Riedenberg
Einzelhandel

Eine echte Handwerksbäckerei für Riedenberg

Die Bäckerei Jörg war aus Riedenberg gar nicht wegzudenken - bis im Sommer die Nachricht kam, dass der Pächter aufgibt. Am Montag eröffnet Familie Hahn aus Bad Brückenau eine Filiale. Das Besondere: Die Hahns betreiben noch echtes Handwerk.
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In den 1960er Jahren war die Bäckerei Jörg noch ein Familienbetrieb. Das Bild zeigt von links Oskar Schumm, dahinter Rita Schumm, Imelda Jörg, Josef Jörg und Erhard Schumm. Fotos: privat
In den 1960er Jahren war die Bäckerei Jörg noch ein Familienbetrieb. Das Bild zeigt von links Oskar Schumm, dahinter Rita Schumm, Imelda Jörg, Josef Jörg und Erhard Schumm. Fotos: privat
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Riedenberg atmet auf. Ab dem Montag geht die Ära der Bäckerei weiter. Nachdem im August plötzlich der bisherige Pächter der Bäckerei Jörg die Pforten schloss, gab es viele betroffene Gesichter im Ort. "War es das? Stirbt nun, wie in so vielen Gemeinden, auch bei uns die Bäckerei?" So oder so ähnlich gingen die Kommentare und sorgenvolle Gespräche durch die kleine Rhöngemeinde.

Bäckertradition seit 1928

Seit Karl Jörg die Bäckerei 1928 gründete, konnten die Riedenberger vor ihrer Haustür Brot, Brötchen und Gebäck kaufen. Zu Gründerzeiten war das Geschäft ein reiner Familienbetrieb. Ehefrau Maria sowie die Kinder Rita, Anna, Imelda und Josef mussten von frü hester Kindheit mit anpacken. Zum Teil arbeiteten später gar die Schwiegersöhne mit.

Alles schien wunderbar zu laufen, als Sohn Josef mit nur 21 Jahren die Meisterprüfung im Bäckereihandwerk ablegte und das Geschäft übernahm. Das war im Jahr 1969. Doch 1974 verunglückte Josef Jörg tödlich. Nach diesem Schock wusste zunächst niemand, wie es mit der Bäckerei weitergehen sollte. Bis 1977 schafften es die Geschwister, den Familienbetrieb mit den Angestellten weiterzuführen. Dann gaben sie das Geschäft zur Pacht frei.

Bis 1984 belieferte der damalige Bäcker Herchenhahn aus Wildflecken das Geschäft, dann zog mit Josef Sell wieder ein Bäcker ins Haus ein, der auch selbst in der Backstube buck. Ab 2004 wurde das Haus wieder zu einem Filialbetrieb einer großen Bad Kissinger Bäckereikette. Nachdem diese nun im August ihre Filiale schloss, begab sich die Tochter von Josef Jörg, Kerstin Schumm, auf die nicht einfache Suche nach einem Nachfolger. Ihr lag sehr viel daran, dass es für Riedenberg mit der Bäckerei weitergeht. Deshalb freut es sie besonders, dass es mit dem heutigen Tag wieder frische Brötchen im Ort gibt.

Elena und Alexander Hahn eröffnen eine Riedenberger Filiale zu ihrer Bäckerei in Bad Brückenau. Auch das Geschäft dort hat Tradition. Im Jahr 2004 übernahm Elena Hahn die ehemalige Bäckerei Löhmer, nachdem sie bereits lange Zeit vorher dort als Bäckerin gearbeitet hatte. Alle alten "Löhmer-Backrezepte" wurden mit dem Geschäft übernommen.

Russlanddeutsche Spezialitäten

"Will man als kleine Bäckerei überleben, muss man das Besondere bieten", weiß Elena Hahn und fügt selbstbewusst hinzu: "Und das können wir bieten. Alles was wir haben, ist noch absolute Handarbeit. Das Brot wird noch mit echtem, selbstangesetzten Natursauerteig gemacht." Diese Qualität hat auch ihren Preis: "Wir müssen schon um 1 Uhr in der Nacht aufstehen, da dieses Verfahren länger dauert, aber es zahlt sich aus", berichten die Hahns. Schließlich erzielten sie so den ganz typischen Geschmack und die länger währende Frische des Brotes.

Zahlreiche Brot- und Brötchensorten sowie Gebäck aus noch selbstgemachtem Blätter- und Plunderteig gehören zum Sortiment. In der Weihnachtszeit backt das Ehepaar Stollen und Plätzchen nach Löhmers Rezepten. "Und auch unsere Spezialitäten nach alten russischen Rezepten fanden in den letzten Jahren immer mehr Liebhaber," erzählen Elena und Alexander Hahn.

Für Riedenberg werden die Brötchen in Bad Brückenau soweit vorbereitet, dass sie im dortigen Laden nachgebacken werden können. Die Bäckerei wird von 6.30 bis 13 Uhr sowie von 14 bis 18 Uhr geöffnet sein, natürlich auch Samstagvormittags. "Wir müssen sehen, wie es anläuft. Danach werden wir die künftigen Öffnungszeiten ausrichten", sagt Elena Hahn. Natürlich hoffen sie, dass sich die Filiale etabliert und auch rechnet. "Vielleicht können wir ja auch Kunden aus den benachbarten Orten gewinnen" hofft Elena Hahn.

So haben es die Riedenberger wohl selbst in der Hand, ob es auch in Zukunft eine Bäckerei geben wird. Bis auf Weiteres geht die Tradition weiter.

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