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Frauenroth
Erzähltheater

Eine Reise ins Mittelalter

Etwas Außergewöhnliches gab es in Frauenroth. Minnegesang an der Grabesstätte von Botenlauben.
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Auch die "Schleiersage" wurde in der Klosterkirche Frauenroth nachgespielt. (v.l.) Werner Vogel, Catherine Vogel und KnudSeckel. Foto: Björn Hein
Auch die "Schleiersage" wurde in der Klosterkirche Frauenroth nachgespielt. (v.l.) Werner Vogel, Catherine Vogel und KnudSeckel. Foto: Björn Hein
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Ganz im Zeichen der hohen Minne des Mittelalters stand das Erzähltheater in der Klosterkirche von Frauenroth. Dabei hatte sich der Heimatverein Botenlauben anlässlich seines 30-jährigen Bestehens etwas ganz besonderes einfallen lassen: an der Grabesstätte von Botenlauben erfuhren seine Lieder eine Wiedergeburt. Minnesänger Knud Seckel erzählte dabei die Lebensgeschichte von Otto von Botenlauben nach, anhand ausgewählter Texte wurde die mittelalterliche
Lebenswelt dem Publikum vor Augen geführt.
Getreu dem Motto "mir hat ein wîp, herze unde lîp betwungen" (frei übersetzt: "Mir hat eine Frau das Herz und den Leib bezwungen") ging es natürlich im Minnelyrik. Beeindruckend war, dass Seckel sehr viel Wert auf eine korrekte historische und linguistische Umsetzung des Minnestoffes legte. So erläuterte er zwischen den einzelnen Weisen das Leben und Schicksal der beiden Protagonisten natürlich im modernen Standarddeutsch. Die Lieder wurden in der mittelhochdeutschen Sprache vorgetragen von Knud Seckel.
Auch die Instrumente waren den mittelalterlichen Pendants nachempfunden. Sei es nun die gothische Harfe, die Drehleiher, oder die Flöte: man versuchte, historisch korrekt zu sein, so dass nicht nur das Konzert ein wahrer Ohrenschmaus war, sondern auch die geschichtliche Genauigkeit beeindruckte.
Ein großer historischer Bogen wurde erzählerisch gespannt. Spannend war gleich der Anfang, als Seckel rief: "Kaiser Barbarossa ist tot" und damit die Besucher gleich in die mittelalterliche Geschichte mit hinein nahm. Hier trat nun Otto von Botenlauben im Gefolge des späteren Stauferkaisers Heinrich VI. aus dem Dunkel der Geschichte und auch seine ersten Versuche im Minnegesang wurden zu Gehör gebracht. Weiter ging es auf den Kreuzzug. Auch bei den Texten merkte man, dass sich die Minne im weltlichen Sinn und die Liebe zu Gott mehr und mehr verbanden. Seckel wusste dies musikalisch gut zu interpretieren. Kam das "waere cristes lohn" doch sehr medatitiv, fast religiös daher. Im Mittelpunkt stand, dass Otto das Herz der Beatrix de Courtenay eroberte. Mit einer traditionell arabischen Weise deutete Seckel den historischen Hintergrund an. Mit dem "Karfunkelstein" kehrte Seckel mit den beiden Protagonisten wieder nach Franken zurück, das "wahter, ich bin komen ûf gnâde her ze dir" drückte aus, dass sich Botenlauben bewusst war, zu den ganz großen mittelalterlicher Minnelyrik zu gehören.

Die Schleiersage

Natürlich durfte auch das Vortragen der "Schleiersage" nicht fehlen, was der Vorsitzende des Heimatvereins Botenlauben Reiterswiesen, Werner Vogel übernahm. Dabei führte man ein Erzähltheater auf, das begeisterte. Überhaupt legte man auf historische Details sehr großen Wert. So waren auch Ritter vom Historischen Mittelalterverein Bad Kissingen vor Ort. Bei der Sage ging es darum, dass der Schleier von Beatrix von Botenlauben aus nach Frauenroth geweht worden war und dort aufgefunden wurde. Dies wurde als Zeichen Gottes gedeutet, hier ein Zisterzienserkloster zu gründen, was auch geschah.

In den Bann gezogen

Der Vorsitzende des Heimatvereins Botenlauben, Werner Vogel, war mit der Resonanz sehr zufrieden. "Es ist etwas Besonderes, hier, an der Ruhestätte Otto von Botenlaubens dessen Lieder zu hören", meinte er. Auch Minnesänger Knud Seckel beeindruckte die Stimmung. "Eigentlich wollte ich die Lieder mit einem gewissen Abstand zum historischen Sujet vortragen", sagte der studierte Musikwissenschaftler. Im Laufe des Konzerts wurde auch er in den Bann des historischen Ortes gezogen. "In gewisser Weise schließt sich so ein Kreis", sagt Seckel. Würden hier durch das Konzert doch die Weisen dieses Minnesängers zu neuem Leben erweckt, und das an der letzten Ruhestätte Otto von Botenlaubens. Als Student in Heidelberg war es für ihn etwas Besonderes, die "Manessische Liederhandschrift" in der Universitätsbibliothek zu studieren. Unter anderem sind hier die Minnegesänge von Otto von der Botenlauben aufgeschrieben. "Einmal dort zu spielen, wo Otto von Botenlauben begraben liegt, ist schon etwas Besonderes", meinte er, zumal der mittelalterliche Dichter zu den ganz großen seines Fachs gehört und daneben als Adeliger auf gleicher gesellschaftlicher Stufe wie mittelalterliche Herrscher stand.
Seckel hat sich lange und intensiv mit dem Leben des Otto von Botenlauben beschäftigt, und das merkt man auch seinen musikalischen Ausführungen an. "Diese sind reine Interpretationen, wurden fast immer nur die Texte, nicht jedoch die Melodie überliefert", erklärt Seckel. Und so gilt es, beim Gesang eigene Melodien zu finden und zu versuchen, möglichst gut die Stimmung des Stücks zu interpretieren. Dies gelang außerordentlich gut.

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