Ebenhausen
Integration

Einmal im Rampenlicht stehen

Ein Zirkusprojekt mit Flüchtlings-Kindern begeisterte in Ebenhausen nicht nur die kleinen Akteure, sondern auch die Eltern und das Publikum in der örtlichen Turnhalle.
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Die jungen internationalen Zirkuskünstler und ihre Lehrer bedanken sich beim Publikum. Foto: Werner Vogel
Die jungen internationalen Zirkuskünstler und ihre Lehrer bedanken sich beim Publikum. Foto: Werner Vogel
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Schüler der Berufsfachschule für Physiotherapie gestalten mit Flüchtlingskindern aus Ebenhausen ein berührendes Zirkusprojekt. Die Kinder kommen aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern - aus Syrien, der Ukraine, Afghanistan und dem Kosovo. Zu Hause und auf der Flucht haben sie Schlimmes erlebt. Mit ihren Eltern haben sie im Flüchtlingsheim Ebenhausen eine vorübergehende Bleibe gefunden, sind zu einer Schicksalsgemeinschaft geworden, bis über ihren
Asylantrag entschieden ist.
Für ein paar Stunden haben sie sich auf Initiative der Schweinfurter Hans-Weinberger- Akademie für Physiotherapie gemeinsam unter einem angedeuteten Zirkuszelt zusammengefunden, um sich selbst, ihren Eltern, einigen Betreuern und interessierten Bürgern zu zeigen: Wir meistern das Leben in der Fremde.

Anrührende Auftritte

Seit Oktober hatten die Schüler der Berufsfachschule ein kleines Zirkusprogramm zusammengestellt und mit den Kindern im Asylantenheim eingeübt. Am Samstagvormittag war es dann soweit und sie konnten ihr Projekt in der Schulturnhalle Ebenhausen vorstellen. Lehrerin Belinda Böhm sprach von einem schwierigen Projekt, das allen Beteiligten einiges abverlangt habe. Die Verständigung war nicht das Hauptproblem: "Die Kinder lernen schnell, Deutsch zu verstehen" meint die Pädagogin. Schwieriger war, Zugang zu ihnen zu finden. Da waren die Eltern ins Boot zu holen und Rücksicht auf fremde Sitten und Gebräuche zu nehmen. "Wir mussten lernen, dass traumatisierte Kinder strukturiertes Lernen und Üben nur schwer hinkriegen". Mit Hilfe von Sibylle User, der Sozialpädagogin der Caritas, die die Asylbewerber in Ebenhausen betreut, sei das gut gelungen.

Löwennummer aus dem Kosovo

Und so wurde mit wenig Worten, aber viel Vormachen, mit Gestik und Mimik eine Löwennummer mit fünf Kindern aus dem Kosovo einstudiert. Selmira, Sanella und Samira, die ältesten der Mädchen, zeigte Purzelbaum und Handstand, und hatten ihren kleinen Geschwistern einfache Klettereien beigebracht. Fertig war eine viel beklatschte Löwendressur.
Unter den lustigen Spaßmachern aus Afghanistan hatte sich ein ganz kleiner trauriger Clown gemischt, der mit dunklen verträumten Augen die Herzen der Zuschauer gewann. Zwei Zauberer kamen aus der Ukraine, das verschwundene Herz Ass hatten sie dem Papa zugesteckt.

Gemeinsam Seilhüpfen

Die Hula Hoop-Akrobatin aus Syrien balancierte auf dem Ball und ließ den Reifen flott um ihre kleine Taille kreisen. Und wenn"s beim ersten Mal nicht klappte, dann eben beim zweiten Versuch. Den Zuschauern hat es Riesenspaß gemacht, die Kinder fröhlich und unbeschwert zu erleben, die Eltern sparten nicht mit Beifall, auch wenn mal ein Zaubertrick danebenging, oder die Choreographie beim gemeinsamen Seilhüpfen nicht ganz perfekt gelang. Die Schülerinnen und Schüler gaben Hilfestellung, wo sie nur konnten. Wenn ein Kind aber, vielleicht beeindruckt vom Rampenlicht die Manege verließ , um auf den Schoß der Eltern zu klettern, dann fiel die Nummer ganz einfach aus.
Dennoch war es berührend zu sehen, dass immer wieder ein Kreis gebildet wurde, man sich an die Hand nahm und gemeinsam gesungen und geklatscht wurde. Stolz zeigten die Kinder am Ende kleine Flaggen aus ihren Heimatländern.
Sozialpädagogin Sibylle User lud danach zu gemeinsamem Kaffee und Kuchen und es fand sich eine bunte, multikulturelle Gesellschaft zusammen. Schulleiterin Anja Amend war sichtlich stolz auf ihre Lehrerin und deren Schüler: "Zirkus führt irgendwie zusammen", meinte sie. "Für die Flüchtlingskinder war es individuelle Förderung und herausfordernde Abwechslung vom Alltag. Wir haben viel über den Hintergrund der Familien erfahren und das war auch für unsere Schüler ein prägendes Erlebnis. Es war ein Gewinn für alle Seiten".

Lachende Gesichter

Der Oerlenbacher Bürgermeister Franz Kuhn fasste die Vorstellung so zusammen: "Ich habe nur lachende Gesichter gesehen". Das hat das Gemeindeoberhaupt ganz richtig gesehen: Auf dem Schoß der Mutter sitzend, strahlte jetzt auch der kleine traurige Clown aus Afghanistan.
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