger

Die jungen Männer haben ihren Spaß, wenn sie mit auffälligen Perücken eine kurze Zeit lang in die Rollen von "Chantal" oder "Jaqueline" als potenzielle Brandopfer schlüpfen. Ist doch neben dem Seniorenheim auch noch ein Etablissement mit Herz das nächtliche Einsatzziel.
Die rund 300 Feuerwehrleute aus den zehn Münchner Wehren sind hauptsächlich Berufsanfänger, die ihre Eignung während der Wildfleckener Übungstage unter Beweis stellen müssen. Aber auch Abordnungen von Berufs- und Werksfeuerwehren aus Augsburg, Ingolstadt, Nürnberg sowie aus Salzburg, Innsbruck und Paris ließen sich blicken. Letztere fielen durch ihre Goldhelme besonders auf. Die Münchner Berufsfeuerwehr zählt rund 1700 Mitarbeiter, inklusive Verwaltung.
Zur 29. Außenübung waren heuer etwa 100 Fahrzeuge durch Bayern herangerollt. Geschätzt wird vor allem die realistische Übungsmöglichkeit, für die die Münchner jedes Jahr rund 30 000 Euro zahlen. Professionalität hat eben ihren Preis. Und die Übung hat einen positiven Nebeneffekt für die Rhön: "Hier könnten wir gerne mal Urlaub machen. Der Kreuzberg hat die Atmosphäre von Andechs - nur ist es dort viel preiswerter", sagten einige der Übungsteilnehmer.




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