Reiterswiesen — Sobald sie auf der Bühne stehen, ziehen sie die Blicke auf sich. Sie sind eindeutig der Hingucker des Abends. Ihre Tanzschritte ziehen das Publikum in den Bann, ihre Kleider funkeln und schwingen passend zum Takt. Nicht nur die anmutigen Bewegungen der Garde-Mädchen, auch ihre Kostüme werden von Groß und Klein jedes Jahr aufs Neue bewundert.
"Du kannst einen super Tanz haben, aber ohne besondere Kostüme kommt einfach nichts rüber", weiß Katharina Haase. Die 22-Jährige tanzt schon seit zwölf Jahren beim Karnevalsverein. Heuer trainiert sie außerdem zum dritten Mal die Blauen Husaren. Kostüme spielen für sie eine große Rolle. Mit ihnen steht und fällt der ganze Auftritt.
"Bei den Kostümen kann man sich bei uns immer auf was gefasst machen", schwärmt die junge Faschingsnärrin. Und damit übertreibt sie keineswegs. Der Verein hat einen riesigen Bestand an schillernden Kostümen aus den vergangenen Sessionen. Faschingsliebhaber dürften bei all den Farben, Stoffen, und fantasievollen Stickereien ins Schwärmen geraten. Federboa und Glitzerpailetten fehlen auf fast keinem Kostüm. Jedes ist für sich ein echter Blickfang.
Und das schafft jedes Jahr aufs Neue eine einzige Frau: Barbara Tkocz. Die Näherin aus Bad Bocklet kümmert sich bereits seit vielen Jahren um die Kostüme für die Showtänze. Und sie hat viel zu tun, denn Reiterswiesen hat gleich fünf verschiedene Tanzgruppen zu bekleiden: Die Mini-Garde, die Linsenspitzer-Garde, die Blauen Husaren, die Prinzengarde und die Glamour Ladys. Ob Afrika, Dschingis Khan oder Pokerface - zu jedem Faschingsmotto zaubert sie hinreißende Kleider, Röcke, Blusen oder Hüte.
Gemeinsam mit den Trainerinnen kauft Tkocz die Stoffe in Weyersfeld ein, dann kann die Arbeit für sie losgehen. Je nachdem, wie aufwändig die Näharbeiten sind, braucht sie drei bis viereinhalb Stunden für ein einzelnes Kostüm. Und das bei insgesamt 60 Gardetänzerinnen. "Sie weiß einfach, wie sie die Kleider nähen muss, dass man sich darin auch bewegen kann", lobt Haase die raffinierten Schnitte der Näherin.
Rund 3000 Euro plant der Verein für die Showtanzkostüme jedes Jahr ein, weiß Alexandra Bühner, Trainerin bei den Glamour Ladys, der Prinzengarde und den Blauen Husaren. Nur die Glamour Ladys zahlen ihre Kostüme selbst.
Für die Prinzengarde hat Barbara Tkocz 2001 außerdem ein neues, rot-schwarzes Gardekostüm entworfen. Alle 15 Jahre ist ein neues fällig, schätzt Bühner. Auch die Blauen Husaren tanzen seit 2007 in einem neuen Gardekostüm. Das kommt von der Firma Fröhlich in Frankenbrunn. Kostüm, Hut und Schuhe kosteten pro Tänzerin 700 Euro. Bei all der Vorbereitung - schief gehen kann trotzdem immer etwas. Katharina Haase erinnert sich an ein persönliches Missgeschick. Fünf Minuten vor einem Auftritt öffnete sich der Reißverschluss ihres Gardekostüms auf einmal von selbst. Mit vielen Sicherheitsnadeln konnte das Problem aber zum Glück schnell gelöst werden und der Tanz konnte beginnen.
"Nach Fasching lassen wir die Kostüme vorerst in Ruhe", sagt Haase. Heute Abend haben sie bei der Prunksitzung aber erstmal ihren großen Auftritt.