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Oerlenbach
Grenzgang

Einmal gestaucht, nie vergessen

Diesmal ging es rund um die Oerlenbacher Gemarkung. Bürgermeister Franz Kuhn ist selbst Feldgeschworener und berichtete unter anderem von Siebenerwesen, Windpark, Gewerbepark und der KG 43 neu .
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Zum Grenzgang gehört das Stauchen. Diesmal "stauchten" die Feldgeschworenen ihren Kollegen und seit Mai 2014 neuen Bürgermeister Franz Kuhn. Foto: Stefan Geiger
Zum Grenzgang gehört das Stauchen. Diesmal "stauchten" die Feldgeschworenen ihren Kollegen und seit Mai 2014 neuen Bürgermeister Franz Kuhn. Foto: Stefan Geiger
Im jährlichen Wechsel finden Grenzgänge rund um die vier Gemarkungen der Großgemeinde Oerlenbach statt. Diesmal umwanderten 45 Teilnehmer den kleinsten Flächenteil, nämlich die 11,9 Kilometer lange Strecke um den Bereich Oerlenbach. Unterwegs wurden markante Punkte oder aktuelle Vorhaben wie "KG 43 neu", Gewerbepark an der A 71 oder Windkraftanlagen in Ramsthal nahe der Grenze zu Oerlenbach angesprochen.

In den Tagen zuvor hatten die Oerlenbacher Feldgeschworenen Stefan Kuhn, Ernst Hofmann und Franz Kuhn die Strecke vorbereitet und an vielen Grenzsteinen Zusatzmarkierungen angebracht. Start war am Sportheim, um von dort aus die Gemarkung im Uhrzeigersinn zu umlaufen. Immer wieder ließen Bürgermeister Franz Kuhn - selbst Feldgeschworener - und Stefan Kuhn allgemeine oder besondere Informationen einfließen. Dazu erhielt jeder Teilnehmer einen Plan der Gemarkung mit ihren 450 Hektar.

Die ältesten Ämter

"Deutlich größer sind Ebenhausen mit 1200, Rottershausen mit 1000 und Eltingshausen mit 700 Hektar. Unterschiedlich sind ebenso die Rundwege mit 19,7 Kilometer für Ebenhausen, 16,1 Kilometer für Rottershausen und 11,7 Kilometer für Eltingshausen mit der kompaktesten Gemarkung", stellte Bürgermeister Kuhn eingangs heraus.
Weitere Details fügte Kuhn zum Siebenerwesen an: "Feldgeschworene haben mit die ältesten Ämter kommunaler Selbstverwaltung inne. Seit 500 Jahren übernehmen sie Abmarkungen. Heute unterstützen sie die Vermessungsämter mit ihren elektronischen bzw. satellitengestützten Techniken, die eine zentimetergenaue Festlegung bzw. Wiederherstellung der Grenzpunkte ermöglichen. Feldgeschworene helfen vor allem dann, wenn Grenzen rasch und kostengünstig zu überprüfen sind und nach Flurbereinigungen neue Zuteilungen erfolgen." Feldgeschworene würden auf Lebenszeit verpflichtet und gelobten Verfassungstreue, Unparteilichkeit und Verschwiegenheit. Dahinter stecke das sogenannte Siebenergeheimnis als besondere Methode, Grenzzeichen zu sichern bzw. wiederherzustellen. Welche Belege zur Sicherung verwendet werden, liege im Ermessen der Feldgeschworenen. In Frage kämen Glas, Porzellan, Ton, Ziegel oder Steine, einst auch mit dem Wappen oder Herrschaftszeichen wie "K.B." für Königreich Bayern versehen.

Planung liegt beim Landratsamt

"Über Jahrhunderte haben die Siebener die Grenzen behütet. Sie genießen bis heute Ansehen und Wertschätzung, wenn sie verloren gegangene Grenzpunkte wiederherstellen. Ihre Entscheidungen werden ohne Bedenken anerkannt", rundete Kuhn zum Ehrenamt ab.
Auf dem Rundweg wurde jeweils ein Halt an den Dreimärkern eingelegt, also dort, wo drei Gemarkungen aufeinanderstoßen. "Diese Steine weisen in drei Richtungen", zeigte Stefan Kuhn am Zusammenstoß von Oerlenbach mit Eltingshausen und Rottershausen. Im Bereich der Kreuzung der B 19 (heute Staatsstraße 2445) mit der Kreisstraße KG 43 erläuterte Bürgermeister Kuhn die Trasse der "KG 43 neu": "Planung und Umsetzung liegen beim Landratsamt. Da nicht alle nötigen Flächen im Vorfeld erworben werden konnten, ist ein Planfeststellungsverfahren nötig. Das Konzept steht weitgehend, wobei seitens Gemeinde und Bürger eine höhengleiche Anbindung der alten KG 43 an die neue Route im Talgrund gewünscht wird." Typisch sei, dass für einzelne Stellen die angrenzenden Dörfer unterschiedliche Namen verwenden: "Die Oerlenbacher sagen Dürrstee, die Eltingshäuser Wachtelberg, die Rottershäuser Lerchenhöh", flocht Kuhn ein.

Tankstelle kommt

Bei der Tour mit dabei waren die Feldgeschworenen der Nachbargemeinden als Zeichen gemeinsamer Verantwortung. Die Gruppe kam direkt am neuen Gewerbepark Oerlenbach/ Poppenhausen an der A 71 vorbei. "Diese interkommunale Maßnahme mit 22 Hektar ist erschlossen und gut angelaufen. Im letzten Jahr verlegte die Firma Metalltechnik Zitzmann (MTZ) ihren Betrieb an diesen Standort.
Als zweites Unternehmen schafft die Firma ,Tamoil‘ aus Elmshorn in den nächsten Monaten eine Tankstelle", informierte Kuhn. Auf der halben Strecke an der "Vogelinsel" spendierte Jagdpächter Werner Kleinhenz eine Brotzeit.
Für manchen Teilnehmer war neu, dass die Grenze den Rand von Ebenhausen durchschneidet. Baywa und ein paar Wohnhäuser stehen auf Oerlenbacher Grund. In Richtung "Donnerloch" verwies der Bürgermeister auf geplante Windräder auf Ramsthaler Seite.
Am Dreimärker Oerlenbach-Ramsthal-Arnshausen durfte das traditionelle Stauchen nicht fehlen. Dieses Ritual traf diesmal den neuen Bürgermeister Franz Kuhn, der zuvor den Ursprung als Sitte, sich etwas besonders gut einzuprägen, erklärt hatte.
Abschluss war am Sportheim, wo die Gemeinde eine Stärkung servierte. Mitnehmen durften die Teilnehmer, dass Grenzen in wörtlichem und übertragenem Sinn generelle Gültigkeit haben müssen. Im nächsten Jahr führt der Grenzgang rund um Rottershausen.
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